Mittwoch, 9. Januar 2008

Schlag-Sahne

Der Karlsruher Schlagzeugprofessor Isao Nakamura ist gewiß nicht als Unterhaltungsmusiker bekannt (hier eine Hörprobe). Doch die Konzerte seiner Schützlinge sind immer wieder tolle Expeditionen in unbekannte Geräuschwelten. Und so pilgern wir wieder zum Klassenabend, um uns ungewohnten Klangeindrücken auszusetzen. Es stehen sechs verschiedene Stücke auf dem Programm. Am besten gefallen mir die brachialen Rebonds B pour Percussion Solo von Iannis Xenakis (immer wieder beeindruckend: das kräftige Spiel der zarten Nuria Andorra) und das filigrane Doppelstück Omar von Franco Donatoni, gespielt von der unwahrscheinlich präzisen Rie Watanabe.

Selbige sorgt am Ende mit einer Zusatznummer noch für eine Hurz-Situation: Sie trommelt und gibt dazu verschiedene perkussive Laute von sich. Die erfahrenen Kunstfreunde im Publikum zwingen sich zu größter Ernsthaftigkeit, doch die Schüler einer anwesenden Schulklasse können sich kaum zurückhalten und kichern munter vor sich hin. Am Ende kommt heraus, daß es das Stück Le Corps à corps von Georges Aperghis war! Und der hat immerhin Heiner Müllers Hamletmaschine vertont. War also gar kein musikalischer Scherz, sondern Kunst auf höchstem Niveau! Wer hätte das gedacht.

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