I Am Kloot:
Radiation
PS: Ja, ja, natürlich höchst triviale Musik - aber die Engländer haben bei der Popmusik einfach den Dreh raus, oder?
Dies und das | Bemerkenswerte Nebensächlichkeiten | Spezialitäten aller Art
PS: Ja, ja, natürlich höchst triviale Musik - aber die Engländer haben bei der Popmusik einfach den Dreh raus, oder?
Themen: Fazit: höchst erfreulich, Musik
Ich war erstens noch nie auf einem Konzert des Palatia Jazz Festivals, zweitens noch nie auf einem Konzert im Schloß Bad Bergzabern und drittens auch noch nie auf Konzert des Portico Quartets (die - viertens - von einigen Mitgliedern der Jazzpolizei gar nicht als Jazz akzeptiert werden). Dreieinhalb gute Gründe also, sich auf den Weg in die Pfalz zu machen!
Das Konzert beginnt rätselhaft. Die vier Jungs oszillieren gekonnt zwischen hypnotischen Elementen wie bei Nik Bärtsch und eleganten Melodien à la e.s.t., doch wir fragen uns, woher dieser merkwürdige glockenhelle Ton kommt, der interessanterweise etwas häufiger als einmal pro Takt angeschlagen wird? Und vor allem: von wem? Nick Mulvey mit seinen hang drums scheint es jedenfalls nicht zu sein. Eine hochkomplexe, polymetrische Spielerei? Zwischen zwei Stücken dann die Auflösung: Ein Spatz sitzt auf dem Schloßdach und bringt sich fröhlich in die Improvisation ein.
In der Pause erstehe ich noch für 3 Euro eine CD des Roten Bereichs und werde so an Rudi Mahall erinnert.
Themen: Fazit: höchst erfreulich, Musik, Reise
"Ulfredo trath in Bellaughs Zimmer mit den zween Hühnern und dazu in Speckfett frittierten Weißrüpgen. Diese waren um die Hühner zur Verzierung geordnet alswie eine Korona. Alleyn, die Säuperung des Gederms ward nicht mit der nothwendigen Sorgfalt ausgeführet, und Bellaugh, der eine gar feine Nas hatte, sagte alsogleych: 'Ich riech einen Geruch alswie Scheisze!'"
Historische Straßenbahnfahrt durch Karlsruhe! Leider befinden sich die wirklich antiken Bahnen derzeit in Reparatur, so daß wir auf den Gelenktriebwagen 12 ausweichen müssen - mit seinen rund 50 Jahren eine Art Jungspund im Rentnerarsenal der KVV. Unser Moderator versichert uns aber, daß schon in Kürze wieder ein runderneuerter Bahnveteran zur Verfügung stehen wird.
Wir machen es uns derweil in den gepolsterten Sitzen bequem und freuen uns über die Gesichter der Fußgänger draußen, die wahrscheinlich die Farbgebung der Bahn nicht glauben können: Zickengelb und Schreckgrün, dazu gelbgetönte Scheiben. Während wir die badische Metropole vorüberziehen lassen, werden wir über einige Aspekte der Superlativstadt Karlsruhe informiert, die wir noch nicht kannten. So gab es in Karlsruhe die erste Kastanienallee Deutschlands! Und Goethe höchstselbst hielt die Durlacher Allee seinerzeit für die schönste Allee im ganzen Land. Sogar einen fiktiven Superlativ hat KA heute zu bieten: Hätte man das Dörfle in den 60er Jahren nicht größtenteils abgerissen, wäre die urige Kleinbürgersiedlung heute Deutschlands Touristenattraktion Nr. 1. Wow! Wow! Wow!
Der Nachmittag klingt badischstmöglich mit Kaffee & Kuchen im Café Böckeler aus.
Themen: Fazit: höchst erfreulich, Reise
Heute im Angebot: Eine Band für Leute, die glauben, daß sie von Cuong Vu bis Nils Petter Molvær schon alles Trompetenmögliche gehört haben.
