Mittwoch, 30. Dezember 2009

Nach der Krise ist vor der Krise

Rund 70 Prozent der giftigen Wertpapiere in Deutschland sind im Zuge der Finanzkrise in die Hände staatlich kontrollierter Banken gelangt. Wer dafür nun nicht die Staatsbanker verantwortlicht macht, sondern die Privatbanken, denkt ein bißchen wie unsere streng sachorientierten Politiker.

Die knöpfen sich jetzt nämlich nicht so schnell wie möglich LBBW & Co. vor, sondern verschärfen erst einmal die Regeln für Bankberater. Durch das neue Wertpapierhandelsgesetz werden Banken ihren Kunden künftig vor allem Anlagen mit deutlich geringeren Risiken empfehlen. Dies hat natürlich den Nebeneffekt, daß Normalkunden in Zukunft wahrscheinlich tendenziell kleinere Renditen einfahren werden, was langfristig das Potential für steigende soziale Ungleichheit birgt. Was man dann wieder bequem dem fiesen Kapitalismus in die Schuhe schieben kann. Juhu!

Dienstag, 22. Dezember 2009

Bericht aus dem Exil

Wer ins Exil muß, sollte in die Schweiz gehen – das hat sich inzwischen ja herumgesprochen. Was aber deutlich weniger Menschen wissen: Wer in die Schweiz muß, sollte unbedingt ins Exil gehen! In diesem feinen Zürcher Club spielt nämlich seit einiger Zeit Nik Bärtsch's Ronin. Immer montags, so wie früher im Bazillus Club. Endlich sehen wir ihn also mal wieder live!

Auf der Hinfahrt machen wir zunächst Station im einzigartigen Pratteln, wo wir uns eine ziemlich nahrhafte Quiche gönnen, die im wahrsten Sinne des Wortes Käse ist bzw. überwiegend daraus besteht. Kurze Zeit später kommen wir dann in der kleinsten Global City der Welt an, die von einer Monumentalbaustelle derzeit nur anhand des Ortsschildes unterschieden werden kann.
  
Im Exil erleben wir dann ein fantastisches Ronin-Konzert. Die Musik ist wieder unglaublich druckvoll und trotz der strengen Schematik sehr abwechslungsreich. Bestimmt nicht unser letzter musikalischer Besuch in Zürich!

Samstag, 19. Dezember 2009

Ohren auf, Bohren rein

Die langsamste Band der Welt ist zu Gast in der Stadtmitte: Bohren & der Club of Gore. Gegründet wurde die Band vor Ewigkeiten ja als Heavy-Metal-Kapelle, aber inzwischen haben sie ihr Tempo dermaßen heruntergeschraubt, daß man ihre Geschwindigkeit in Tönen pro Stunde messen sollte.

Auch die Bühnenshow gehört zum Reduziertesten, was ich jemals gesehen habe: Einige vertikale Strahlen beleuchten den Nebel, ab und zu kann man ein Instrument erkennen. Die Musiker jedoch bleiben weitgehend unsichtbar. Dafür haben es die Ansagen in sich: "Nun ein Lied, das verdeutlicht, daß es auch in einem ruinierten Leben Momente unvergleichlicher Schönheit gibt". Dann folgt das Stück "Still am Tresen". Ergriffen lauscht das Publikum dem melancholischen Saxophon. Später folgt noch ein Proteststück, das sich gegen Mütter richtet, die ihre Kinder mit zu großen Fahrzeugen aus der Schule abholen.

Besonders viel Varianz weist die Musik ja wirklich nicht auf, aber das Konzert wird mir Gedächtnis haften bleiben.

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Thomas P. aus K.

"Ich vertrau' dem Internetsiegel ... weil es Sicherheit und Seriösität bietet."

Warum noch ins Kino gehen, wenn es solch herrliche Websites gibt?

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Badische Wandpropaganda

Gesehen (schon vor längerem) in Durlach.

Foodquatsch

Foodwatch hat es mal wieder mit einer wichtigen Meldung ins Boulevardmagazin Spiegel online geschafft. Diesmal haben die Jungs & Mädels um Frontmann Thilo Bode eine erschreckende Offensichtlichkeit enthüllt: Auf den Verpackungen von Lebensmitteln steht genau das, was in den Lebensmitteln drin ist! Wenn also Dr. Oetker behauptet, daß der Kakao in einem Pudding 75 Prozent Schokolade enthält, enthält er genau 75 Prozent Schokolade. Eine ungeuerliche Dreistigkeit der Lebensmittelgiganten!

Foodwatch ist selbstverständlich eine seriöse Verbraucherschutzorganisation, der es keinesfalls um folgende Doppelgleichung geht: mediale Aufmerksamkeit = höhere Spendeneinnahmen = sichere Foodwatch-Arbeitsplätze.

Mittwoch, 9. Dezember 2009

Weise Worte (12)

"In approaching the question of musical understanding, Scruton takes his cue from Wittgenstein. This might seem an odd place to begin, given that Wittgenstein is more famous for emptying things of meaning than for filling them with it."

Guy Dammann in der Times

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Weise Worte (11)

"Ich kann mir durchaus, rein theoretisch, eine wunderbar funktionierende Volkswirtschaft vorstellen, in welcher der Bankensektor sogar völlig in der Hand des Staates ist."

Hans-Olaf "Konsenssoße" Henkel in einem n-tv-Gespräch

Politique banale

Wolfgang Nešković ist rechtspolitischer Sprecher der Linksfraktion im Bundestag. Was daran so Besonderes ist? Absolut gar nichts. Er ist bei den Linken der Mann für die Rechte. Man könnte ihn auch "Links-Rechtsexperte" nennen. Wahrscheinlich ist er recht links, aber links eben irgendwie auch rechts.

Montag, 30. November 2009

Pollini & Pilatus

Nach langen zwei Jahren gönnen wir uns endlich mal wieder ein Wochenende in Luzern. Der Monat spricht natürlich dagegen, aber leider findet das Piano-Festival nun mal stets im November statt. Wir steigen also in die Bahn und machen uns auf den Weg in die Schweiz.

Nach dem Umstieg im Schweizer Bahnhof in Basel wollen wir unsere Plätze einnehmen, doch der Herr am Fenster will einfach nicht weichen. Das Prinzip der Reservierung scheint ihm nicht geläufig zu sein. Es geht ein bißchen hin und her, dann haben die – eigentlich unbeteiligten – Damen gegenüber ein Einsehen und machen ihre Plätze für den Herrn frei, damit wir uns auf unsere Plätze setzen können. Uns ist diese eidgenössische Höflichkeit ein bißchen peinlich, aber der dreiste Herr fühlt sich pudelwohl. Andere Länder, andere Unsitten.

Auf dem Weg zum Hotel staunen wir über den neuesten Luzerner Freizeittrend: Fahrräder werden in die Reuss geworfen, bleiben dort eine Weile liegen, wieder herausgeholt und dann erneut hineingeschmissen. Offenbar eine kultische Handlung, die sich Außenstehenden nicht erschließt, aber immerhin ein wenig an das deutsche Regietheater erinnert! Inspiriert beziehen wir unser wunderbar altmodisches Hotelzimmer mit Blick auf den Pilatus, der ja im Prinzip ein Emmentaler, aber alles andere als Käse ist. Beim Frühstücksbüfett entdecke ich zum ersten Mal Ovomaltine-Brotaufstrich und bin etwas enttäuscht: Nutella mit Knusperstückchen, muß das sein?

Doch für weitere Überlegungen bleibt keine Zeit, schließlich müssen wir den stolzen Ozeanriesen erreichen, mit dem wir über den Vierwaldstätter See zum Rütli schippern wollen. Dort erleben wir dann das wohl unspektakulärste Nationalheiligtum der Welt. Die Ehrenwache des historischen Ortes wird von sorgfältig ausgewählten Schafen gebildet, deren zahlreichen Hinterlassenschaften man auf dem Rasen leider nur schwer ausweichen kann. Kein Wunder, daß Wilhelm Tell damals hier nicht mitgeschworen hat.

