I Am Kloot:
Radiation
PS: Ja, ja, natürlich höchst triviale Musik - aber die Engländer haben bei der Popmusik einfach den Dreh raus, oder?
Dies und das | Bemerkenswerte Nebensächlichkeiten | Spezialitäten aller Art
PS: Ja, ja, natürlich höchst triviale Musik - aber die Engländer haben bei der Popmusik einfach den Dreh raus, oder?
Themen: Fazit: höchst erfreulich, Musik
Ich war erstens noch nie auf einem Konzert des Palatia Jazz Festivals, zweitens noch nie auf einem Konzert im Schloß Bad Bergzabern und drittens auch noch nie auf Konzert des Portico Quartets (die - viertens - von einigen Mitgliedern der Jazzpolizei gar nicht als Jazz akzeptiert werden). Dreieinhalb gute Gründe also, sich auf den Weg in die Pfalz zu machen!
Das Konzert beginnt rätselhaft. Die vier Jungs oszillieren gekonnt zwischen hypnotischen Elementen wie bei Nik Bärtsch und eleganten Melodien à la e.s.t., doch wir fragen uns, woher dieser merkwürdige glockenhelle Ton kommt, der interessanterweise etwas häufiger als einmal pro Takt angeschlagen wird? Und vor allem: von wem? Nick Mulvey mit seinen hang drums scheint es jedenfalls nicht zu sein. Eine hochkomplexe, polymetrische Spielerei? Zwischen zwei Stücken dann die Auflösung: Ein Spatz sitzt auf dem Schloßdach und bringt sich fröhlich in die Improvisation ein.
In der Pause erstehe ich noch für 3 Euro eine CD des Roten Bereichs und werde so an Rudi Mahall erinnert.
Themen: Fazit: höchst erfreulich, Musik, Reise
Heute im Angebot: Eine Band für Leute, die glauben, daß sie von Cuong Vu bis Nils Petter Molvær schon alles Trompetenmögliche gehört haben.
Themen: Fazit: höchst erfreulich, Musik
Hilfe! Das soll der neue Hit von Goldfrapp sein? Die Reminiszenzreferenz für die Musik der 80er-Jahre scheint also weiterhin Wrong zu sein ...
Themen: Fazit: weniger erfreulich, Musik
Wer ins Exil muß, sollte in die Schweiz gehen – das hat sich inzwischen ja herumgesprochen. Was aber deutlich weniger Menschen wissen: Wer in die Schweiz muß, sollte unbedingt ins Exil gehen! In diesem feinen Zürcher Club spielt nämlich seit einiger Zeit Nik Bärtsch's Ronin. Immer montags, so wie früher im Bazillus Club. Endlich sehen wir ihn also mal wieder live!
Auf der Hinfahrt machen wir zunächst Station im einzigartigen Pratteln, wo wir uns eine ziemlich nahrhafte Quiche gönnen, die im wahrsten Sinne des Wortes Käse ist bzw. überwiegend daraus besteht. Kurze Zeit später kommen wir dann in der kleinsten Global City der Welt an, die von einer Monumentalbaustelle derzeit nur anhand des Ortsschildes unterschieden werden kann.
Im Exil erleben wir dann ein fantastisches Ronin-Konzert. Die Musik ist wieder unglaublich druckvoll und trotz der strengen Schematik sehr abwechslungsreich. Bestimmt nicht unser letzter musikalischer Besuch in Zürich!
Themen: Fazit: höchst erfreulich, Musik
Die langsamste Band der Welt ist zu Gast in der Stadtmitte: Bohren & der Club of Gore. Gegründet wurde die Band vor Ewigkeiten ja als Heavy-Metal-Kapelle, aber inzwischen haben sie ihr Tempo dermaßen heruntergeschraubt, daß man ihre Geschwindigkeit in Tönen pro Stunde messen sollte.