Themen: Fazit: höchst erfreulich, Musik
Der Weltverbesserungsclub tagt in Karlsruhe. Schon bei der Anfahrt der Berliner Mitglieder gibt es Diskussionsbedarf, Martin schickt nämlich eine ETA per SMS. Entweder fährt er also extrem selten Bahn, oder er steht ihr außerordentlich wohlwollend gegenüber. Doch rätselhafterweise kommen die beiden überaus pünktlich an. Der Spaß kann beginnen!
Nach den üblichen theoretischen Erörterungen praktisch völlig unerheblicher Fragen wagen wir uns an das Kartenspiel Keltis, eine Bearbeitung des Klassikers Lost Cities. Erwartungsgemäß spielt uns Lost-Cities-Weltrekordhalter Bernhard munter in Grund und Boden. Später kommt das Gespräch auf Grundsätze, die man unbedingt einhalten sollte, wenn man einen Atomkrieg führen und nicht als Hauptverlierer vom Platz gehen möchte. An der Trainingssoftware DEFCON gefällt mir ja vor allem folgende herrlich zurückhaltende Bildunterschrift: Europe gravely miscalculates the strength of their alliance. Am Abend stößt Presseattaché Frank dazu, und wir fahren ins 3 Mohren nach Kandel. Wie immer werden mit exklusivster Ausrüstung fotografische Dokumente der gebratenen Gockel angefertigt, wahrscheinlich zum Verblüffen der anderen Gäste.
Sonntag früh treffen wir uns zur Lagebesprechung im Cielo. Aus unbekannten Gründen beginnen Martin und Frank trotz des guten Milchkaffees eine leidenschaftliche Diskussion der Lage der deutschen Sprache. Martin hält klare Sprachregeln für unbedingt nötig, Frank für unbedingt überflüssig, und Bernhard vertritt wegen der großen Bedeutung der Fragestellung vehement beide Positionen. Ich hingegen bin wie immer neutral, selbst gegenüber meiner Neutralität.
Am späten Nachmittag gewinnt allmählich ein ungeheurer Gedanke an Gestalt: noch ein zweites Mal Hähnchenfuttern in der Pfalz? Wegen großen Hungers fragen wir vorab telefonisch an, wie lange wir wohl auf unsere Gockel warten müssen: "20 Minuten!" Und tatsächlich: Nur rund 50 Minuten nach unserer Ankunft im 3 Mohren stehen die Teller auf dem Tisch. Dafür verrät man uns aber zum Abschied, daß der Rekord bei neun(!) halben Hähnchen für einen einzigen Gast liegt.
Wer ins Exil muß, sollte in die Schweiz gehen – das hat sich inzwischen ja herumgesprochen. Was aber deutlich weniger Menschen wissen: Wer in die Schweiz muß, sollte unbedingt ins Exil gehen! In diesem feinen Zürcher Club spielt nämlich seit einiger Zeit Nik Bärtsch's Ronin. Immer montags, so wie früher im Bazillus Club. Endlich sehen wir ihn also mal wieder live!
Auf der Hinfahrt machen wir zunächst Station im einzigartigen Pratteln, wo wir uns eine ziemlich nahrhafte Quiche gönnen, die im wahrsten Sinne des Wortes Käse ist bzw. überwiegend daraus besteht. Kurze Zeit später kommen wir dann in der kleinsten Global City der Welt an, die von einer Monumentalbaustelle derzeit nur anhand des Ortsschildes unterschieden werden kann.
Im Exil erleben wir dann ein fantastisches Ronin-Konzert. Die Musik ist wieder unglaublich druckvoll und trotz der strengen Schematik sehr abwechslungsreich. Bestimmt nicht unser letzter musikalischer Besuch in Zürich!
Themen: Fazit: höchst erfreulich, Musik
Nach langen zwei Jahren gönnen wir uns endlich mal wieder ein Wochenende in Luzern. Der Monat spricht natürlich dagegen, aber leider findet das Piano-Festival nun mal stets im November statt. Wir steigen also in die Bahn und machen uns auf den Weg in die Schweiz.