Am frühen Abend lauschen wir dann dem Spiel Maurizio Pollinis im KKL (in dessen Foyer es in diesem Jahr mehr Gäste als Sicherheitsleute gibt, erstaunlich!). Beethovens Sturm-Sonate und die Appassionata bringt Pollini für meinen Geschmack ein wenig fad auf die Tasten, aber in Schumanns Fantasie op. 17 entzündet er ein Feuerwerk der Dynamik (auch wenn die NZZ nicht begeistert war). Den gelungenen Tag beschließen wir in der gemütlichen Rathaus Brauerei, wo ich das Rathaus-Bock empfehlen kann (Anke das normale Rathaus-Bier aber weniger).

Am Sonntag schließlich wollen wir mit der Pilatusbahn ganz nach oben. Auf dem Gipfel in rund 2.100 Metern Höhe weht es uns frisch um die Ohren, doch die Aussicht entschädigt für alles.

Confoederatio Heretica

Bislang war ja Deutschland der europäische Staat mit den meisten Trivialregelungen in der Verfassung. Doch die Schweiz will offenbar aufholen: ein Minarettverbot in der Bundesverfassung, wow! Das Bauverbot wird natürlich kaum eine Chance haben, vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu bestehen, so daß der einzige Effekt des Volksentscheids wohl in einem kräftigen Imageschaden für die Eidgenossen liegt. Vor allem beim finanzkräftigen arabischen Publikum. Nun, jeder muß eben nach seine Facon unglücklich werden.

Wenn ich das alles richtig verstehe, haben die Schweizer sich jetzt für folgende Regelung entschieden: Wenn ich glaube, daß Donald Duck der Sohn des Weltenschöpfers Dagobert Duck ist, darf ich Türme bauen und meine Mitbürger straffrei mit Krach belästigen. Wenn ich aber glaube, daß Donald Duck bloß der Prophet des Weltenschöpfers Dagobert Duck ist, darf ich solche Türme eben nicht bauen. Vive la raison!


Bild: nicht die Bahnhofstraße in Zürich



PS: Die naheliegendste Überschrift zum Thema gibt es (leider) schon bei PPQ.

Montag, 23. November 2009

Muß i denn, muß i denn ins Städele hinein?

Jahresherbstausflug nach Frankfurt. Unser Ziel ist das Städel, in dem gerade eine umjubelte Botticelli-Ausstellung läuft. Doch am Eingang kommen mir angesichts der Besucherschlange Zweifel: rein oder nicht rein? Die kulturignorante Antwort lautet: nicht rein. Und so wandern wir Herren ins Holbein's, um wenigstens italienische Kaffeespezialitäten zu genießen, während sich die Damen der Kulturrezeption widmen.

Später schauen wir noch bei Gaby & Bernd vorbei, wo mir Bernd das Bier des Jahres vorsetzt: ein Schlappeseppel. Immerhin aus hefekultureller Sicht also ein gelungener Tag!

Donnerstag, 19. November 2009

Schüsselerlebnisse

Nicht vergessen: Heute ist Welttoilettentag. Passend dazu hier einige Impressionen aus der badischen Metropole.

Mittwoch, 18. November 2009

Vorsicht: Dieser Beitrag dient verblichen Zwecken

Wenn jemand die Ansicht vertritt, ich hätte den vorliegenden Beitrag nur verfaßt, um auf eine erfreuliche sprachliche Entdeckung hinzuweisen und nebenbei ganz entspannt Distinktionsgewinne einzufahren, dann möchte ich diese Vermutung hiermit perhorreszieren.

Aufgelesen (15)

"Elite German people, even younger ones, are too widely traveled to ever be bothered much by such mundane things as global politics, international terrorism, or the macroeconomic cycle. In order to blend in with your German acquaintances, you must transcend these worldly levels and understand the true issues affecting elite German people today."

Montag, 16. November 2009

Die Hölle, das ist die Wirtschaft

Fantastischer Fortschritt in den Wirtschaftswissenschaften! Renommierte Harvard-Forscher haben herausgefunden, welcher Faktor wirklich hinter Wirtschaftswachstum steckt: der Glaube an die Hölle. Je satansfürchtiger eine Gesellschaft, desto höher ihre Wachstumsrate. Eine Erkenntnis, die allerdings das Musterländle Baden-Württemberg kaum überraschen dürfte – immerhin wurde unsere Landesregierung ja über lange Jahre vom Teufel höchstselbst geführt.

Auch Wirtschaftspoet Wolfgang Petry hat es ja schon immer gewußt.

Bild: Wikipedia

Montag, 9. November 2009

Bookmarks 2009

Eben kurzer Chat mit der Gräfin. Sie legt mir dringend den Taubenvergrämer ans Herz. Ich verspreche ihr, die Seite zu bookmarken.

"Bookmarken". Klingt inzwischen außerordentlich altmodisch, oder? Ist es in Zeiten von Twitter, Facebook & Co. schon reaktionär, wenn man ein Lesezeichen anlegt?

Hunzigacker



Gefunden bei wirres.net

Sonntag, 8. November 2009

Schotten dicht

Jahrestasting bei Fred. Im letzten Jahr hatte sich unsere Expertenrunde nach einer strengen Blindverkostung ja ausgerechnet für einen Standardwhisky entschieden, den man heute rund um die Uhr an jeder Tankstelle bekommt. In diesem Jahr soll unser Urteil natürlich deutlich fachlicher ausfallen.

Da die Teilnehmer viel zu viele Whiskys mitgebracht haben, trifft Versuchsleiter Jörg eine zufällige Vorauswahl und bringt die Flaschen in eine Reihenfolge, die sich später als äußerst durchdacht erweist. Bekanntlich ist eine systematische Vorbereitung unabdingbar für Spontaneität, aber offenbar ist Spontaneität zugleich auch die ideale Vorbereitung!

Nach vier anstrengenden Stunden ist sich die Runde einig. Die Nummer 4 wird Tagessieger - komplexe Frucht, Rumtopf-Noten, zugleich aber angenehm weich. The winner is ... Glenlivet 18 Years. Wieder ein Tropfen aus einer Großbrennerei, wie unfachlich. Doch zu unserer Ehrenrettung entdecken wir immerhin auch zwei Geheimtips: einen Penderyn (aus Wales) sowie den ziemlich scharfen Aberlour a'bunadh in Faßstärke.

Mittwoch, 4. November 2009

GOTT SCHICKT MIR EIN ZEICHEN

Eigentlich will ich nur aufs Standesamt, um endlich meine peinliche Mitgliedschaft in einer Organisation zu beenden, die bronzezeitliche Mythologie mit neuzeitlichem Brauchtum kombiniert. Doch Minuten vor meiner Ankunft bricht das Rechenzentrum der Stadtverwaltung zusammen: Nicht die geringste Amtshandlung ist mehr möglich, auch nicht der Kirchenaustritt!

Zufall? Oder eine Botschaft jenes höheren Wesens, das wir verehren? Ich tippe auf zweiteres und muß jetzt nur noch zwei unbedeutende Fragen klären: Welche der vielen tausend Gottheiten hat mir da nun ein Zeichen geschickt? Und was hat das Zeichen genau zu bedeuten?

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Weise Worte (10)

"Our time is brief. No matter how smart you are or pretty, the demand for you is limited."

Dienstag, 27. Oktober 2009

Aufgelesen (14)

"Dietlind Mohr-Hagen war von Hause aus eine Hagen, zwar nicht von Tronje, aber immerhin aus Worms, und bekennendes Mitglied der Freien Demokratischen Partei. Sie arbeitete als persönliche Referentin eines Abteilungsleiters im Bundesministerium für Wirtschaft und schwärmte von dem Tag, als sie mit einer Delegation zu Verhandlungen nach London mitgeflogen war und Frau Thatcher persönlich kennengelernt hatte. Was für eine Frau! Frau Thatcher natürlich, nicht Dietlind."

Jochen Schimmang, Das Beste, was wir hatten

Dienstag, 20. Oktober 2009

Weise Worte (9)

"Es muss klar sein, dass eine Diktatur mit uns nicht mehr machbar ist, unter keinen Umständen."

Gregor Gysi in der F.A.Z.

Montag, 19. Oktober 2009

Fürst Class

Besuch in der Fürstlichen Grabkapelle. Sie liegt im Fasanengarten – und in ihr 17 Zähringer. Normalerweise ist die Kapelle nicht zur Besichtigung geöffnet, weil das Haus Baden es nicht möchte. Aber Moment mal – wird der Gebäudebetrieb nicht vom Land Baden-Württemberg finanziert? Darf das Land also nicht entscheiden, wann es die Türen öffnet und wann nicht? Aber wenn es ums Geld geht, drück das Ländle ja gern mal beide Augen zu.

