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Mittwoch, 1. September 2010

Aufgelesen (23)

"'And how many hours a day did you do lessons?' said Alice, in a hurry to change the subject.
'Ten hours the first day,' said the Mock Turtle: 'nine the next, and so on.'
'What a curious plan!' exclaimed Alice.
'That's the reason they're called lessons,' the Gryphon remarked: 'because they lessen from day to day.'"

Lewis Carroll, Alice's Adventures in Wonderland

Montag, 19. Juli 2010

Aufgelesen (22)

"'Haben Sie einen Taschenkamm, Sir?'
'Zu welchem Zweck, Jane?'
'Nur um diese rauhe, schwarze Mähne auszukämmen. Wenn ich Sie genau betrachte, flößen Sie mir beinahe Furcht ein. Sie sagen, ich sei wie eine Fee, aber ich finde, daß Sie einem Kobold viel ähnlicher sind.'
'Bin ich abschreckend häßlich, Jane?'
'Sehr häßlich, Sir. Sie wissen, das waren Sie ja stets.'"

Charlotte Brontë, Jane Eyre

Donnerstag, 8. Juli 2010

Aufgelesen (21)

"Ulfredo trath in Bellaughs Zimmer mit den zween Hühnern und dazu in Speckfett frittierten Weißrüpgen. Diese waren um die Hühner zur Verzierung geordnet alswie eine Korona. Alleyn, die Säuperung des Gederms ward nicht mit der nothwendigen Sorgfalt ausgeführet, und Bellaugh, der eine gar feine Nas hatte, sagte alsogleych: 'Ich riech einen Geruch alswie Scheisze!'"

Luigi Malerba, Pataffio

Mittwoch, 16. Juni 2010

Aufgelesen (18)

"Sein [Darwins] Aufenthalt in Südamerika ... hatte ihn gelehrt, nicht mehr im Sinne von Individuen, sondern vielmehr von Populationen zu denken. Bei seinen Reisen durch die Pampa Patagoniens hatte er zum Beispiel den Nandu studiert, einen flugunfähigen Laufvogel aus der Familie der Rheidae, und alle möglichen Exemplare der von ihm beobachteten Geschöpfe seziert und gegessen."

Peter Watson, Ideen

Dienstag, 25. Mai 2010

Aufgelesen (19)

"'Du bist sechzehn, du bist ein Mädchen', sagt Dawn, 'und noch habe ich das Recht, dir zu sagen, was du zu tun hast, und das werde ich dir auch sagen.' 'Nur weil ich sechzehn bin, bin ich noch lange nicht ein M-m-mädchen! Ich tu, was ich w-w-will!' 'Du bist nicht gegen den Krieg', sagt Dawn, 'du bist gegen alles.' 'Und was bist du, Mom? Du bist für Kühe!'"

Philip Roth, Amerikanisches Idyll

Montag, 15. März 2010

Aufgelesen (18)

"Großvater Rufino, ein Züchter und Abrichter von Kampfhähnen ... schleppte ihn auf alle Kampfplätze und Hühnerhöfe der Gegend und lehrte ihn die Kunst, einen Hahn so abzurichten, daß er niemals verliert. [ ... ] Mit der Philosophie von Großvater Rufino ("Wette niemals auf einen Hahn, wenn Du nicht sicher sein kannst, daß er gewinnt") sah der Junge voller Genugtuung jenen Hahn heranwachsen und gewinnen, den er schon als gewöhnliches Ei gekannt hatte."

Leonardo Padura, Ein perfektes Leben

Montag, 8. Februar 2010

Aufgelesen (17)

"Ich muß gestehen, daß es einen Aspekt in diesem Buch gibt, der mir bisweilen Unbehagen bereitet, nämlich das ins Auge springende Ungleichgewicht zwischen seinen unterschiedlichen Themen. Wie können zwei Themen wie Rubiks Zauberwürfel und das nukleare Armageddon in ein und demselben Buch von ein und demselben Autor mit gleicher Ausführlichkeit behandelt werden?"

Douglas Hofstader, Metamagicum

Mittwoch, 3. Februar 2010

Aufgelesen (16)

"Das abgesprochene Anfertigen von Kornkreisen, die Vermarktung sowie das Behaupten, der Kreis sei 'echt', ist in Deutschland legal."

Mittwoch, 18. November 2009

Aufgelesen (15)

"Elite German people, even younger ones, are too widely traveled to ever be bothered much by such mundane things as global politics, international terrorism, or the macroeconomic cycle. In order to blend in with your German acquaintances, you must transcend these worldly levels and understand the true issues affecting elite German people today."