Nach dem Umstieg im Schweizer Bahnhof in Basel wollen wir unsere Plätze einnehmen, doch der Herr am Fenster will einfach nicht weichen. Das Prinzip der Reservierung scheint ihm nicht geläufig zu sein. Es geht ein bißchen hin und her, dann haben die – eigentlich unbeteiligten – Damen gegenüber ein Einsehen und machen ihre Plätze für den Herrn frei, damit wir uns auf unsere Plätze setzen können. Uns ist diese eidgenössische Höflichkeit ein bißchen peinlich, aber der dreiste Herr fühlt sich pudelwohl. Andere Länder, andere Unsitten.
Auf dem Weg zum Hotel staunen wir über den neuesten Luzerner Freizeittrend: Fahrräder werden in die Reuss geworfen, bleiben dort eine Weile liegen, wieder herausgeholt und dann erneut hineingeschmissen. Offenbar eine kultische Handlung, die sich Außenstehenden nicht erschließt, aber immerhin ein wenig an das deutsche Regietheater erinnert! Inspiriert beziehen wir unser wunderbar altmodisches Hotelzimmer mit Blick auf den Pilatus, der ja im Prinzip ein Emmentaler, aber alles andere als Käse ist. Beim Frühstücksbüfett entdecke ich zum ersten Mal Ovomaltine-Brotaufstrich und bin etwas enttäuscht: Nutella mit Knusperstückchen, muß das sein?
Doch für weitere Überlegungen bleibt keine Zeit, schließlich müssen wir den stolzen Ozeanriesen erreichen, mit dem wir über den Vierwaldstätter See zum Rütli schippern wollen. Dort erleben wir dann das wohl unspektakulärste Nationalheiligtum der Welt. Die Ehrenwache des historischen Ortes wird von sorgfältig ausgewählten Schafen gebildet, deren zahlreichen Hinterlassenschaften man auf dem Rasen leider nur schwer ausweichen kann. Kein Wunder, daß Wilhelm Tell damals hier nicht mitgeschworen hat.
Am frühen Abend lauschen wir dann dem Spiel Maurizio Pollinis im KKL (in dessen Foyer es in diesem Jahr mehr Gäste als Sicherheitsleute gibt, erstaunlich!). Beethovens Sturm-Sonate und die Appassionata bringt Pollini für meinen Geschmack ein wenig fad auf die Tasten, aber in Schumanns Fantasie op. 17 entzündet er ein Feuerwerk der Dynamik (auch wenn die NZZ nicht begeistert war). Den gelungenen Tag beschließen wir in der gemütlichen Rathaus Brauerei, wo ich das Rathaus-Bock empfehlen kann (Anke das normale Rathaus-Bier aber weniger).
Am Sonntag schließlich wollen wir mit der Pilatusbahn ganz nach oben. Auf dem Gipfel in rund 2.100 Metern Höhe weht es uns frisch um die Ohren, doch die Aussicht entschädigt für alles.
Themen: Fazit: höchst erfreulich, Kultur, Reise
Jahrestasting bei Fred. Im letzten Jahr hatte sich unsere Expertenrunde nach einer strengen Blindverkostung ja ausgerechnet für einen Standardwhisky entschieden, den man heute rund um die Uhr an jeder Tankstelle bekommt. In diesem Jahr soll unser Urteil natürlich deutlich fachlicher ausfallen.
Da die Teilnehmer viel zu viele Whiskys mitgebracht haben, trifft Versuchsleiter Jörg eine zufällige Vorauswahl und bringt die Flaschen in eine Reihenfolge, die sich später als äußerst durchdacht erweist. Bekanntlich ist eine systematische Vorbereitung unabdingbar für Spontaneität, aber offenbar ist Spontaneität zugleich auch die ideale Vorbereitung!
Nach vier anstrengenden Stunden ist sich die Runde einig. Die Nummer 4 wird Tagessieger - komplexe Frucht, Rumtopf-Noten, zugleich aber angenehm weich. The winner is ... Glenlivet 18 Years. Wieder ein Tropfen aus einer Großbrennerei, wie unfachlich. Doch zu unserer Ehrenrettung entdecken wir immerhin auch zwei Geheimtips: einen Penderyn (aus Wales) sowie den ziemlich scharfen Aberlour a'bunadh in Faßstärke.