Zwischen den Kenotaphen fällt uns vor allem eines auf: Es ist ganz schön kalt und muffig hier.

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Mediokre Medien

Die deutschen Verlage haben sich in den vergangenen 15 Jahren mit allen möglichen Dingen beschäftigt – nur nicht mit ihrer Zukunft. Nun geniert die Branche sich nicht, angesichts dunkler Wolken Schutz von Papa Staat einzufordern.

Matthias Spielkamp hat im Perlentaucher die unerträgliche Diskussion über das Leistungsschutzrecht sehr gut zusammengefaßt. Unbedingt lesenswert!

Dienstag, 29. September 2009

Endlich wieder auf Amrum

Treffen sich zwei Werbetexter auf Amrum. Sagt der schlechtere: Hier ist Meer los. Sagt der bessere: Nein, weniger!

Die soeben neu geschaffene Kategorie des Amrum-Witzes ist wahrscheinlich nicht sehr zukunftsträchtig, doch Tatsache ist und bleibt: Amrums Hauptattraktionen sind der interessanteste Minigolfplatz und höchstwahrscheinlich die Inseltankstelle. Folglich kann man gar nicht anders, als schnell zu entspannen. Nach 2 Jahren verbringen wir also mal wieder ein paar Tage an der Nordsee.

Sylt und Amrum haben ja eine Gemeinsamkeit: Bohlen. Auf Sylt beschreibt der Begriff einen gewissen Urlaubertypus, auf Amrum hingegen das Holzstegnetz, das sich überall durch die Dünen zieht. Schon nach einer unserer ersten Wanderungen durch die frische Luft biegen wir jedoch ab und wagen eine Partie Minigolf. Auf jedem zweiten Schild lesen wir unfreundliche Hinweise auf fällige Strafzahlungen, wenn man unerlaubterweise mehr als 7 Schläge pro Bahn spielt, hm. Anke läßt sich allerdings (leider) nicht beeindrucken und gewinnt knapp 81 zu 82.

Auch bei der anschließenden Strandwanderung bleibt sie ganz cool und sammelt routiniert Muscheln & Co. ein, obwohl wir auf ganz anderes Meeresgetier als bei unserem ersten Amrum-Aufenthalt stoßen. Doch plötzlich erstarren wir beide! Was ist denn das dort hinter der Düne, eine abstrakte Skulptur mitten im Sand? Als Karlsruher sind wir natürlich ZKM-gestählt und suchen minutenlang nach neuer Formensprache und komplexen Raumstrukturen, bis wir feststellen: Entwarnung – bloß eine Kinderburg mit ein wenig Gestänge hier und da!

Am nächsten Tag müssen wir den Wanderschock verdauen und machen zur Abwechslung eine Fahrradtour. Auf dem Weg nach Wittdün kommen wir am Steenodder Kliff vorbei und betrachten schweigend das gewaltige Naturschauspiel: Im ewigen Kampf der Elemente hat das Wasser im Lauf der Zeiten eine Klippe aus dem Gestein herausgeschlagen, die an der einen oder anderen Stelle gut und gern 1,80 Meter hoch ist – kolossal. Apropos Wasser: Wenig später schauen wir endlich mal in der viel gelobten Insel-Praline vorbei, müssen aber feststellen, daß die Trinkschokolade dort nicht mit Milch zubereitet wird. Auf der Rückfahrt Richtung Norddorf erfinden wir noch schnell die Fahrradmusik: Konzert für zwei Klingeln, einen Quietschsattel und schleifende Handbremse (vorn) op. 1. Applaus gibt es leider nicht, aber als Ersatz gönnen wir uns eine kleine Stärkung im gemütlichen Teehaus Burg, wo man ja den schönsten Blick auf die Wattseite der Insel hat.

Der kalte Atem der Weltpolitik geht allerdings auch an Amrum nicht spurlos vorbei. Eigentlich wollten wir uns ja einen Vortrag von John C. Kornblum und Dieter Kronzucker anhören. Doch wegen des Bundeswehr-Angriffs auf einen Tanklaster gibt es Spannungen zwischen Washington und Berlin, und Kornblum muß nach Washington statt nach Nebel. Da hat er Pech gehabt!

Bei unserer obligatorischen Wanderung um die Nordspitze der Insel rettet Anke dann noch zwei Marienkäfer, die an der Wasserkante herumspazieren und nichts von der nassen Gefahr ahnen. Wie soll das auch gehen, wenn man praktisch kein Gehirn hat!

Und dann ist unsere Amrum-Woche auch schon wieder vorbei. Auch der Rückfahrt schauen wir noch ein paar Tage in der Schopenhauer-Stadt Lübeck vorbei. Die Zerstörungswut des 20. Jahrhunderts (also insbesondere die Architektur der 60er Jahre) konnte dem mittelalterlichen Stadtbild ja erstaunlich wenig anhaben. Wir platzen zwar mitten in die Lübecker Kartoffeltage, entscheiden uns im Hause Niederegger dann aber doch für die bekanntere Spezialität der Stadt: soviel Mandel wie möglich, sowenig Zucker wie nötig. Lecker! Im Willy-Brandt-Haus treffen wir dann noch ganz unverhofft den Basta-Kanzler, der auf dem Weg zum Blechtrommel-Jubiläum ist.

Montag, 28. September 2009

Weise Worte (8)

"Was wir jetzt nicht gebrauchen können, ist, daß unsere Partei auseinanderfällt."

Andrea Nahles im ARD-Morgenmagazin



PS: Nicht?

Sonntag, 27. September 2009

Mittwoch, 23. September 2009

So lacht man in Brüssel


Größere Kartenansicht

Aufgelesen (13)

"Years ago I taught an evolution course at the University of Botswana, a devoutly Presbyterian place with a strong creationist tradition. At the end I asked one of the students how he reconciled what I had said about the immense antiquity of mankind with his belief in a universe 6,000 years old. He gave me the perfect answer: 'It is very simple, sir; you evolved – but we were created!”.

Steve Jones in einer Dawkins-Rezension

Dienstag, 22. September 2009

Wahlkampf 3.0

Der Wahlkampf wird immer heißer! Das Mitmachzentrum des FDP-Wahlkampfteams hat mir eine E-Mail mit tollen Ideen geschickt, wie man die liberale Sache in Deutschland voranbringen kann. Zitat Anfang:

1. Laden Sie sich den Offline-Steuerrechner für Ihren nächsten Info-Stand herunter.
2. Melden Sie einen beschädigten Wesselmann.
3. Beteiligen Sie sich am Ranking der Koalitionsvereinbarungen.
4. Verschicken Sie den neuen Viralspot "Das erste Mal"
5. Googlen Sie eine PLZ bzw. PLZ + FDP und finden Sie den FDP-Kandidaten vor Ort.
6. Weisen Sie Ihre Freunde und Bekannte auf die TV-Trielle mit Guido Westerwelle hin.
7. Veranstalten Sie eine liberale Gartenparty oder Grillfest.

Zitat Ende. Wahlkampf-Idee Nr. 5 muß ich natürlich gleich mal ausprobieren. Und wirklich: Schon beim ersten Versuch stoße ich auf einen erstklassigen Bundestagskandidaten aus dem Wahlkreis Höxter - Lippe II.

Sen-sa-tio-nell, wie pfiffig diese Wahlkämpfer heutzutage sind.

Der Gang der Dinge

Gesehen im Sol i Luna in Durlach.

Montag, 21. September 2009

Ich bin fassungslos



Kann mir mal jemand sagen, was mit den einzelnen Begriffen genau gemeint ist?

Quelle: Statista

Montag, 31. August 2009

Weise Worte (7)

"Qualität hat seinen Preis."

Rüdiger Ditz im Gespräch mit onlinejournalismus.de

Freitag, 28. August 2009

Weise Worte (6)

"Die meisten deutschen Weine sind immer langweilig gewesen, wenn auch auf eine andere Weise als langweilige spanische, französische oder australische Weine."

