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Mittwoch, 27. Januar 2010

Das Akademische Quartett

Der Weltverbesserungsclub tagt in Karlsruhe. Schon bei der Anfahrt der Berliner Mitglieder gibt es Diskussionsbedarf, Martin schickt nämlich eine ETA per SMS. Entweder fährt er also extrem selten Bahn, oder er steht ihr außerordentlich wohlwollend gegenüber. Doch rätselhafterweise kommen die beiden überaus pünktlich an. Der Spaß kann beginnen!

Nach den üblichen theoretischen Erörterungen praktisch völlig unerheblicher  Fragen wagen wir uns an das Kartenspiel Keltis, eine Bearbeitung des Klassikers Lost Cities. Erwartungsgemäß spielt uns Lost-Cities-Weltrekordhalter Bernhard munter in Grund und Boden. Später kommt das Gespräch auf Grundsätze, die man unbedingt einhalten sollte, wenn man einen Atomkrieg führen und nicht als Hauptverlierer vom Platz gehen möchte. An der Trainingssoftware DEFCON gefällt mir ja vor allem folgende herrlich zurückhaltende Bildunterschrift: Europe gravely miscalculates the strength of their alliance. Am Abend stößt Presseattaché Frank dazu, und wir fahren ins 3 Mohren nach Kandel. Wie immer werden mit exklusivster Ausrüstung fotografische Dokumente der gebratenen Gockel angefertigt, wahrscheinlich zum Verblüffen der anderen Gäste.

Sonntag früh treffen wir uns zur Lagebesprechung im Cielo. Aus unbekannten Gründen beginnen Martin und Frank trotz des guten Milchkaffees eine leidenschaftliche Diskussion der Lage der deutschen Sprache. Martin hält klare Sprachregeln für unbedingt nötig, Frank für unbedingt überflüssig, und Bernhard vertritt wegen der großen Bedeutung der Fragestellung vehement beide Positionen. Ich hingegen bin wie immer neutral, selbst gegenüber meiner Neutralität.

Am späten Nachmittag gewinnt allmählich ein ungeheurer Gedanke an Gestalt: noch ein zweites Mal Hähnchenfuttern in der Pfalz? Wegen großen Hungers fragen wir vorab telefonisch an, wie lange wir wohl auf unsere Gockel warten müssen: "20 Minuten!" Und tatsächlich: Nur rund 50 Minuten nach unserer Ankunft im 3 Mohren stehen die Teller auf dem Tisch. Dafür verrät man uns aber zum Abschied, daß der Rekord bei neun(!) halben Hähnchen für einen einzigen Gast liegt.

Freitag, 21. August 2009

"Basically a race game with a simple auction mechanism"

Durch Zufall bin ich auf eine herrliche Analyse des Schachspiels gestoßen, die Marc Lecours auf boardgamegeek.com veröffentlich hat. Appetithäppchen: "Many people complain than chess is kind of a boring two player solitaire game. To them chess is basically a race game with a simple auction mechanism for key spaces on the board. The general consensus is that chess has appeal to players who like economic efficiency games but has little appeal to player who prefer a lot of player interaction". Weiterlesen!

Bild: Wikipedia

Donnerstag, 9. Oktober 2008

Hexxagon

Hexxagon ist ein wunderbares abstraktes Strategiespiel mit leichten Regeln. Die optimale Zerstreuung für anstrengende Bürotage. Viel Vergnügen!

Hexxagon made by Neave Games

Montag, 15. September 2008

Krieg, Kandel und Karlsruhe

Man muß die Provinz dann und wann am Glanz der Hauptstadt teilhaben lassen, sonst verliert sie die Lust an den Tributzahlungen. Was in der römischen Kaiserzeit galt, kann auch für unsere Republik nicht falsch sein. Vor dem Hintergrund dieser Überlegungen zieht es zwei Profiteure des Länderfinanz-ausgleichs nach Karlsruhe: Bernhard und Martin.

Das Wochenende startet friedlich im Besitos am Marktplatz. Man hat vom Weinbrenner zwar die Räumlichkeiten übernommen, aber nicht das Servicekonzept - eine weise Entscheidung. Und so werden wir freundlich, kompetent und schnell bedient; in diesem Haus ja eine ganz und gar ungewohnte Erfahrung. Später geht es weiter zu Carlos, seit einiger Zeit ja meine Lieblings-Cocktailbar in Karlsruhe (inzwischen habe ich von Guido erfahren, daß es im Grunde auch die einzige richtige Cocktailbar der Stadt ist, aber das müssen die Berliner ja nicht wissen). Erst um 4 Uhr sind wir zu Hause.