Treffen sich zwei Werbetexter auf Amrum. Sagt der schlechtere: Hier ist Meer los. Sagt der bessere: Nein, weniger!
Die soeben neu geschaffene Kategorie des Amrum-Witzes ist wahrscheinlich nicht sehr zukunftsträchtig, doch Tatsache ist und bleibt: Amrums Hauptattraktionen sind der interessanteste Minigolfplatz und höchstwahrscheinlich die Inseltankstelle. Folglich kann man gar nicht anders, als schnell zu entspannen. Nach 2 Jahren verbringen wir also mal wieder ein paar Tage an der Nordsee.
Sylt und Amrum haben ja eine Gemeinsamkeit: Bohlen. Auf Sylt beschreibt der Begriff einen gewissen Urlaubertypus, auf Amrum hingegen das Holzstegnetz, das sich überall durch die Dünen zieht. Schon nach einer unserer ersten Wanderungen durch die frische Luft biegen wir jedoch ab und wagen eine Partie Minigolf. Auf jedem zweiten Schild lesen wir unfreundliche Hinweise auf fällige Strafzahlungen, wenn man unerlaubterweise mehr als 7 Schläge pro Bahn spielt, hm. Anke läßt sich allerdings (leider) nicht beeindrucken und gewinnt knapp 81 zu 82.
Auch bei der anschließenden Strandwanderung bleibt sie ganz cool und sammelt routiniert Muscheln & Co. ein, obwohl wir auf ganz anderes Meeresgetier als bei unserem ersten Amrum-Aufenthalt stoßen. Doch plötzlich erstarren wir beide! Was ist denn das dort hinter der Düne, eine abstrakte Skulptur mitten im Sand? Als Karlsruher sind wir natürlich ZKM-gestählt und suchen minutenlang nach neuer Formensprache und komplexen Raumstrukturen, bis wir feststellen: Entwarnung – bloß eine Kinderburg mit ein wenig Gestänge hier und da!Am nächsten Tag müssen wir den Wanderschock verdauen und machen zur Abwechslung eine Fahrradtour. Auf dem Weg nach Wittdün kommen wir am Steenodder Kliff vorbei und betrachten schweigend das gewaltige Naturschauspiel: Im ewigen Kampf der Elemente hat das Wasser im Lauf der Zeiten eine Klippe aus dem Gestein herausgeschlagen, die an der einen oder anderen Stelle gut und gern 1,80 Meter hoch ist – kolossal. Apropos Wasser: Wenig später schauen wir endlich mal in der viel gelobten Insel-Praline vorbei, müssen aber feststellen, daß die Trinkschokolade dort nicht mit Milch zubereitet wird. Auf der Rückfahrt Richtung Norddorf erfinden wir noch schnell die Fahrradmusik: Konzert für zwei Klingeln, einen Quietschsattel und schleifende Handbremse (vorn) op. 1. Applaus gibt es leider nicht, aber als Ersatz gönnen wir uns eine kleine Stärkung im gemütlichen Teehaus Burg, wo man ja den schönsten Blick auf die Wattseite der Insel hat.
Der kalte Atem der Weltpolitik geht allerdings auch an Amrum nicht spurlos vorbei. Eigentlich wollten wir uns ja einen Vortrag von John C. Kornblum und Dieter Kronzucker anhören. Doch wegen des Bundeswehr-Angriffs auf einen Tanklaster gibt es Spannungen zwischen Washington und Berlin, und Kornblum muß nach Washington statt nach Nebel. Da hat er Pech gehabt!