Hugh Johnson in einem Gespräch mit der Welt

Freitag, 21. August 2009

"Basically a race game with a simple auction mechanism"

Durch Zufall bin ich auf eine herrliche Analyse des Schachspiels gestoßen, die Marc Lecours auf boardgamegeek.com veröffentlich hat. Appetithäppchen: "Many people complain than chess is kind of a boring two player solitaire game. To them chess is basically a race game with a simple auction mechanism for key spaces on the board. The general consensus is that chess has appeal to players who like economic efficiency games but has little appeal to player who prefer a lot of player interaction". Weiterlesen!

Bild: Wikipedia

Donnerstag, 20. August 2009

Aufgelesen (12)

"So war es Adolf Kleinholdermann, der am 14. Mai 1950 den ersten Boxkampf zwischen einem Deutschen und einem US-Amerikaner, den [sic!] Schwarzamerikaner Gene 'Tiger' Jones, nach Kriegsende bestreiten sollte. Ein deutscher Adolf gegen einen schwarzen US-Boxer – das war schon etwas, so wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg."

Rochus Misch, Der letzte Zeuge

Mittwoch, 19. August 2009

Was plant das Auswärtige Amt?

Am 1. September spricht der deutsche Außenminister und SPD-Kanzlerkandidat in Karlsruhe über das Thema: "Unser Land kann mehr". Und das ausgerechnet auf den Tag genau 70 Jahre, nachdem Deutschland die "große Scheiße" (Helmut Schmidt) entfesselte.

Dienstag, 18. August 2009

Was für Bauern!


Es ist entschieden: Am 27. September wähle ich CDU. Der Partei ist nämlich ein wunderbar authentisches und durch und durch glaubwürdiges Wahlkampflied für das TeAM Deutschland eingefallen, das dann auch noch von Leslie Mandoki produziert wurde. Es dürfte dem politischen Gegner zudem äußerst schwer fallen, eine Aussage wie "Wir sind wir" logisch plausibel zu widerlegen. Nun können die Sozis endgültig einpacken!


PS: Zuerst ist es mir ja gar nicht aufgefallen ... TeAM! Mit AM! Genial!

Sonntag, 16. August 2009

Rhein ins Vergnügen

Nach ziemlich genau zwei Jahren zieht es uns wieder nach Waldshut. Diesmal interessieren uns nicht die historischen, sondern die romantischen Aspekte dieses höchst unterschätzten Städtchens am Südrand unseres Landes. Und darum beginnen wir unseren Ausflug auch im fleißigen Schaffhausen in der Schweiz: Wir begeben uns auf ein Ausflugsschiff, tuckern auf dem Rhein Richtung Osten und lassen dabei das Paradies rechts liegen.

Schon nach wenigen Kilometern sind wir entzückt vom idyllischen Ufer des Flusses. Es scheint hier mehr Schwimmbäder als Orte zu geben, alle paar Minuten gleiten wir an einer Badeanstalt vorbei. Allerdings entdecken wir auch regelmäßig gut versteckte Betonbunker am waldigen Ufer: Man weiß ja nie, wann der merkwürdige Nachbar im Norden mal wieder Ärger macht, darum lassen die Eidgenossen die Relikte der 30er und 40er Jahre lieber stehen.

Während der Anfahrt auf Stein am Rhein nervt uns die ältere Dame nebenan, die für zwei Amerikanerinnen die Fahrt kommentiert. Als nächstes würden wir in "Stone on Rhein" anlegen, und die Burg oben auf dem Berg heiße "castle high blade". Vielen Dank für die Information! Stone on Rhein heißt übrigens (angeblich) so, weil die Stadt an einem ziemlich großen Stein im Rhein liegt. Oberkorrekt wäre also: Stein am Stein im Rhein. Daß es dort von der Mosterei Möhl übrigens einen milden Apfelwein gibt, der im Eichenfaß reift, ist ganz gewiß nicht dass Schlechteste, was man über den Ort sagen kann.

In einem urigen Häuschen in der knuddeligen Altstadt gönnen wir uns in Maja's Bistro ein sogenanntes Bauernhofeis (ohne Konservierungsstoffe, aber mit viel Zucker) und schlendern anschließend durch die mittelalterlichen Gassen. Dabei sehen wir hier und da ein wenig Laub auf dem Fußweg! Und vorher in Schaffhausen hatten wir ja schon Graffiti entdeckt! Wenn die Schweiz so weitermacht, ist bald alles aus. Womöglich hört die Jugend dort inzwischen auch schon Rock 'n' Roll und trägt Nietenhosen.

Nach einem Abstecher zum Rheinfall kommen wir abends müde in Waldshut an und finden gerade noch Kraft, uns Urlaubsfotos aus Island anzuschauen. Wir erfahren, daß Island ein wunderbares Reiseziel ist, wenn man die Natur liebt. Und unter "Natur" Steine, Wasser und Moos versteht.

Am nächsten Morgen wandern wir noch durch die Waldshuter Altstadt und schaffen es mal wieder nicht, im Restaurant Metropol über dem beeindruckenden Seltenbachtal einzukehren. Das Restaurant trägt übrigens einen Namen, der dem Ort vielleicht nicht in jeder Hinsicht gerecht wird.

Auf dem Rückweg schauen wir noch kurz bei Chrissie in Freiburg vorbei und stärken uns im Café am herrlichen Seepark. Ankes Ravioli sind beinahe ungenießbar, mein Schwarzwaldbecher hingegen ist ganz hervorragend. Der Prestigepreis geht allerdings an Alex, der bei weit über 30 Grad ungerührt Schnitzel mit Pommes bestellt.

Freitag, 14. August 2009

So lachte man im Warschauer Pakt

"Did you hear about the joke contest in Bucharest? First prize: fifteen years!"

Gefunden in: Jim Holt, Stop Me If You've Heard This

Mittwoch, 12. August 2009

Joint Forces

Frage:
Was will uns dieses Foto sagen?

Antwort:
Der Berliner Polizeiobermeister leidet unter erheblichen Rückenproblemen und beugt sich schmerzgebeugt nach vorn. Weil er bereits 8 Stunden Dienst hinter sich hat, hält er seine Lupenröhre versehentlich an die Nase statt ans Auge, um im Zuge einer lebensmittelrechtlichen Untersuchung die verdächtige Zuckerprobe auf dem Tisch zu untersuchen.

So weit, so unverdächtig.

Doch ... die krümelartige Substanz auf dem Tisch könnte Düngemittel sein. Daraus läßt sich bekanntlich Sprengstoff herstellen! Und in die beiden Bechern paßt deutlich mehr Flüssigkeit als die 0,1 Liter, die in der Luftfahrt an Bord noch erlaubt sind.

Terroralarm!

Montag, 10. August 2009

Samstag, 1. August 2009

Don't worry


Richard Wiseman ist vielleicht nicht der einzige, aber sicher der bekannteste Quirkologe der Welt. In seiner neuesten Massenstudie möchte er nun herausfinden, wodurch Menschen glücklich werden. Jeder kann teilnehmen!

Hier ein schon etwas älterer, aber immer noch hervorragender Artikel von Richard Layard zum Thema.

Bild: Pumbaa80

Donnerstag, 23. Juli 2009

Aufgelesen (11)

"Zu unseren wirksamsten Maßnahmen zählte die Reform der Bestimmungen für die Finanzinstitute. Der Community Reinvestment Act von 1977 forderte von den unter Bundesaufsicht stehenden Kreditinstituten besondere Anstrengungen, um Kreditnehmern mit niedrigem Einkommen Darlehen zu gewähren. Allerdings war diese Vorschrift bis 1993 weitgehend wirkungslos geblieben. Nach unserem Eingreifen stellten die Banken den von diesem Gesetz erfassten Kreditnehmern zwischen 1993 und 2000 mehr als 800 Milliarden Dollar für Hypotheken sowie Darlehen für Kleinunternehmen und Gemeindeentwicklungsprojekte zur Verfügung - eine beeindruckende Summe, die mehr als 90 Prozent des gesamten Kreditvolumens in den 23 Jahren seit Verabschiedung des Gesetzes ausmachte."

Bill Clinton, Mein Leben

Montag, 20. Juli 2009

Aber bitte mit Sahne

Sommerausflug nach Sasbachwalden! Ich will endlich mal eine echte Schwarzwälder Kirschtorte ("Schwacki") ausprobieren. Schon auf der Hinfahrt kommen mir philosophische Gedanken, ich muß ständig an Thoreau und sein Walden denken.