Am Samstag wird es dann ernst. Das Wochenende hat ja wie gewohnt die Weltherrschaft zum Thema, doch statt der ursprünglich geplanten Strategieklassiker Civilization oder Diplomacy greifen wir zu Wallenstein. Das vergleichsweise junge Spiel bringt den Dreißigjährigen Krieg herrlich authentisch ins Wohnzimmer: Alle bekriegen sich gegenseitig, und das hungrige Bauernpack muß am meisten leiden. Frank errichtet eine Gewaltherrschaft im Norden, Bernhard baut eine gigantische Drohkulisse am Rhein auf, und Martin und ich verwüsten tit-for-tat die bayerischen Lande. Toll!

Mit leerem Magen wird man auch des schönsten Krieges irgendwann überdrüssig. Am frühen Abend fahren wir also nach Kandel ins 3 Mohren, den anderen Hähnchenspezialisten der Pfalz. In den Fenstersimsen stehen überall glückliche Hühnerfiguren, aber wir fragen uns, ob das Haus in Hähnchenkreisen wirklich so beliebt ist? Egal. Die Hähnchen sind wie üblich knackig, und alle sind zufrieden - bis Bernhard eine bizarre Bitte äußert. Ob er denn mal einen gebratenen Gockel in der Küche fotografieren dürfe? Ehrfurchtsvoll blickt die Bedienung auf seine 6.000-Euro-Kamera und fragt vorsichtig, ob er Fotograf sei? Dem Künstler gelingt spontan eine fabelhaft-geheimnisvolle Antwort: "Unter anderem".

Nach knusprigen Hähnchen in der Pfalz dann das exakte Gegenteil: zeitgenössische Musik im ZKM. Matthias Ockert präsentiert sein neues Werk, die Komposition Primum Mobile. Wie bei so vielen zeitgenössischen Stücken steht auch hier nicht die Musik im Vordergrund, sondern ihr Entstehungsprozeß. Ockert hat für Primum Mobile auf Verfahren der Informatik zurückgegriffen, mit denen man die Zufallsverteilung der Töne oder Tonhöhen oder was auch immer kontrollieren kann. Das ist technisch natürlich alles sehr interessant, doch musikalisch leider auch weitgehend wertlos. Wie immer ist das Publikum begeistert, aber alles andere als frenetischer Applaus ist bei zeitgenössischer Musik ja auch gar nicht mehr denkbar. J'en ai marre!

Sonntag morgen begehe ich dann den großen Fehler des Wochenendes. Weil es so schön zentral liegt, schlage ich für unser Frühstück das Café Böckeler vor, das von allen denkbaren Eigenschaften eigentlich nur eine einzige vollkommen besitzt: Authentizität. Und so bekommen unsere Berliner kurz vor Schluß noch den Eindruck, daß Karlsruhe nicht nur so heißt, sondern auch so ist.

Samstag, 30. August 2008

Das deutsche Spielewunder

Der Economist hat endlich mal einen Artikel über das deutsche Brettspielwesen gebracht. Und wie üblich gelingt es den Damen und Herren aus London, eine plausible Begründung für das Phänomen schon in der kurzen Headline zu bringen: "An affinity for rules?"

Vielleicht wirklich die Erklärung dafür, warum ausgerechnet aus Deutschland so viele und so gute Brettspiele kommen ...

Dienstag, 20. Mai 2008

Ramschartikel

Rheinland-Pfalz verbietet als erstes Bundesland öffentliche Pokerveranstaltungen. Nur noch in konzessionierten Spielbanken ist das Spiel erlaubt, natürlich. Der Grund ist natürlich keinesfalls und unter gar keinen Umständen, daß man die staatlichen Konzessionseinnahmen gegen aufstrebende private Pokerturniere schützen möchte. Völlig undenkbar! Nein, der Staat ist ausschließlich in tiefer Sorge um suchtgefährdete Minderjährige. Bzw. wenn sie schon süchtig werden, dann bitteschön beim staatlichen konzessionierten Lotto. Das bleibt nämlich legal.