Bei unserer obligatorischen Wanderung um die Nordspitze der Insel rettet Anke dann noch zwei Marienkäfer, die an der Wasserkante herumspazieren und nichts von der nassen Gefahr ahnen. Wie soll das auch gehen, wenn man praktisch kein Gehirn hat!Und dann ist unsere Amrum-Woche auch schon wieder vorbei. Auch der Rückfahrt schauen wir noch ein paar Tage in der Schopenhauer-Stadt Lübeck vorbei. Die Zerstörungswut des 20. Jahrhunderts (also insbesondere die Architektur der 60er Jahre) konnte dem mittelalterlichen Stadtbild ja erstaunlich wenig anhaben. Wir platzen zwar mitten in die Lübecker Kartoffeltage, entscheiden uns im Hause Niederegger dann aber doch für die bekanntere Spezialität der Stadt: soviel Mandel wie möglich, sowenig Zucker wie nötig. Lecker! Im Willy-Brandt-Haus treffen wir dann noch ganz unverhofft den Basta-Kanzler, der auf dem Weg zum Blechtrommel-Jubiläum ist.
Themen: Fazit: höchst erfreulich, Reise
Ich gehöre ja zu den (sehr) wenigen Baden-Württembergern, die sich tatsächlich als Baden-Württemberger sehen. Wahrscheinlich liegt es daran, daß ich keiner bin. Aus Sicht der Ureinwohner gibt es ja schließlich nur Badener und Schwaben. Die Spannungen zwischen beiden Landeshälften sind legendär. Bis heute fühlen sich die Badener rund um die Uhr über den Tisch gezogen. So hält die halbe Welt Carl Benz für einen schwäbischen Ingenieur. Außerdem hat Stuttgart eine U-Bahn und Karlsruhe (noch) nicht – unerhört!
Ab und zu sollte man aber etwas für die Volkerverständigung tun und den Schritt über die Stammesgrenze wagen. Wir fahren also in die Landeshauptstadt und besichtigen den ersten Fernsehturm der Welt, Stuttgarts Beitrag zur Architektur der Moderne. Auf 150 Meter Höhe sind wir erst einmal ein bißchen enttäuscht: Wie bitte, Milchglasscheiben auf der Aussichtsplattform? Doch die Bausünde entpuppt sich als Hochnebel - Glück bzw. Pech gehabt! Apropos Glück: Am Fuße des Turms feiert der Qualitätsradiosender SWR4 gerade ein "Sommer"fest, doch dank des schlechten Wetters ist kaum etwas los, puh. Ein kategoriengetreuer Volksmusiksänger namens Oliver Thomas kümmert sich auf der Bühne um die musikalische Grundversorgung im Sinne des Rundfunkstaatsvertrages. Wir kümmern uns darum, daß wir möglichst schnell wegkommen.In der Stadt machen wir eine empörend unschwäbische Erfahrung. Auf manchen Gehwegen ist hier und da ein verwelkendes Laubblatt zu sehen, wir entdecken sogar ein weggeworfenes Kaugummipapier! Hat die Schwabenmetropole Natur und Bürger nicht mehr im Griff? Sorgenvoll setzen wir uns in die sensationelle Zahnradbahn, die uns am Restaurant Wielandshöhe vorbei nach Degerloch befördert. Möglicherweise liest Vincent Klink hier ja nicht mit, aber falls doch: Verordnen Sie Ihrem Laden doch bitte mal eine akzeptable Website!
All die neuen Eindrücke haben uns hungrig gemacht, und so begeben wir uns ins schicke Goi nach Feuerbach. Gaby, Doris und Anke bestellen seriöse Menüs, aber ich entscheide mich natürlich für eine Extrawurst, nämlich das vegetarische Gericht "V8". Das hat Folgen. Beim Bezahlen versucht uns die Bedienung ganz aufgeregt klarzumachen, daß ihre Lieblingsgerichte V3, V4 und V5 seien. V8 sei aber an Muttertag das traditionelle Gericht der buddhistischen Mönche! Bzw. alle Mönche würden vegetarisch essen! Bzw. an Muttertag werden viele Vegetarier in Thailand zu Mönchen! Oder umgekehrt oder so. Wir werden aus ihren Ausführungen nicht schlau, auch wenn die Dame durchaus den einen oder anderen Brocken Deutsch spricht. Am Ende erklärt sie die verblüffte Gaby zur Stammkundin.
Schwabenland, du hast es besser!