Auch die Bühnenshow gehört zum Reduziertesten, was ich jemals gesehen habe: Einige vertikale Strahlen beleuchten den Nebel, ab und zu kann man ein Instrument erkennen. Die Musiker jedoch bleiben weitgehend unsichtbar. Dafür haben es die Ansagen in sich: "Nun ein Lied, das verdeutlicht, daß es auch in einem ruinierten Leben Momente unvergleichlicher Schönheit gibt". Dann folgt das Stück "Still am Tresen". Ergriffen lauscht das Publikum dem melancholischen Saxophon. Später folgt noch ein Proteststück, das sich gegen Mütter richtet, die ihre Kinder mit zu großen Fahrzeugen aus der Schule abholen.
Besonders viel Varianz weist die Musik ja wirklich nicht auf, aber das Konzert wird mir Gedächtnis haften bleiben.
Themen: Musik
"In approaching the question of musical understanding, Scruton takes his cue from Wittgenstein. This might seem an odd place to begin, given that Wittgenstein is more famous for emptying things of meaning than for filling them with it."
Themen: Musik, Weise Worte
Das Orchestre National de France spielt unter Kurt Masur kurz vor dem NATO-Gipfel Beethovens Neunte - da ist es ja fast schon erste Bürgerpflicht, nach Baden-Baden ins Festspielhaus zu pilgern!
Erster Eindruck: Masur ist alt geworden, schon der Schritt aufs Podest scheint ihm schwerzufallen. Aber auch das Orchester ist nicht ganz bei der Sache. Im ersten Satz verpaßt die eine oder andere Instrumentengruppe ihren Einsatz, (zu) viele Noten verschwinden im Geräuschbrei. Und überhaupt, das Allegro darf man doch nicht bürgerlich-bedächtig spielen, sondern viel drängender! Das Molto vivace hingegen wird zum Höhepunkt des Abends, so wütend habe ich es noch nie gehört. Beim Adagio molto nimmt die Langeweile allerdings von Takt zu Takt zu, und beim Presto schlafen wir fast ein. Für den Schlußchor kann natürlich weder der Dirigent noch das Orchester etwas, er war ja schon immer der Geburtsfehler der Neunten.
Das Publikum ist wie üblich total aus dem Häuschen und gibt dem Helden der Wende Standing Ovations. Aber wofür eigentlich? Für eine ausdruckslose Interpretation des Gipfelpunktes abendländischen Musikschaffens? Vielleicht galt der Applaus aber auch dem gesamte Zyklus, denn Masur und das Orchester haben an vier Abenden immerhin alle neun Symphonien aufgeführt, keine ganz schlechte Leistung.
Auch die kenntnisreiche BNN war natürlich begeistert von einer "bravourösen Aufführung" und dem "hervorragenden Orchester".
Themen: Musik
Das hat aber lange gedauert! Nun sind Depeche Mode endlich wieder da. Mit Wrong, einer Rückbesinnung auf ihre musikalischen Ursprünge.
Am 20. April erscheint das neue Album Sounds of the Universe.
Themen: Fazit: höchst erfreulich, Musik
Nach mehr als zwei Jahren Pause sind die vier Jungs aus Brooklyn endlich mal wieder im Jazzclub Karlsruhe. Das Quartett gehört ja zu den wenigen Bands, die wirklich einen ganz eigenen Stil entwickelt haben. Ihre Stücke oszillieren zwischen den klaren Rhythmen von Eric Rockwin (Bass) und Adam D. Gold (Schlagzeug) auf der einen Seite sowie den farbenprächtigen Eruptionen von Ken Thomson (Saxophon) und Ty Citerman (Gitarre) auf der anderen. Das ist für gemischtes Publikum äußerst praktisch, denn so stellt die Band Rockfans und Jazzpolizei gleichermaßen zufrieden.