Leider wieder mal ein herrliches Beispiel für den enttäuschenden Grundrechtsschutz durch Artikel 2 (1) GG. Durch die schwammige Formulierung kann Rabenvater Staat damit praktisch alles verbieten, was ihm vor die Nase kommt.

Dienstag, 6. Mai 2008

Besuch bei RetroGames

Der Verein RetroGames e.V. gehört zu den bemerkenswerteren kulturellen Einrichtungen in Karlsruhe: Man kann dort uralte Computer- und Automatenspiele zocken. Alle drei Jahre sollte man ruhig mal wieder hingehen und sich mit den bis zu 30 Jahre alten Exponaten beschäftigen. Gedacht, getan.

Der Mann an der Kasse möchte zunächst 3 Euro Eintrittsgeld von uns, überlegt es sich dann aber anders: "Zahlt beim Rausgehen einfach, was Ihr wollt". Hocherfreut betreten wir die heiligen Hallen. Während Günther sich mit verschiedenen Flippern beschäftigt, zocke ich ein paar Runden Arkanoid, Frogger und Out Run. Geschockt bin ich allerdings von Pit Stop 2: Vor nicht einmal einem Vierteljahrhundert hielt ich (und nicht nur ich!) das Spiel für einen Geniestreich, heute ist es gähnend langweilig. Die Zeiten ändern sich, und die Spiele mit ihnen.

Beim Rausgehen werfen wir 4 Euro in die Kasse. Umsatz mal eben um 33 Prozent gesteigert, und dann auch noch durch pure Freundlichkeit. Das ist wirklich retro.

Montag, 18. Februar 2008

Zocker unterwegs

Was ist Meckesheim? Ein Ort in Zentraleuropa, über den es nicht viel zu sagen gäbe ... wenn man dort nicht bei einer geheimnisumwobenen Garagenfirma äußerst günstig anspruchsvolle Spiele kaufen könnte! Roger hat dort schon so manchen Euro gelassen und nimmt mich diesmal mit zur großen Einkaufstour. Er hat natürlich einen systematischen Plan und stapelt Spiel auf Spiel, während ich noch über die günstigen Kostbarkeiten staune. Aber ich will ja eigentlich nur schauen - und bleibe hart. Gekauft wird nichts! Doch schließlich entdecke ich einige Klassiker, die mich schon immer gereizt haben: Diplomacy, Civilization, Acquire - und das sensationelle Feudal von 1967, eine Art Action-Schach. Und wo ich schon mal dabei bin, kann ich ja gleich noch Wikinger und ein paar Titel des schwäbischen Spezialitätenverlags Adlung dazulegen. Und vielleicht noch Lost Cities. Diesen Geniestreich von Reiner Knizia habe ich zwar schon längst, aber schaden kann es sicher nicht ...

Schwer beladen, aber glücklich machen wir uns auf den Heimweg. Wieder einige Spiele mehr im Fundus, deren Praxiseinsatz höchst fraglich ist.

Freitag, 21. Dezember 2007

Ihr Surferlein kommet

Wie kommt man im Internet schnell auf hohe Zugriffszahlen? Diese Frage stellt sich jeder, der im Netz eine eigene Seite betreibt. Die Leute von MyMiniCity scheinen ein Konzept ausbaldowert zu haben, das funktioniert: Man kann dort mit ein paar Mausklicks eine neue Stadt gründen, und für jeden Besucher dieser Stadt wächst die Einwohnerzahl um 1. Voilà - eine Community, die aufs Wesentliche reduziert ist.

Ich habe testweise natürlich auch gleich mal eine Stadt angelegt: Skandoria. Entrez, s'il vous plait.

Mittwoch, 19. Dezember 2007

Besucht & befunden

Jahresabschluß in Karlsruhe! Es beginnt mit Besuch aus Berlin. Bernhard schaut pünktlich zum Beethoven-Geburtstag vorbei, um zu erfahren, was sich in den letzten 5 Jahren in Karlsruhe getan hat: eigentlich nichts. Die Maurischen Spießchen im LetscheBacchus seien allerdings keinesfalls mehr zu empfehlen, außerdem gäbe es in der angeblichen Weinstube nach wie vor keine vernünftigen Weine. Touché!