Nun ist es also geschehen. Ein Dreivierteljahr nach der denkwürdigen Ausstellung Wehret den Anfängern hat der Künstler wegen des großen Mißerfolgs die trivialsten Werke der Kunstschau online gestellt - also alle.
In der Rückschau erinnere ich mich vor allem an zweierlei: die angenehme Absurdität der ganzen Veranstaltung und die Persönlichkeiten, die damals "ganz ausdrücklich" (O-Ton) nicht erschienen sind: der Bundespräsident, Klaus Staeck und Jim Rakete.
Eine Wegmarke, die aufgrund ihrer beeindruckenden Irrelevanz unvergessen bleiben wird.
PS: Man beachte die Aktion Akademikerfreundlicher Nah- und Fernverkehr!
Themen: Fazit: höchst erfreulich, Kultur
Das hat aber lange gedauert! Nun sind Depeche Mode endlich wieder da. Mit Wrong, einer Rückbesinnung auf ihre musikalischen Ursprünge.
Am 20. April erscheint das neue Album Sounds of the Universe.
Themen: Fazit: höchst erfreulich, Musik
Nach mehr als zwei Jahren Pause sind die vier Jungs aus Brooklyn endlich mal wieder im Jazzclub Karlsruhe. Das Quartett gehört ja zu den wenigen Bands, die wirklich einen ganz eigenen Stil entwickelt haben. Ihre Stücke oszillieren zwischen den klaren Rhythmen von Eric Rockwin (Bass) und Adam D. Gold (Schlagzeug) auf der einen Seite sowie den farbenprächtigen Eruptionen von Ken Thomson (Saxophon) und Ty Citerman (Gitarre) auf der anderen. Das ist für gemischtes Publikum äußerst praktisch, denn so stellt die Band Rockfans und Jazzpolizei gleichermaßen zufrieden.
Mitten im Konzert gibt es allerdings eine kleine Aufregung. Ken Thomson hat die Setlist im Pausenraum vergessen, die Band muß die Reihenfolge der Stücke aus dem Kopf einhalten! Und das "trotz des vielen Biers, das es auf Tour immer gibt". Doch Abhilfe naht: Nach einigen Stücken läuft Torsten zur Bühne und überreicht der Band die Setlist, natürlich auf einem Servierteller.
Schade nur, daß höchstens 60 Gäste im Jazzclub waren. Die Band hätte das Zehnfache verdient.
Themen: Fazit: höchst erfreulich, Musik
Sehr geehrte Kunde DAB Bank!
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zu schutzen Hier>>
Brooks Mclain.
2008 Mannschaft der Unterstutzung der DAB Bank.
PS: Der Zeilenumbruch vor "zu schutzen Hier>>" hat mich beinahe an Durs Grünbein erinnert.
Wenn Ralf Dahrendorf fünf Minuten spricht, sagt er mehr interessante Dinge als alle anderen deutschen Intellektuellen zusammengenommen ein ganzes Jahr lang. Die F.A.Z. hat mit ihm in ihrem Lesesaal gesprochen.
Björn löst sein Geburtstagsgeschenk ein: einen Tag im Kletterpark in Kandel. Die Aufgabenteilung in unserer Gruppe ist klar: Während die anderen in 10-15 Metern Höhe herumkraxeln, soll ich von unten die peinlichsten Momente fotografisch festhalten. Angstverzerrte, schreckensbleiche Gesichter - darauf bin ich aus. Doch leider kommt erstens alles anders, und zweitens als man denkt.
Nachdem sich alle mit Helm und Klettergeschirr ausgerüstet haben, trennt sich die Gruppe. Günther wählt die Seilrutsche und damit Parcours 9. Anke, Björn und Alex sind etwas vorsichtiger und entscheiden sich für die vergleichsweise harmlose Wackelbrücke über die Straße. Keine 2 Minuten später stellen sie jedoch erschrocken fest, daß es sich um den etwas kniffligeren Parcours 11 handelt. Tja, Vorsicht ist eben nicht immer die Mutter der Porzellankiste. Sondern manchmal auch die Tante oder gar die Großnichte.