Mitten im Konzert gibt es allerdings eine kleine Aufregung. Ken Thomson hat die Setlist im Pausenraum vergessen, die Band muß die Reihenfolge der Stücke aus dem Kopf einhalten! Und das "trotz des vielen Biers, das es auf Tour immer gibt". Doch Abhilfe naht: Nach einigen Stücken läuft Torsten zur Bühne und überreicht der Band die Setlist, natürlich auf einem Servierteller.
Schade nur, daß höchstens 60 Gäste im Jazzclub waren. Die Band hätte das Zehnfache verdient.
Themen: Fazit: höchst erfreulich, Musik
Schlagzeugabend der Klasse Prof. Nakamura. Der Genuit-Saal ist überraschend gut besucht, obwohl es ja nicht direkt um Unterhaltungsmusik geht. Der erste Höhepunkt ist das Solo-Stück Kim von Askell Masson, das zur Überraschung des Publikums schon außerhalb des Konzertsaals beginnt. Drinnen fabriziert Ayumi Kikumoto dann einige der erstaunlichsten Crescendos, die ich jemals gehört habe. Schon verblüffend, was man mit einem Stück Holz, etwas Fell und zwei Schlegeln anstellen kann.
Etwas später spielt Keita Maeda die Rebonds B von Xenakis, die in der Musikhochschule vor einem Jahr schon einmal aufgeführt wurden. Diesmal wirkt das Stück eine Spur filigraner, wenn man das bei dieser harten Komposition überhaupt sagen kann. Xenakis in allen Ehren, aber der beliebteste Handy-Klingelton der Weltjugend wird aus den Rebonds wohl nicht mehr.
Sehr gut gefällt uns auch das Marimba Quartett von Daniel Levitan. Zu Beginn fragen wir uns noch, ob man den melodischen Eindruck nicht auch mit einem einzigen Marimbaphon hinbekäme, doch im Laufe des Stückes wird die Logik der Mehrstimmigkeit klarer. Gegen Ende hin wird es sogar richtig pop-folklorig.
Themen: Musik
Klavier- und Kammermusikabend in der Musikhochschule. Gegeben wird ein buntes Programm von Beethoven über Skrjabin und Hindemith zu Barber. Wunderbar die sehr blumige, farbenreiche Darstellung von Ravels Jeux d'eau durch Carlota Amado. Ich staune immer wieder, wie souverän diese jungen Musiker ihre Instrumente beherrschen. Und das auch bei nicht ganz einfachen Stücken. Wahrscheinlich ist heute jeder 12jährige Musikschüler virtuoser als Heinrich Wilhelm Ernst zu seinen besten Zeiten.
Tzuji Chen tappt bei Samuel Barbers Klaviersonate op. 26 anfangs in die Beethoven-Falle, bringt dann aber ab dem Adagio mesto eine beeindruckende Leistung. Der ganze Genuit-Saal ist wie paralysiert, und am Ende gibt es zum zweiten Mal innerhalb von sieben Tagen fachlich korrekten Beifall.
Themen: Musik
Klavierabend der Klasse Prof. Kaya Han in Schloß Gottesaue! Auf dem Programm stehen reichlich interessante Stücke, zum Beispiel Shao Yang Yin von Isang Yun. Was das wohl sein mag? Wir werden es nie erfahren, denn kurz vor Konzertbeginn findet Tritett-Erfinderin Geli, daß wir doch lieber ins Erdgeschoß in den Velte-Saal gehen sollten. Dort gibt es einen Kammermusikabend mit Brahms-Werken, angeblich zu seinem 175. Geburtstag.
Wir sitzen keine 2 Minuten auf unseren Plätzen, als plötzlich ein beinahe unerträgliches Quietschen durch den Saal geht. Das Publikum zittert - werden also vielleicht doch Rihm-Stücke gegeben? Doch Entwarnung: bloß eine Rückkopplung in einem Lautsprecher, puh! Dann geht es mit dem Trio op. 114 los. Das Allegro kommt mir ein bißchen verschleiert vor, doch dann tauen die Musiker auf. Nach der Pause zeigen Albrecht Breuninger, Johannes Lüthy, Martin Ostertag und Fany Solter anhand von Brahms' Quartett op. 25. noch einen ganz seltenen Aspekt des deutschen Hochschulwesens auf: Vier Professoren arbeiten in vollkommener Harmonie zusammen, und das auch noch in aller Öffentlichkeit. Sensationell! Das Quartett ist aber auch ein schönes Stück, brahmsischer als das Andante con moto geht es ja kaum.