Apropos: Zur Feier des Tages wird in Rintheim eine Blindverkostung verschiedener Tropfen veranstaltet. Bernhard gehört ja zu den unverbesserlichen Kritikern deutscher Weine, diese Flausen muß man dem Jungen doch irgendwie austreiben können! Also lassen wir drei kräftige Franzosen gegen einen Portugieser von Bernhart(!) antreten. Aufgabe: Bernhard soll den (Fast-)Namensvetter finden. Leider, leider gelingt es ihm - bernhardus bernhartem lupus! Nachdem der Portugieser als Pfälzer enttarnt ist, verkosten wir allerdings fleißig weiter. Unsere Anstrengungen werden von David beobachtet und treffend, aber wolkig kommentiert: Ich hätte ja ziemlich theoretische Freunde. Erst gegen 5 Uhr morgens ermattet die fröhliche Runde. Irgendwie erwischt Bernhard dann aber doch rechtzeitig seinen Zug nach Berlin - ein kleines Wunder.

Ein paar Stunden Pause, dann der nächste Besuch. Tom landet auf dem knuffigen Baden-Airpark und hat frische Handys und den neuen Dawkins (hier ein Interview) im Gepäck, juhu! Als erste Amtshandlung auf badischem Boden analysiert er die Zugangssoftware meiner UMTS-Karte und stellt fest, daß sie nicht nur ineffizient, sondern vollkommen überflüssig ist. Also weg damit! Ich hatte mich ja schon immer gefragt, warum Vodafone so erfolgreich ist. Wie überall gilt aber offenbar auch im Telekommunikationsmarkt: je schlechter die Software, desto größer der Markterfolg.

Tags drauf treffen wir uns mit Alin & Sandra im Sol i Luna. Tom entscheidet sich für ein richtiges Mahl, ich wähle in weiser Voraussicht ein Kartoffelsüppchen. Denn zwei Stunden später sind wir ja schon wieder zum Essen eingeladen, diesmal bei Anke. Nimmersatt Tom langt auch hier wieder richtig zu. Man hat Hamburg ja immer für eine wohlhabende Stadt mit ausreichend Nahrungsmitteln für die Bevölkerung gehalten - lagen wir alle falsch?

Abends dann noch eine beinahe schon traditionelle Spielerunde mit Bettina. Unsere Partie Ein solches Ding führt wieder einmal zu tiefschürfenden Diskussionen: Trägt der Teufel einen Hut? Ist er gar größer als eine Giraffe? Man muß im Leben nur die richtigen Fragen stellen, dann ergibt sich alles andere wie von selbst.

Montag, 20. August 2007

Packendes Packeis

Die Spieleplattform Yucata.de gehört zu den feinsten Spieleseiten im Internet. Man kann dort eine ganze Reihe wunderbar gestalteter Brettspiele ausprobieren, zum Beispiel Rosenkönig, Kahuna, Hexxagon oder Just 4 Fun. Hinzu kommt, daß die Spieler dort als besonders nett und umgänglich gelten. Alles gute Gründe, dort die eine oder andere Stunde mit Spielereien zu verschwenden.

Seit heute ist nun endlich ein Spiel online, das ich mir schon seit langem gewünscht habe: Packeis am Pol. Für mich ist PaP schon heute ein moderner Klassiker; es eignet sich sowohl für Wenig- als auch Vielspieler und kann in beliebigen Gruppen gespielt werden. Am kniffligsten ist es natürlich zu zweit, doch auch zu viert macht es noch Spaß. Alvydas Jakeliunas und Günter Cornett haben damit wirklich einen Meilenstein hingelegt.

Sonntag, 19. August 2007

Südlicher geht nicht

Spötter behaupten zwar, die Stadt habe gar keinen; wahr ist aber: Das schöne Städtchen Waldshut ist weitaus besser als sein Ruf, auch wenn es mal zu Österreich gehörte. Dieses klare Fazit ziehen wir aus einer zweitägigen Recherchetour an die Schweizer Grenze. Anlaß war eine Einladung von Nicole & Michael, die nun schon drei Monaten in Waldshut wohnen und uns übers Wochenende einluden. Unser erster Eindruck wird geprägt vom einigermaßen dominanten Kernkraftwerk Leibstadt, das direkt auf der anderen Seite des Rheins auf einem Wiesenidyll thront. Doch keine Bange: Wenn Atomkerne in der Schweiz nur halb so sicher gespalten werden wie Geld vermehrt, droht niemandem auch nur die geringste Gefahr!