Und tatsächlich: Als die Kalorien im Sasbachwaldener Engel endlich auf dem Tisch stehen, offenbart sich mir plötzlich die geistliche Dimension der berühmten Süßspeise. Wäre nicht auch eine Schwarzwälder Kirchtorte denkbar? Wahrscheinlich wäre sie ja eine Art asketisches Mürbegebäck mit Salzgeschmack.

Sonntag, 19. Juli 2009

Bei den Schwaben

Ich gehöre ja zu den (sehr) wenigen Baden-Württembergern, die sich tatsächlich als Baden-Württemberger sehen. Wahrscheinlich liegt es daran, daß ich keiner bin. Aus Sicht der Ureinwohner gibt es ja schließlich nur Badener und Schwaben. Die Spannungen zwischen beiden Landeshälften sind legendär. Bis heute fühlen sich die Badener rund um die Uhr über den Tisch gezogen. So hält die halbe Welt Carl Benz für einen schwäbischen Ingenieur. Außerdem hat Stuttgart eine U-Bahn und Karlsruhe (noch) nicht – unerhört!

Ab und zu sollte man aber etwas für die Volkerverständigung tun und den Schritt über die Stammesgrenze wagen. Wir fahren also in die Landeshauptstadt und besichtigen den ersten Fernsehturm der Welt, Stuttgarts Beitrag zur Architektur der Moderne. Auf 150 Meter Höhe sind wir erst einmal ein bißchen enttäuscht: Wie bitte, Milchglasscheiben auf der Aussichtsplattform? Doch die Bausünde entpuppt sich als Hochnebel - Glück bzw. Pech gehabt! Apropos Glück: Am Fuße des Turms feiert der Qualitätsradiosender SWR4 gerade ein "Sommer"fest, doch dank des schlechten Wetters ist kaum etwas los, puh. Ein kategoriengetreuer Volksmusiksänger namens Oliver Thomas kümmert sich auf der Bühne um die musikalische Grundversorgung im Sinne des Rundfunkstaatsvertrages. Wir kümmern uns darum, daß wir möglichst schnell wegkommen.

In der Stadt machen wir eine empörend unschwäbische Erfahrung. Auf manchen Gehwegen ist hier und da ein verwelkendes Laubblatt zu sehen, wir entdecken sogar ein weggeworfenes Kaugummipapier! Hat die Schwabenmetropole Natur und Bürger nicht mehr im Griff? Sorgenvoll setzen wir uns in die sensationelle Zahnradbahn, die uns am Restaurant Wielandshöhe vorbei nach Degerloch befördert. Möglicherweise liest Vincent Klink hier ja nicht mit, aber falls doch: Verordnen Sie Ihrem Laden doch bitte mal eine akzeptable Website!

All die neuen Eindrücke haben uns hungrig gemacht, und so begeben wir uns ins schicke Goi nach Feuerbach. Gaby, Doris und Anke bestellen seriöse Menüs, aber ich entscheide mich natürlich für eine Extrawurst, nämlich das vegetarische Gericht "V8". Das hat Folgen. Beim Bezahlen versucht uns die Bedienung ganz aufgeregt klarzumachen, daß ihre Lieblingsgerichte V3, V4 und V5 seien. V8 sei aber an Muttertag das traditionelle Gericht der buddhistischen Mönche! Bzw. alle Mönche würden vegetarisch essen! Bzw. an Muttertag werden viele Vegetarier in Thailand zu Mönchen! Oder umgekehrt oder so. Wir werden aus ihren Ausführungen nicht schlau, auch wenn die Dame durchaus den einen oder anderen Brocken Deutsch spricht. Am Ende erklärt sie die verblüffte Gaby zur Stammkundin.

Schwabenland, du hast es besser!

Samstag, 23. Mai 2009

Mehr Licht!

Die deutsche Politik widmet sich nun endlich dem Wesentlichen: Ab dem 1. September greift das Glühbirnenverbot. Um die Reichsbürger vor den gefährlichen Leuchtmitteln zu schützen, werden alle Birnen vernichtet, die vom Zoll "abgefangen" werden. Noch müssen sich Glühbirnenverbrecher keine ernsthaften Sorgen machen, da der Kauf der Klimatöter vorerst nicht strafbar sein wird.

Deutsche Vernunftpolitiker weisen aber schon jetzt darauf hin, daß auch Energiesparlampen in Europa keine große Zukunft haben werden.

Bild: KMJ

Dienstag, 19. Mai 2009

Weise Worte (5)

"Wir wissen alle, dass Fernsehen dick, dumm, traurig und gewalttätig macht."

Ursula von der Leyen (zitiert nach stern.de)

Geistige Armut

Der Paritätische Wohlfahrtsverband hat - wie immer unter gehörigem Mediengetöse - seinen neuen Armutsatlas vorgelegt. Das Bild entspricht den Erwartungen: Im Süden sieht es gut aus, im Norden schlecht, im Osten richtig übel.

Damit die Armutswerte aber so richtig schön katastrophal aussehen (fast jeder vierte Mecklenburger ist arm!), haben die Experten sich zweier statistischer Tricks bedient. Zum einen gelten für sie diejenigen als arm, denen weniger als 60 Prozent eines mittleren Durchschnittseinkommens zur Verfügung steht. Im amtlichen Sprachgebrauch ist dies aber die Armutsgefährdungsschwelle, ein wichtiger Unterschied.

Zum anderen nimmt der Wohlfahrtsverband stillschweigend an, daß die Kaufkraft überall in Deutschland gleich groß ist. Aber das Preisniveau in Frankfurt ist nun mal höher als in Halle.

Eine fabelhafte Studie.

Montag, 18. Mai 2009

Pilgerfahrt nach Maulbronn

Sonntag ist UNESCO-Tag! Jedenfalls für uns und für heute. Da ich mir ja schon seit Jahren vornehme, mal nach Maulbronn zu fahren, gondeln wir also gemütlich zum berühmten Zisterzienser-Kloster.

Auf dem Weg dorthin machen wir Station am Aalkistensee und stellen dreierlei fest:1. Der See heißt wirklich so. 2. Sein Name lädt nicht unbedingt zum Bade ein. 3. Man darf dort auch gar nicht baden. 4. Die Zahl drei ist auch nicht mehr das, was sie mal war.

In Maulbronn ist dann erst einmal Staunen angesagt. Das Kloster ist wirklich erstaunlich groß, erstaunlich gut erhalten und ganz allgemein überhaupt erstaunlich: Die Zisterzienser waren ja ein Reform-Orden, der sich ganz bewußt gegen den Reichtum der Benediktiner wandte - und was fällt den Burschen in Maulbronn ein? Sie basteln sich erst mal ein neues Riesenkloster, dessen Bau über Jahrzehnte Unsummen verschlingt. Der Herrenchor (Bild) erinnert uns ungemein an die Inquisition.

Für die Rückfahrt schlage ich den effizientesten Umweg vor, den wir auf die schnelle finden können, nämlich über Unteröwisheim (sprich: Unneroise). Doch dem Ort geschieht das Schlimmste, das einem Kulturstandort mit überregionaler Bedeutung passieren kann: Wir merken es nicht einmal, als wir durchfahren.

Sonntag, 10. Mai 2009

Zum Schießen

Die stets sachorientierte Bundesregierung hatte endlich ein Einsehen und wird eine Sportart verbieten, die die freiheitlich-demokratische Grundordnung schon lange bedroht: Paintball. An diesem Entschluß ist nichts auszusetzen. Vollkommen korrekt ist auch, echte Schußwaffen eben nicht zu verbieten, schließlich sind Schützenvereine vielerorts wichtige Träger der politischen Lokalkultur.

Höchst befremdlich ist allerdings, daß Schneeballschlachten künftig noch erlaubt sein werden. Hier erhalten unsere Kinder in jüngsten Jahren eine kriegerische Prägung, die spätere Gewaltexzesse bedingen kann.



PS: Auch die Bundeswehr setzt ein klares Zeichen gegen Gewalt und lockt Elfjährige nicht mit Paintball an ihre Panzer, sondern mit Beachvolleyball.