Leider wollen mir während der Kletterei nicht die gewünschten Schnappschüsse gelingen. Alle bewegen sich beeindruckend professionell und zielstrebig durchs Geäst. Meine Enttäuschung ist groß, bis nach den 3 Stunden im Kletterpark das Gespräch irgendwie auf Dekadenz kommt. Alex gelingt mit einem kleinen Satz der große Wurf: "Nur reiche Länder können es sich noch erlauben, Müll wegzumschmeißen". Ich weiß bis heute nicht, ob der Gedanke unsinnig oder genial, empirisch oder fiktiv ist, aber immerhin rettet er mir den Tag.
Nach Zwischenstationen im Litfaß und bei Carlos beschließen wir den Tag mit Sponti-Kultur: Das Tübinger Harlekin-Theater präsentiert im Jubez seine Theatersportliche Impro-Show. Am besten gefällt mir das improvisierte Shakespeare-Stück Die Enterbung über einen Ritter, der nach langer Zeit in seine Heimat zurückkehrt und der rechtmäßigen Königin wieder auf den Thron hilft. Sie weint auf shakespearischste Art und Weise, und er fragt ebenso: "Was netzest Du Dein Aug'?" Natürlich kann es auch auf der Bühne keine Spontaneität ohne perfekte Vorbereitung geben, aber das Erstaunliche ist, daß man es der Truppe praktisch nicht anmerkt.
Björns Besuch endet am Sonntag mit einem Frühstück im Cielo in Durlach. Wir erleben weder eine Enterbung noch sonstige Machtspiele zwischen Königen, dafür aber ein Drama in besonders kleinem Stil: Die Bedienung hat mir die Nutella auf den Teller gelegt, die doch eigentlich Björn bestellt hat! Man muß das Auge nur für die richtigen Probleme schärfen, dann lebt man im allgemeinen ganz hervorragend.
Die Gemeinde Siebeldingen gehört dem Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz und enthält 999 Feuerstellen, diverse Kirchen, eine Forschungsanstalt und einen berühmten Winzer, wo der Wein sehr gut ist. Im Frühherbst lädt das Dörfchen zur kulinarischen Weinbergwanderung, und in diesem Jahr wandern wir erstmals mit.
Wir parken im Dorf und machen uns dann auf den 6 Kilometer langen Rundkurs durch die Siebeldinger Weinberge. Alle 500 Meter kann man eine Ruhepause einlegen und an Ständen die Weine der örtlichen Winzer verkosten. Wir machen allerdings erst Station im Geilweilerhof, dem Rebenforschungsinstitut des Bundes: Wissenschaft, Wein und ein reichhaltiges Menü, das ist doch eine überzeugende Kombination. Nach einem saftigen Gulasch vom Pfälzer Reh besichtigen wir das Labor und staunen, daß bei der Führung sorgsam das Wort "Gentechnik" vermieden wird. Da müssen wir natürlich gleich nachfragen und stoßen auf einen wunden Punkt. Man hat im Geilweilerhof offenbar nicht die besten Erfahrungen mit dem Wissenschaftsverständnis von Volk und Politik gemacht. "Ach, die Frau Künast!"
Eine halbe Stunde später schauen wir noch beim Weingut Ökonomierat Rebholz vorbei, laut Gault-Millau ja der beste Winzer der Pfalz. Der ausgeschenkte Spätburgunder hat sicher viel Holz gesehen, aber ist er so viel besser als die vielen anderen guten Spätburgunder? Dasselbe beim Gewürztraminer: sehr schön sortentypisch und elegant, aber herausragend? Vielleicht sollten die Gault-Millau-Leute mal konsequent die Blindverkostung einführen.
Ein so gesunder Tag kann natürlich nur vitaminreich ausklingen. Zufälligerweise spielt ausgerechnet heute das Wiener Gemüseorchester im Nationaltheater Mannheim, und wir erleben ein außergewöhnliches Konzert. Die Stücke sind stark perkussiv geprägt, und beim Song Krautrock fliegen buchstäblich die (Kohl-)Fetzen, wow. Nach einer Stunde ist die Bühne voller Gemüseabfälle, und wir stellen uns die bange Frage: Ob das Gemüseorchester wohl jemals von Bob Geldof zu einem Live-Aid-Konzert eingeladen wird?