Wir spazieren zunächst gemeinsam in die wunderbare Altstadt von Waldshut, trennen uns aber am Unteren Tor: Anke & Nicole gehen (natürlich) shoppen, ich treffe mich mit The Man Himself - Michael wohnt seit einiger Zeit ja wieder in der Gegend. Als erstes begeben wir uns ins angesagteste Eiscafé Lauchringens und spielen dort eine Partie Legie, das Sensationsspiel des sachlich durchaus korrekt benannten tschechischen Verlages Czech Board Games (hier eine deutsche Rezension). Michael ist immerhin angetan, ich aber begeistert: Das Spiel gefällt mir sogar noch besser als der Geniestreich Hive. Bei der Gelegenheit lassen wir uns zu einem Spiel inspirieren, das eines Tages natürlich mal Spiel des Jahres werden soll. Es geht um Schäfer und Schafe, und die Eröffnung vermittelt ein wirklich innovatives Spielgefühl - mehr wird nicht verraten.

Am Abend geht es dann auf die Waldshuter Chilbi. Hintergrund des Volksfestes: Waldshut wurde 1468 von den Schweizern belagert. Während jede andere Stadt auf der Welt es vorgezogen hätte, von den Eidgenossen erobert zu werden, widersetzten sich die störrischen Waldshuter mit einem billigen Trick und wurden so zur Strafe den Barbaren nördlich des Rheins zugeschlagen. Wir sind von dem Schauspiel begeistert und wandern anschließend noch auf die Kirmes. Anke überredet mich zu einem Foto mit einem Lebkuchenherz, das ich mir vorher nicht ansehen darf - ich sage zu und werde reich belohnt.

Sonntag machen wir uns dann auf den Heimweg, schauen aber vorher noch in Freiburg vorbei und besichtigen Münster, das Café Légère und Christianes Wohnung. Ihr dreijähriger Sohn Luca fällt durch bemerkenswerte musikalische Präferenzen auf: Sein Lieblingsinstrument ist ausgerechnet das Fagott. Früher wollten die Jungs wenigstens noch Rockstar werden - quo vadis, Rock'n'Roll ...

Samstag, 4. August 2007

Footsteps

Wer Spiele mit einfachen Regeln und unvollständiger Information mag, wird Footsteps lieben - ein Spiel für zwei Personen das mich beharrlich an Douglas Hofstadters Mittelmäßigkeit erinnert. Es wird auf einer Art Lineal mit 7 Positionsmarken gespielt. Die erste Positionsmarke ist das Zielfeld von Spieler 1, die letzte das von Spieler 2. Auf die mittlere wird zu Beginn eine Münze gelegt. Jeder Spieler erhält 50 Punkte. In jeder Runde bietet jeder der beiden Spieler nun mindestens 1 Punkt. Der Spieler mit dem höchsten Gebot darf die Münze eine Positionsmarke weiter zu sich schieben. Erreicht die Münze ein Zielfeld, hat der entsprechende Spieler gewonnen.

Gibt es eine optimale Strategie für Footsteps? Darüber streiten die Experten. Natürlich ist das Spiel wesentlich komplexer als Stein, Schere, Papier, und natürlich wird es um so spannender, je häufiger zwei Spieler es miteinander spielen.

Auf derselben Webplattform wird übrigens auch das hochinteressante Spiel Phutball von John Conway angeboten. Eigentlich heißt das Spiel Philosopher's Football - da ist man natürlich schnell bei International Philosophy von Monty Python ...

Mittwoch, 18. Juli 2007

Wunder gibt es immer wieder

Ist da alles mit rechten Dingen zugegangen? Ich habe ein Go-Match gegen einen 6er-Kyu gewonnen, also einen Spieler, der rund 10 Ränge über mir steht. Mein bisher höchster Sieg war gegen einen 10er-Kyu. Als nächstes nehme ich mir einen Dan vor. Und dann kommt die Weltherrschaft. Und dann werde ich Papst!

Wahrscheinlich hat mein Gegner als Schwarzer einfach zu defensiv gespielt. Schon nach der Hälfte des Spiel sah es nicht sehr gut aus für ihn ...