Samstag, 9. Mai 2009

Münte droht mit Überfall auf Luxemburg

Obercharmeur Müntefering läßt sich zu der (nicht nur rund um den 8. Mai) unfaßbar dummen Bemerkung hinreißen, daß man früher Soldaten in Steueroasen geschickt hätte, Jean-Claude Juncker kontert mit dem vollkommen berechtigten Hinweis, daß Luxemburg ja schon einmal unter deutscher Besatzung gelitten habe.

Und welche Schlagzeile bastelt das Boulevardmagazin Spiegel online aus der Affäre? Juncker vergleicht Kritik an Steueroasen mit Nazi-Besatzung.

Der Nazi-Vergleich ist und bleibt eben die V2 unter den Metaphern.

Bei den Bauern in Bayern

CSU, das ist natürlich 100 % Bayern. Bayern ist aber nicht 100 % CSU! Diese erfreuliche Ungleichung beseitigt unsere letzte Zweifel hinsichtlich eines verlängerten Ausflugs nach Oberbayern. Also los!

Auf dem Weg nach Berchtesgaden machen wir zunächst Halt am Chiemsee. Wir haben nicht unbedingt Glück mit dem Wetter, deuten aber die regnerische Stimmung mystisch um und machen eine merkwürdige Erfahrung: Bei der märchenhaften Kulisse versteht man die Skurrilitäten von Ludwig II. viel besser!

Apropos Verständis für historische Figuren. Wenig später stehen wir auf dem Obersalzberg und begreifen mit einem Mal, wie schnell sich hoch droben im Gebirg' auch ein Hanswurst für einen Weltpolitiker halten kann. Bei dem Panorama wirken selbst absurdeste militärische Fehlentscheidungen plötzlich ganz vernünftig! Natürlich hat auch unsere sehr typische Bergpension Führerblick. Direkt nebenan können wir sogar bayerische Landfrauen bei der Arbeit beobachten, siehe Bild links oben. Am Königssee machen wir natürlich das obligatorische Klischeefoto am Malerblick und begeben uns dann auf eine Salzzeitreise ins Berchtesgadener Bergwerk. Es ist ja gar nicht selbstverständlich, daß eine steinreiche Stadt mit Salz soviel Kohle macht.

Und dann geht es auch schon wieder gen Westen - wir machen einen Abstecher zu Doris & Markus ins Starnberger Land. Seen und gesehen werden, wäre das nicht ein passender Slogan für diese bemerkenswerte Gegend? Doch wir halten uns nicht mit regionalen Werbestrategien auf, sondern befassen uns gleich mit dem Wesentlichen: einem herrlichen malzigen Doppelbock im Biergarten der Klosterbrauerei Andechs. Plötzlich stehen zwei bayerische Halbstarke am Tisch und betteln unter Alkoholeinfluß um Brot. Sind Lebensmittel unter Seehofer so knapp geworden? Doch wir kommen ja aus Baden-Württemberg und teilen christlich unsere Brezn.

Entsprechend geht es tags drauf in der Wieskirche zu. Ich lausche ergriffen einem Prediger, der ganz ernsthaft vom "christlichen deutschen Strafrecht" spricht und gegen die barbarische US-Justiz wettert. In einem Nebenraum dann die Entdeckung des Tages: eine schriftlich verfaßte Fürbitte in ländlich-elegantem Stil, daß doch mit der Schuldnerberatung alles gutgehen möge! Himmel, mit welchen Trivialitäten muß man sich als Schöpfer heutzutage eigentlich noch befassen?


Unsere Reise führt uns weiter ins mittel-alterliche Füssen, wo wir ganz begeistert vom Hohen Schloß sind. Wegen des sehr mystischen Wetters wirkt es wie die Burg eines fiesen Oberschurken. Und tatsächlich: Heute sitzt dort das Finanzamt, na also! Abends im La Perla schneide ich deutlich besser ab als Anke, meine Dorade ist wirklich fantastisch. Am nächsten Morgen versuchen wir natürlich wie die 200 Millionen Besucher vor uns, Neuschwanstein ganz einzigartig zu fotografieren - mit ungewissem Erfolg. Überhaupt, das Allgäu und die Fotografie! Die ganze Gegend besteht ja praktisch ausschließlich aus Bildmotiven, weswegen oft unterschlagen wird, daß praktisch überall auch bayerisches Aroma in der Luft liegt (Jägersauce).

Ach ja, Neuschwanstein ... König Ludwig II. verstand Schloßbau ja als kostspielige Therapie, um wenigstens einige seiner Neurosen in den Griff zu bekommen. Heute würde man ihm wohl eine Playstation spendieren, er müßte sich letztlich nicht in den Starnberger See schmeißen, und alle hätten ihre Ruhe. Allerdings müßte man dann auf die vorbildlich effizienten Fließbandführungen durch das Schloß verzichten. Wir werden der Kohorte 163 zugeordnet und sind ganz erstaunt, als wir am Ende feststellen, daß unser Führungsroboter ein Mensch aus Fleisch und Blut ist!

Unsere Reise endet ganz zivil mit drei erholsamen Tagen am Alpsee bei Immenstadt.

Freitag, 8. Mai 2009

Weise Worte (4)

"A single ill-considered remark can generate more bad publicity than years of ill-considered policies."

Barack Obama, The Audacity of Hope

Montag, 27. April 2009

Contra Reli

Berlin hat entschieden. Die gottlosen Ketzer an der Spree haben gegen den Vorschlag der Initiative Pro Reli gestimmt, bronzezeitliche Mythologie wieder zu einem Wahlpflichtfach an Schulen zu machen. Es bleibt also beim Pflichtfach Ethik - wenn ein Schüler möchte, kann er aber zusätzlich Religion belegen.

Nun stellt sich die Frage, welche amüsanten schulpolitischen Konflikte demnächst noch ausgetragen werden können. Wie wäre es mit einer Aktion Pro Milchmädchenrechnung, die sich gegen den Zwang zum Mathematikunterricht wendet? Möglich wären natürlich aber auch Fächer wie CDU-Lehre oder SPD-Kunde, für die sich die Schüler statt Gemeinschaftskunde entscheiden könnten.

Bild: Wikipedia

Samstag, 25. April 2009

Zensursula

Nicht mal 20 Jahre nach Ende der letzten Diktatur auf deutschem Boden ist es der Vernunftpolitikerin Ursula von der Leyen gelungen, endlich wieder eine funktionierende Zensurinfrastruktur einzuführen. Leider zunächst nur fürs Internet - but there's much room for improvement.

Wer diese große und unbedingt sachorientierte Politikerin öffentlich ehren möchte, kann zu diesem Zweck hier ein kostenloses T-Shirt bestellen. Es fallen nur Versandkosten an.

Montag, 20. April 2009

Fett, Mann!

Nun hat es die Wissenschaft endlich bestätigt: Dicke sind Mörder, weil durch ihre Lebenweise unnötig viel Todesgas in die Atmosphäre gelangt.

Montag, 6. April 2009

Grobi-Lästerung

Aktivisten haben Geld gesammelt und möchten Werbeflächen auf Bussen belegen: "Es gibt keinen Grobi. Ein erfülltes Leben braucht keine Sesamstraße". Doch überall mauern die Verkehrsbetriebe, weil sie Imageschäden befürchten.

Wenn die Gegenseite hingegen auf Plakaten behauptet, daß man ohne Ernie & Bert in die Hölle kommt, gibt es keine Probleme.

Montag, 30. März 2009

Der Anfang ist das Ziel

Nun ist es also geschehen. Ein Dreivierteljahr nach der denkwürdigen Ausstellung Wehret den Anfängern hat der Künstler wegen des großen Mißerfolgs die trivialsten Werke der Kunstschau online gestellt - also alle.

In der Rückschau erinnere ich mich vor allem an zweierlei: die angenehme Absurdität der ganzen Veranstaltung und die Persönlichkeiten, die damals "ganz ausdrücklich" (O-Ton) nicht erschienen sind: der Bundespräsident, Klaus Staeck und Jim Rakete.

Eine Wegmarke, die aufgrund ihrer beeindruckenden Irrelevanz unvergessen bleiben wird.


PS: Man beachte die Aktion Akademikerfreundlicher Nah- und Fernverkehr!