Dienstag, 27. Oktober 2009

Aufgelesen (14)

"Dietlind Mohr-Hagen war von Hause aus eine Hagen, zwar nicht von Tronje, aber immerhin aus Worms, und bekennendes Mitglied der Freien Demokratischen Partei. Sie arbeitete als persönliche Referentin eines Abteilungsleiters im Bundesministerium für Wirtschaft und schwärmte von dem Tag, als sie mit einer Delegation zu Verhandlungen nach London mitgeflogen war und Frau Thatcher persönlich kennengelernt hatte. Was für eine Frau! Frau Thatcher natürlich, nicht Dietlind."

Jochen Schimmang, Das Beste, was wir hatten

Mittwoch, 23. September 2009

Aufgelesen (13)

"Years ago I taught an evolution course at the University of Botswana, a devoutly Presbyterian place with a strong creationist tradition. At the end I asked one of the students how he reconciled what I had said about the immense antiquity of mankind with his belief in a universe 6,000 years old. He gave me the perfect answer: 'It is very simple, sir; you evolved – but we were created!”.

Steve Jones in einer Dawkins-Rezension

Donnerstag, 20. August 2009

Aufgelesen (12)

"So war es Adolf Kleinholdermann, der am 14. Mai 1950 den ersten Boxkampf zwischen einem Deutschen und einem US-Amerikaner, den [sic!] Schwarzamerikaner Gene 'Tiger' Jones, nach Kriegsende bestreiten sollte. Ein deutscher Adolf gegen einen schwarzen US-Boxer – das war schon etwas, so wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg."

Rochus Misch, Der letzte Zeuge

Donnerstag, 23. Juli 2009

Aufgelesen (11)

"Zu unseren wirksamsten Maßnahmen zählte die Reform der Bestimmungen für die Finanzinstitute. Der Community Reinvestment Act von 1977 forderte von den unter Bundesaufsicht stehenden Kreditinstituten besondere Anstrengungen, um Kreditnehmern mit niedrigem Einkommen Darlehen zu gewähren. Allerdings war diese Vorschrift bis 1993 weitgehend wirkungslos geblieben. Nach unserem Eingreifen stellten die Banken den von diesem Gesetz erfassten Kreditnehmern zwischen 1993 und 2000 mehr als 800 Milliarden Dollar für Hypotheken sowie Darlehen für Kleinunternehmen und Gemeindeentwicklungsprojekte zur Verfügung - eine beeindruckende Summe, die mehr als 90 Prozent des gesamten Kreditvolumens in den 23 Jahren seit Verabschiedung des Gesetzes ausmachte."

Bill Clinton, Mein Leben

Mittwoch, 11. März 2009

Aufgelesen (10)

"Der Mann am Schalter der Fluggesellschaft teilte uns mit, unser Flug von Bima nach Labuan Bajo sei vom Reisebüro nicht bestätigt worden, also hätten wir keine Plätze. Achselzuckend gab er uns unsere Tickets zurück.

Da man uns gesagt hatte, Indonesien könne man nur in einem Gemütszustand äußerster Gelassenheit in Angriff nehmen, beschlossen wir, es damit zu versuchen. Wir versuchten, dem Mann gelassen klarzumachen, daß auf unseren Tickets, genaugenommen, 'bestätigt' stehe, woraufhin er uns erklärte, 'bestätigt' bedeute, genaugenommen, gar nicht bestätigt, sondern werde lediglich auf Wunsch gewisser Leute auf die Tickets geschrieben, weil man sich so eine Menge Mühe spare und die Leute dazu bringe wegzugehen.

Er ging weg. Wir standen gelassen da und fächelten uns mit den Tickets schlechte Luft zu."

Douglas Adams & Mark Carwardine, Die Letzten ihrer Art

Freitag, 23. Januar 2009

Aufgelesen (9)

"Milly ging zur Schule, und er blieb am Tisch sitzen. Die Frühstücksflockenfirma, die Milly mit ihrer Kundschaft beehrte, hatte auf die Schachtel Weatbrix das neueste Abenteuer von Zwerg Doodoo gedruckt. Zwerg Doodoo stieß in einer ziemlich kurzen Folge auf eine Ratte von der Größe eines Bernhardiners, und er verscheuchte die Ratte, indem er tat, als wäre er eine Katze und miaute. Es war eine sehr schlichte Geschichte. Man konnte sie kaum eine Vorbereitung auf das Leben nennen."