Auch das Publikum überzeugt. Am Ende spendet es begeistert, aber angemessen Applaus - in Karlsruhe ja keine Selbstverständlichkeit.
Themen: Musik
Kristjan Randalu spielt mal wieder im Jazzclub Karlsruhe, diesmal mit dem TransAtlantic Collective. Man könnte einfach sagen, daß vier Spitzenmusiker handelsüblichen Modern Jazz handwerklich perfekt auf die Bühne bringen, wenn da nicht das Stück Traveling Song des Schlagzeugers(!) Paul Wiltgen mit einer wirklich packenden Melodie wäre. Den Herrn wird man sich merken müssen.
Kristjan Randalu gefällt mir aber wie immer dann am besten, wenn er allein oder mit möglichst wenigen anderen Musikern spielt. Wirklich ein Jazzpianist der Sonderklasse.
Themen: Musik
Der Mann mit dem gelben Pullover spricht im überfüllten Audimax der Uni Karlsruhe. Natürlich im gelben Pullover. Zu Beginn entschuldigt er sich für seine Stimme, die im Herbst und Winter immer angeschlagen sei. Unter anderem aus diesem Grunde habe seine Sympathie auch immer dem Konzept der Zweitstimme gegolten. Lacher im Publikum. Übrigens, als Anfang der 90er Jahre Ötzi entdeckt wurde und aus seinem jahrtausendelangen Schlaf aufwachte, sei dessen erste Frage gewesen: Ist der Genscher noch Außenminister? Der Saal tobt. Genschman is back!
In seinem Vortrag geht es (angeblich) um "Die Rolle Europas im Kontext der Globalisierung". Tatsächlich spricht Genscher allerdings über das Vorbild, das die europäische Einigung der Welt geben kann. Globale Lösungen seien heute auf vielen Gebieten nötig, weil wir inzwischen in einer "interdependenten Welt" lebten. Phänomene hier hätten Auswirkungen auch dort. Hm ... War das nicht schon immer so? Weltwirtschaftskrise, Ölkrise, Saurer Regen, Agrarsubventionen, Stellvertreterkriege, Migration usw. usf. Aber wen interessieren bei einer politischen Legende schon Sachfragen.
Nach dem Vortrag besteht die Möglichkeit, den Referenten zu befragen. Möglichst kurz und präzise und keinesfalls Kurzreferate, bittet die Moderatorin - die stets durch zu lange Einführungen auffällt. Nachdrücklich weist sie darauf hin, daß sich jeder kurz vorstellen sollte, bevor er seine Frage stellt. "Klar, mache ich", erwidert ein Gast, zögert etwas und fährt dann fort: "Meine Frage ist folgende: ...". 800 Zuhörer sind begeistert. Performative Widersprüche an der Eliteuni!
Anschließend geht es noch in den Jazzclub zu Klima Kalima aus - natürlich - Berlin. Bevor es losgeht, berichtet Kalle Kalima kurz über einen religiös beschädigten Menschen, den er in New York kennenlernte. Religiös beschädigt! Die Begriffsinnovation des Monats! Und dann wird auch schon losge- ... äh ... -rockt? -jazzt? -wütet? Die Kategorisierung fällt schwer. Übrigens trägt die Band (mit Ausnahme des Schlagzeugers) gelbe(!) Hemden, wohl die einzige Gemeinsamkeit mit Hans-Dietrich Genscher.
Themen: Musik, Politik und Gesellschaft