Nicht diese Töne

Das Orchestre National de France spielt unter Kurt Masur kurz vor dem NATO-Gipfel Beethovens Neunte - da ist es ja fast schon erste Bürgerpflicht, nach Baden-Baden ins Festspielhaus zu pilgern!

Erster Eindruck: Masur ist alt geworden, schon der Schritt aufs Podest scheint ihm schwerzufallen. Aber auch das Orchester ist nicht ganz bei der Sache. Im ersten Satz verpaßt die eine oder andere Instrumentengruppe ihren Einsatz, (zu) viele Noten verschwinden im Geräuschbrei. Und überhaupt, das Allegro darf man doch nicht bürgerlich-bedächtig spielen, sondern viel drängender! Das Molto vivace hingegen wird zum Höhepunkt des Abends, so wütend habe ich es noch nie gehört. Beim Adagio molto nimmt die Langeweile allerdings von Takt zu Takt zu, und beim Presto schlafen wir fast ein. Für den Schlußchor kann natürlich weder der Dirigent noch das Orchester etwas, er war ja schon immer der Geburtsfehler der Neunten.

Das Publikum ist wie üblich total aus dem Häuschen und gibt dem Helden der Wende Standing Ovations. Aber wofür eigentlich? Für eine ausdruckslose Interpretation des Gipfelpunktes abendländischen Musikschaffens? Vielleicht galt der Applaus aber auch dem gesamte Zyklus, denn Masur und das Orchester haben an vier Abenden immerhin alle neun Symphonien aufgeführt, keine ganz schlechte Leistung.

Auch die kenntnisreiche BNN war natürlich begeistert von einer "bravourösen Aufführung" und dem "hervorragenden Orchester".

Donnerstag, 26. März 2009

Wrong, it's true


Das hat aber lange gedauert! Nun sind Depeche Mode endlich wieder da. Mit Wrong, einer Rückbesinnung auf ihre musikalischen Ursprünge.
Am 20. April erscheint das neue Album Sounds of the Universe.

Mittwoch, 25. März 2009

Kellerkinder

Ich habe ja schon immer gespürt, daß im Ettlinger-Tor-Zentrum großes humoristisches Potential schlummert. Nun ist der erste Witz endlich entdeckt. Im Kellergeschoß gibt es dort einen Friseur namens Hair'n'More. Und darunter steht dann sachlich ganz korrekt: A Keller company.

Mittwoch, 18. März 2009

World of Bullshit

Einen der besten Kommentare zur unsäglichen Computerspiel-Debatte hat Arno Frank von der taz geschrieben - voilà. Jetzt muß sich nur noch jemand finden, der dem Oberkriminologen endlich mal eine wissenschaftliche Grundausbildung vermittelt.

Dienstag, 17. März 2009

Gutbucket

Nach mehr als zwei Jahren Pause sind die vier Jungs aus Brooklyn endlich mal wieder im Jazzclub Karlsruhe. Das Quartett gehört ja zu den wenigen Bands, die wirklich einen ganz eigenen Stil entwickelt haben. Ihre Stücke oszillieren zwischen den klaren Rhythmen von Eric Rockwin (Bass) und Adam D. Gold (Schlagzeug) auf der einen Seite sowie den farbenprächtigen Eruptionen von Ken Thomson (Saxophon) und Ty Citerman (Gitarre) auf der anderen. Das ist für gemischtes Publikum äußerst praktisch, denn so stellt die Band Rockfans und Jazzpolizei gleichermaßen zufrieden.

Mitten im Konzert gibt es allerdings eine kleine Aufregung. Ken Thomson hat die Setlist im Pausenraum vergessen, die Band muß die Reihenfolge der Stücke aus dem Kopf einhalten! Und das "trotz des vielen Biers, das es auf Tour immer gibt". Doch Abhilfe naht: Nach einigen Stücken läuft Torsten zur Bühne und überreicht der Band die Setlist, natürlich auf einem Servierteller.

Schade nur, daß höchstens 60 Gäste im Jazzclub waren. Die Band hätte das Zehnfache verdient.

Mittwoch, 11. März 2009

Aufgelesen (10)

"Der Mann am Schalter der Fluggesellschaft teilte uns mit, unser Flug von Bima nach Labuan Bajo sei vom Reisebüro nicht bestätigt worden, also hätten wir keine Plätze. Achselzuckend gab er uns unsere Tickets zurück.

Da man uns gesagt hatte, Indonesien könne man nur in einem Gemütszustand äußerster Gelassenheit in Angriff nehmen, beschlossen wir, es damit zu versuchen. Wir versuchten, dem Mann gelassen klarzumachen, daß auf unseren Tickets, genaugenommen, 'bestätigt' stehe, woraufhin er uns erklärte, 'bestätigt' bedeute, genaugenommen, gar nicht bestätigt, sondern werde lediglich auf Wunsch gewisser Leute auf die Tickets geschrieben, weil man sich so eine Menge Mühe spare und die Leute dazu bringe wegzugehen.

Er ging weg. Wir standen gelassen da und fächelten uns mit den Tickets schlechte Luft zu."

Douglas Adams & Mark Carwardine, Die Letzten ihrer Art

Dienstag, 10. März 2009

Tri-tra-trullala,
Generalsekretärle ist wieder da


Bei der Familienpolitik ist die Bundesregierung auf statistische Tricks angewiesen, um irgendwie doch noch einen positiven Effekt ihrer Reformen herbeizurechnen. Dabei müßte Angela Merkel doch einfach nur die FDP ins Boot holen, um als kinderfreundlichste Kanzlerin in die Geschichte einzugehen. Die beiden Vernunftpolitiker Ronald Pofalla und Dirk Niebel haben schon mal vorgemacht, in welch hohem Ansehen zum Beispiel das Kasperletheater bei befreundeten Parteigenerälen schon heute steht. Pofalla hat eindeutig die lautere Stimme und gewinnt das Duell. Ganz klar: Niebel und die FDP brauchen die Zweitstimme.

A New Kind of Google

Stephen Wolfram ist wieder da! 2002 machte er ja Furore mit seinem Buch A New Kind of Science, in dem er höchst arrogant eine angeblich völlig neue Art der Wissenschaft vorschlug. Dabei vergaß er zu erwähnen, daß die zugrundeliegende Idee uralt ist und schon Ende der 60er von Konrad Zuse systematisch ausgearbeitet wurde.

Nun hat er eine grundlegend neue Suchmaschine angekündigt.

Samstag, 7. März 2009

Technisches Allzutechnisches

Variety is the spice of life! Das sieht auch Windows Vista so, das mich nach dem Bootvorgang mit überraschenden Neuigkeiten begrüßt: Glückwunsch! Ich hätte einen neuen Monitor, sogar mit höherer Auflösung! Mein altes Gerät kam ja nur auf 1680 x 1050 Pixel, das angeblich neue schafft offenbar sogar 1600 x 1200. Vista aktiviert also in bester Absicht und in meinem ureigenen Interesse die höhere Auflösung. Mein Monitor ist allerdings in jeder Hinsicht ganz der alte und versucht ganz verwirrt, diese Auflösung in seinen 1680 x 1050 darzustellen. Alles wirkt reichlich gestaucht, hm. So kann man nur schlecht arbeiten.

Vista läßt sich allerdings partout nicht von seiner Überzeugung abbringen. ICH HABE EINEN NEUEN MONITOR, Microsoft lo vult! Nun gut. Ich schalte also vorläufig in den kleineren Modus 1440 x 900, der wenigstens dasselbe Seitenverhältnis wie mein eigentlicher Modus hat. Aber glücklich bin ich damit nicht. Wenigstens verspricht eine kurze Google-Recherche Erleichterung: Das Problem ist bekannt, offenbar haben viele Vista-Opfer denselben Ärger. Man müsse allerdings nur ein paar Tage warten, oft erkenne Vista den Monitor dann wieder richtig. Und tatsächlich! Inzwischen ist auch Vista wieder davon überzeugt, daß ich den Monitor habe, den ich habe.