Sonntag, 8. Juli 2007

Hallöle, Hanseat

Tom ist mal wieder zu Besuch in der Fächerstadt, und es stehen drei anstrengende Tage auf dem Programm. Wir starten mit einer Runde Sushi und jagen dann zu WEB.DE, wo wir von unserem Kontaktmann mit einem ganz hervorragenden Kaffee verwöhnt werden. Vive le Franque! Anschließend wird es ernst: ZKM! Es gibt wie üblich Ärger mit meinem angeblich zu großen Rucksack, aber diesmal kann ich die Kulturtürsteherin nicht überzeugen und bunkere ihn darum im Schließfach. Die Ausstellung regt uns wie immer zu einer spannenden Frage an: Was ist das ZKM? Oder allgemeiner: Was ist Kunst? Oder noch allgemeiner: Was ist was? Alle drei Fragen bleiben unbeantwortet - was vielleicht gar nicht mal die schlechteste Lösung ist!

Abends treffen wir Frank im Sol i Luna in Durlach wieder und bestaunen zunächst seine bemerkenswert antizyklische Kleidung, nämlich einen langen schwarzen Ledermantel. Am Tisch werden wir dann von der charmanten Kirsten bedient und wundern uns, auf welche Gegend denn ihr homöopathischer Akzent hinweist. Die drei Cheflinguisten sind sich sicher: Es handelt sich ganz sicher um unterdrücktes Sächsisch, allenfalls um die Zunge des Münsterlandes! Doch als Kirsten das Rätsel auflöst, ist die Verwunderung groß: Ihre Wurzeln sind halb ungarisch und halb italienisch. Nun ja, weit daneben ist auch vorbei. Später möchte die vierjährige Vivian vom Nebentisch wissen, ob wir Diebe seien - ihr Vater sei Polizist. Außerdem droht sie uns noch eine kriminalistische Innovation an: Polizeipferde mit Blaulicht! Doch wir können entkommen und beenden den Abend als freie Bürger im Durlacher Vogel.

Der nächste Tag steht ganz im Zeichen von Investitionen mit einer Rendite von wenigstens 12 (Volumen-)Prozent: Wir fahren an die Weinstraße, um Tom die Vorzüge des Pfälzerweins nahezubringen. Die erste Station ist das Weingut Jülg in Schweigen, bei dem wir einen fantastischen Riesling entdecken - die Rotweine aus dem großen Holzfaß überzeugen uns allerdings nicht unbedingt. Als nächstes geht's gleich nebenan zu Friedrich Becker, der ja laut Gault-Millau den besten Spätburgunder Deutschlands produziert. Der Mitarbeiter ist angesichts der sieben Gäste in der Probierstube etwas überfordert, aber nach einigem Hin und Her gelingt es ihm zu unserer Überraschung dennoch, uns Wein zu verkaufen. Leider nicht unbedingt den richtigen, wie Günther später bemerkt: Der Bursche hat ihm versehentlich dieselben Sorten wie mir eingepackt. Weinimprovisation! Nach einer kleinen Stärkung im Gutsausschank Leiling steuern wir den letzten Punkt unserer Weinreise an, das Weingut Fader im pittoresken Rhodt unter Rietburg. Hier entdeckt Tom die Überraschung des Tages: einen halbtrockenen(!) 2005er Dornfelder für 3,60 Euro. Wenn es eine Pfälzer Einstiegsdroge gibt, dann diese! Noch ein kleiner Rhodt-Tip von Günther: In der Theresienstraße 33 kann man bei Roswitha Wolff sortenreines Weingelee kaufen.

Am nächsten Morgen sind wir bei Anke zu einem opulenten Frühstück eingeladen. Nach einer Partie Terra Nova bringt Tom dann mit der Aufnahmefunktionen seines Handys ihren Wellensittich Hugo völlig aus dem Konzept. Das tschilpende Ding auf dem Käfig ist vielleicht zwar etwas eckig, aber vielleicht ist es ja doch ein Artgenosse? Hugo goes mad und wirft mit Salatblättern um sich. Ziemlich un(wellen-)sittliches Verhalten!

Nach einer Minitour durch den nördlichen Schwarzwald (Ettlingen - Bad Herrenalb - Schloß Schänke in Gernsbach - Baden-Baden) geht's dann zum knuffigen Baden-Airpark. Adele!