Graham Greene, Unser Mann in Havanna

Freitag, 9. Januar 2009

Aufgelesen (8)

"Das letzte, was er drinnen sah, war das erstaunte und amüsierte Gesicht von Eva, dem Mädchen mit dem roten Haar, den Sommersprossen und dem Silberblick, der zu seiner Verzweiflung noch nie anders als spöttisch auf ihm, dem Jungen mit den dicken Brillengläsern und dem häßlichen Kassengestell, geruht hatte. Sie drehte sich zu ihrer Banknachbarin um und flüsterte ihr etwas ins Haar. 'Unglaublich', würde sie sagen. Sie sagte es bei jeder Gelegenheit. Die Unglaubliche hieß sie deshalb. 'Unglaublich!' hatte sie gesagt, als sie von dem Spitznamen erfuhr."

Pascal Mercier, Nachtzug nach Lissabon

Montag, 29. Dezember 2008

Aufgelesen (7)

"Geschichten wisse er keine, sagte Humboldt und schob seinen Hut zurecht, den der Affe umgedreht hatte. Auch möge er das Erzählen nicht. Aber er könne das schönste deutsche Gedicht vortragen, frei ins Spanische übersetzt. Oberhalb aller Bergspitzen sei es still, in den Bäumen kein Wind zu fühlen, auch die Vögel seien ruhig, und bald werde man tot sein.
Alle sahen ihn an.
Fertig, sagte Humboldt.
Ja wie, fragte Bonpland.
Humboldt griff nach dem Sextanten.
Entschuldigung, sagte Julio. Das könne doch nicht alles gewesen sein.
Es sei natürlich keine Geschichte über Blut und Verwandlungen, sagte Humboldt gereizt. Es komme keine Zauberei darin vor, niemand werde zu einer Pflanze, keiner könne fliegen oder esse einen anderen auf. Mit einer schnellen Bewegung packte er den Affen, der gerade versucht hatte, ihm die Schuhe zu öffnen, und steckte ihn in den Käfig. Der Kleine schrie, schnappte nach ihm, streckte die Zunge heraus, machte große Ohren und zeigte ihm sein Hinterteil."

Daniel Kehlmann, Die Vermessung der Welt

Dienstag, 9. Dezember 2008

Aufgelesen (6)

"In demselben Jahr ... erblickte weit weg ... ein Knabe das Licht der Welt. Sein Name war RH Bing. Nein, das ist kein Druckfehler, es fehlen keine Punkte zwischen den Initialen. Das R und das H sind nicht die Initialen seiner Vornamen. Sie sind sein Vorname. Er wurde Arhaitch oder so ähnlich gerufen ... Natürlich führte der seltsame Vorname zu Verwirrung und Geschichten ohne Ende. So wird erzählt, daß Bing, als man ihn zum Professor an der Universität von Wisconsin ernannte, gefragt wurde, was auf dem Namenschild stehen solle. Seinem Vornamen treu, erwiderte er: 'R only, H only, Bing'. Als er zu seinem neuen Büro kam, fand er auf dem Namensschild neben der Tür die Inschrift 'Ronly Honly Bing'".

George S. Szpiro, Das Poincaré-Abenteuer

Dienstag, 11. November 2008

Aufgelesen (5)

"There are sources of irrationality other than religious faith, of course, but none of them are celebrated for their role in shaping public policy. Supreme court justices are not in the habit of praising our nation for its reliance upon astrology, or for its wealth of UFO sightings, or for exemplifying the various reasoning biases that psychologists have found to be more or less endemic to our species."

Sam Harris, The End of Faith

Montag, 3. November 2008

Aufgelesen (4)

"'Es ist sonderbar. Weil man fälschlicherweise glaubt, der echte Nero habe Rom angezündet, muß jetzt zu Ehren dieses falschen Nero die Stadt Apamea ersaufen. Denn sonst hält die Welt unseren falschen Nero nicht für den echten.' - 'Ja', stimmte König Philipp zu, 'so krumme, aberwitzige Wege muß ein vernünftiger, gutwilliger Mensch gehen, wenn er Vernunft durchsetzen will. Humanität läßt sich auf diesem Erdkreis offenbar nur durch die dümmsten, niederträchtigsten Mittel beibringen.' Und fast körperlich spürten sie beide Ekel und Unmut über das Wahrhafte der menschlichen Natur, über die Gebrechlichkeit der menschlichen Vernunft."

Lion Feuchtwanger, Der falsche Nero