Man muß die Provinz dann und wann am Glanz der Hauptstadt teilhaben lassen, sonst verliert sie die Lust an den Tributzahlungen. Was in der römischen Kaiserzeit galt, kann auch für unsere Republik nicht falsch sein. Vor dem Hintergrund dieser Überlegungen zieht es zwei Profiteure des Länderfinanz-ausgleichs nach Karlsruhe: Bernhard und Martin.
Das Wochenende startet friedlich im Besitos am Marktplatz. Man hat vom Weinbrenner zwar die Räumlichkeiten übernommen, aber nicht das Servicekonzept - eine weise Entscheidung. Und so werden wir freundlich, kompetent und schnell bedient; in diesem Haus ja eine ganz und gar ungewohnte Erfahrung. Später geht es weiter zu Carlos, seit einiger Zeit ja meine Lieblings-Cocktailbar in Karlsruhe (inzwischen habe ich von Guido erfahren, daß es im Grunde auch die einzige richtige Cocktailbar der Stadt ist, aber das müssen die Berliner ja nicht wissen). Erst um 4 Uhr sind wir zu Hause.
Am Samstag wird es dann ernst. Das Wochenende hat ja wie gewohnt die Weltherrschaft zum Thema, doch statt der ursprünglich geplanten Strategieklassiker Civilization oder Diplomacy greifen wir zu Wallenstein. Das vergleichsweise junge Spiel bringt den Dreißigjährigen Krieg herrlich authentisch ins Wohnzimmer: Alle bekriegen sich gegenseitig, und das hungrige Bauernpack muß am meisten leiden. Frank errichtet eine Gewaltherrschaft im Norden, Bernhard baut eine gigantische Drohkulisse am Rhein auf, und Martin und ich verwüsten tit-for-tat die bayerischen Lande. Toll!
Mit leerem Magen wird man auch des schönsten Krieges irgendwann überdrüssig. Am frühen Abend fahren wir also nach Kandel ins 3 Mohren, den anderen Hähnchenspezialisten der Pfalz. In den Fenstersimsen stehen überall glückliche Hühnerfiguren, aber wir fragen uns, ob das Haus in Hähnchenkreisen wirklich so beliebt ist? Egal. Die Hähnchen sind wie üblich knackig, und alle sind zufrieden - bis Bernhard eine bizarre Bitte äußert. Ob er denn mal einen gebratenen Gockel in der Küche fotografieren dürfe? Ehrfurchtsvoll blickt die Bedienung auf seine 6.000-Euro-Kamera und fragt vorsichtig, ob er Fotograf sei? Dem Künstler gelingt spontan eine fabelhaft-geheimnisvolle Antwort: "Unter anderem".
Nach knusprigen Hähnchen in der Pfalz dann das exakte Gegenteil: zeitgenössische Musik im ZKM. Matthias Ockert präsentiert sein neues Werk, die Komposition Primum Mobile. Wie bei so vielen zeitgenössischen Stücken steht auch hier nicht die Musik im Vordergrund, sondern ihr Entstehungsprozeß. Ockert hat für Primum Mobile auf Verfahren der Informatik zurückgegriffen, mit denen man die Zufallsverteilung der Töne oder Tonhöhen oder was auch immer kontrollieren kann. Das ist technisch natürlich alles sehr interessant, doch musikalisch leider auch weitgehend wertlos. Wie immer ist das Publikum begeistert, aber alles andere als frenetischer Applaus ist bei zeitgenössischer Musik ja auch gar nicht mehr denkbar. J'en ai marre!
Sonntag morgen begehe ich dann den großen Fehler des Wochenendes. Weil es so schön zentral liegt, schlage ich für unser Frühstück das Café Böckeler vor, das von allen denkbaren Eigenschaften eigentlich nur eine einzige vollkommen besitzt: Authentizität. Und so bekommen unsere Berliner kurz vor Schluß noch den Eindruck, daß Karlsruhe nicht nur so heißt, sondern auch so ist.