Montag, 2. Juli 2007

Bloxorz

Die ganze Welt steckt voller Freaks, die nichts anderes im Kopf haben, als ständig neue Online-Spiele zu erfinden. Die meisten davon sind nicht der Rede wert. Jetzt bin ich aber mal wieder auf ein Spielchen gestoßen, mit dem sich ganz hervorragend und in beliebigem Umfang kostbare (Arbeits-)Zeit verschwenden läßt: Bloxorz.

Arbeitnehmer aller Länder - amüsiert Euch!

Dienstag, 26. Juni 2007

Zooloretto

Das Spiel des Jahres 2007 heißt ... Zooloretto von Michael Schacht! Die Spielegemeinschaft ist natürlich wie jedes Jahr enttäuscht, daß ein so einfaches Spiel gewonnen hat und nicht ein großer Strategieschinken mit 30seitigem Regelheft. Doch das ist ja genau die Absicht der Jury: Ausgezeichnet werden soll ein Spiel, das breite Schichten anspricht und Lust aufs Spielen macht. Leider habe ich Zooloretto noch nicht gespielt, aber wenn es genauso einfach und lustig ist wie sein Vorgänger Coloretto, hat die Jury voll ins Schwarze getroffen.

Michael Schacht ist ja seit langem bekannt für eingängige Spiele, die fast jedem Spaß machen. Meine Lieblingstitel von ihm sind Industria, Don und natürlich das fantastische Kardinal & König.

Samstag, 16. Juni 2007

Feuerstein 70

Gestern ist Herbert Feuerstein - für viele letztlich nicht sehr überraschend - 70 Jahre alt geworden. An seinem Ehrentag ist viel Bekanntes über ihn geschrieben und gesendet worden, aber ein kleines Detail haben die Jubelperser übersehen: Feuerstein war der allererste TwixT-Spieler und hat seinerzeit mit Meister Alex Randolph spannende Partien im Kaffeehaus Hawelka ausgefochten. Ob er heute noch eine Chance gegen moderne Spielweisen hätte? Seit längerem gilt ja György Csizmadia aus Ungarn als weltbester Spieler, und es sieht nicht so aus, als ob ihm derzeit jemand den Rang streitig machen könnte ...

Dienstag, 6. März 2007

David gegen Go-liath

Eine Unmöglichkeit ist geschehen - ich habe ein Go-Match gegen einen 10-Kyu-Spieler gewonnen! Mir ist vollkommen schleierhaft, wie das passieren konnte. Normalerweise hat ein 18er-Kyu-Würstchen wie ich gegen einen so viel besseren Spieler nicht den Hauch einer Chance. Vielleicht lag es an meiner extrem defensiven Eröffnung. Normalerweise hätte mein Gegner als Schwarzer viel aggressiver spielen müssen, immerhin mußte er ein Komi von 5,5 aufholen.

Sonntag, 4. März 2007

Spielenachmittag

Wir treffen uns mal wieder zu einem Spielenachmittag bei Anja. Nach einer Aufwärmrunde Sticheln kann ich die anderen völlig überraschend zu einem Klassiker überreden, der sonst praktisch nie auf den Tisch kommt: Intrige. Bei diesem Spiel geht es darum, Gelehrten möglichst lukrative Posten an Fürstenhöfen zu verschaffen. Dazu trifft man mit den anderen Spielern Vereinbarungen: "Ich schicke meinen Chemiker auf Deine 6.000-Dukaten-Stelle, und dafür bekommt Dein Theologe meinen 6.000-Dukaten-Job - O.K.?" Das Schöne: Man muß sich nicht an die Vereinbarungen halten. Am Ende gewinnt derjenige, der die anderen am glaubhaftesten belügt. Also Doris.

Was mich an Intrige immer wieder fasziniert, ist die Tatsache, daß oft der ehrlichste Spieler gewinnt. Für Kinder und Jugendliche ist es also völlig ungeeignet, sie bekommen sonst ja eine vollkommen falsche Vorstellung von der wahren Geschäftswelt.

Anja hat übrigens gerade einen vierbeinigen Mitbewohner: Lionel, einen überaus schlecht erzogenen Foxterrier, dessen Name auch noch auf O betont wird. Roger und ich sind uns ausnahmsweise mal einig - wir haben selten einen neurotischeren Hund erlebt. Anja muß ihn glücklicherweise nur noch eine Woche ertragen, dann kommen seine Besitzer aus dem Urlaub zurück.