Wo wir schon bei Technik sind: Ich hatte mir kürzlich einen neuen Drucker gekauft, einen Canon Pixma MP260. Natürlich ein Billiggerät, aber es genügt meinen Ansprüchen vollkommen. Stutzig machte mich allerdings schon beim Auspacken eine Funktion, auf die Canon ganz stolz sogar auf dem Gehäuse hinweist - "Quick Start". Alte IT-Hasen ahnen schon, was das bedeutet. Richtig: Der Druckerstart nimmt rund 5x mehr Zeit in Anspruch als bei meinem allerersten Drucker (gekauft 1992/93).

Recht zufrieden bin ich allerdings mit meinem Mini-Notebook Akoya E1210 von Medion, das seit einiger Zeit als Medienserver seinen Dienst verrichtet. Natürlich merkt man auch hier in Details, daß Spezialisten am Werk waren, die offenbar noch nie mit einem Computer gearbeitet haben. Die prominente Tastenposition ganz links unten ist beim E1210 mit der Fn-Taste belegt, die man nur ganz selten braucht. Viel sinnvoller wäre natürlich die STRG-Taste.

Bild: Fruggo

Mittwoch, 4. März 2009

Louis wird gesiezt

Konfusion im Käfig. Louis (bekanntlich aus altem Gelbadel) leidet seit einiger Zeit an unerklärlicher Federbrüchigkeit, wir fahren also zum Tierarzt. Im Wartezimmer vor uns: zwei Hunde, eine Katze und eine Dame in Pelz. Doch Louis ist Privatpatient und wird von Frau Doktor natürlich mit dem größten Vergnügen bevorzugt behandelt. Wenn es um soziale Distinktion geht, ähneln sich Mensch und Tier. Die Oberklassensolidarität funktioniert - beruhigend.

Im kleinen Behandlungsraum dann die Jahrhundertdiagnose: Louis ist eigentlich eine Dame! Wir sind erschüttert. Er ist eine Sie? Doch sie trägt die Nachricht mit jener stoischen Gelassenheit, die wir schon immer an ihm geschätzt haben. Sie steht ihren Mann, immerhin ist es ja ausnahmsweise wirklich mal ein change we can believe in! Hugo hingegen reagiert wie ein überforderter Vater und braucht erst mal 'n Korn.

Ob Louis nun Katholik bleiben kann?

Freitag, 27. Februar 2009

Nuke it

Wenn man früher einen Atomkrieg plante, war man oft monate-, wenn nicht jahrelang mit den Vorbereitungen beschäftigt. Heute kann einem das Internet dabei viel Arbeit abnehmen. So bleibt auch einem General der strategischen Atomstreitkräfte mehr Zeit für die Familie.

Mittwoch, 25. Februar 2009

Ein Zwanziger gegen Zwanziger

Der Journalist Jens Weinreich muß sich seit einiger Zeit gegen den Deutschen Fußballbund und dessen Präsidenten wehren, die ihn nach allen Regeln der juristischen Prozeßkunst piesacken ihm eine Meinungsäußerung untersagen lassen wollten (hier die Hintergründe). Eine ganz widerliche Sache, besonders für einen Verein, der immer noch als gemeinnützig gilt.

Nun hat Jens Weinreich einen Spendenaufruf gestartet, weil sein finanzielles Risiko allmählich unüberschaubar wird.

Dienstag, 24. Februar 2009

Mistelmist

Das öffentlich-rechtliche Qualitätsfernsehen hatte im September 2005 einschneidende Maßnahmen gegen Schleichwerbung im eigenen Programm beschlossen. Seitdem hat illegale Werbung bei ARD & ZDF Gott sei Dank nicht mehr die geringste Chance.

Daß jetzt in der Qualitätsserie Sturm der Liebe auffällige Hinweise zu einer Gagakrebstherapie anthroposophischen Misteltherapie auftauchen, ist also reiner Zufall.

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Donnerstag, 19. Februar 2009

Butterschutz

Juhu, die F.A.Z. wärmt die herrliche Milchpreisdiskussion wieder auf! Diesmal erscheint sie allerdings im knusprigen Buttermantel. Redakteur Reinhardt Wandter sehnt sich nämlich in die 50er Jahre zurück, als das halbe Pfund Butter noch zum "wahren Wert" verkauft wurde, was immer das auch sein mag. Zum Schluß dann ein Satz, der selbst für das F.A.Z.-Feuilleton bemerkenswert unsinnig ist: "Der Butterpreis ist ein Maß für die Evolutionsstufe der Gesellschaft". Wow!

In seinem Lebensmittel-Blog Mahlzeit schlägt Stefan Jacobasch eine interessante Interpretation dieses erstaunlichen Artikels vor: Möglicherweise stünde Butter hier allegorisch für den Journalismus, insbesondere die gedruckte Zeitung. Butter und Zeitung seien "... mit einer Menge Arbeit verbunden, jedoch dem stetigen Preisverfall ausgeliefert".

In einem Punkt unterscheiden sich Butter und Journalismus allerdings kategorisch: Butter wird geschmiert, Journalismus niemals. Wirtschaftliche Einflußnahme auf Zeitungen ist unter allen Umständen undenkbar. Noch nie vorgekommen und in der ganzen Branche geächtet!

Übrigens, am 26. Februar erscheint die nächste F.A.Z.-Beilage. Sie heißt ITK 2009 und stellt Services und Lösungen der IT-Branche vor.

(Bild: Wikipedia)

Montag, 16. Februar 2009

Wer nicht wackt, der nicht gewinnt

Nach einem Jahr Pause schaffen wir es endlich wieder zum Salon des Vins in Strasbourg, der Leistungsschau der unabhängigen Winzer Frankreichs. Diesmal wollen wir zwei Anfängerfehler von 2007 nicht begehen: a) Völlig unsystematisch durch die riesige Halle irren. b) Zu spät beim Stand von Martin-Faudot erscheinen und keinen der feinen Savagnin-Weine mehr ergattern.

Hervorragend vorbereitet treffen wir auf dem Messegelände Wacken ein. Um der Halle Herr zu werden, gehen wir diesmal äußerst systematisch vor. Ich hatte überlegt, nur Stände mit einer Primzahl anzusteuern, aber Günther schlägt eine andere Methode vor: nur 51er-Stände! Eine goldrichtige und hochrationale Wahl, wie sich später zeigt.

Denn ganz in der Nähe von C51 stolpern wir durch einen intelligenten Regelverstoß über C40, den Stand des Châteaus La Renaudie in der Nähe von Bergerac. Irgendwie gelingt es der Patronin Mme Allamagny, uns auf Französisch die Besonderheit der Renaudie-Weine zu erläutern: vier Rebsorten in einer assemblage! Wir schlagen sofort zu - bei 9,50 Euro pro Fläschchen bleibt einem aber auch nichts anderes übrig.

Natürlich schauen wir auch bei unseren Freunden vom Château Puy Bardens (E93) vorbei und füllen unsere arg gebeutelten Vorräte auf. Die kräuterige, aber nicht krautige Cuvée Prestige kostet dank Wirtschaftskrise nur wenig mehr als 2007 (8,80 Euro) und gefällt uns immer noch viel besser als die doppelt so teuren Weine vom Schwesterweingut Château La Haye.

Auch für Heiterkeit ist zwischendurch gesorgt, unter anderem durch Gerard Weinzorn (sic!) aus Niedermorschwihr (sic!). Onomastiker, en avant!

Donnerstag, 12. Februar 2009

Wunderhübsches Karlsruhe

Karlsruhe ist eine Oase des bürgerlichen Wohlstands. Die gesunde Wirtschaftsstruktur, ein vielfältiges kulturelles Angebot, herrliche Architektur und ordnungsliebende Einwohner machen die badische Metropole zu einer deutschen Vorzeigestadt.
Im Bild: Idyllische Februar-Impressionen aus dem Stadtteil Rintheimer Feld.

Mittwoch, 11. Februar 2009

Wilhelm III

Wie gibt man unserem neuen Wirtschaftsminister einen neuen Namen, zum Beispiel Wilhelm? Ganz einfach! Erstens: Man manipuliert seinen Wikipedia-Eintrag. Zweitens: Man wartet, bis renommierte Medien sich in ihrer Berichterstattung auf eben diesen Eintrag berufen - eine todsichere Sache, da kein Journalist heutzutage noch die Zeit zu eigener Recherche hat. Und drittens: Man schaut genüßlich zu, wie sich kurze Zeit später die fleißigen Wikipedia-Autoren auf die renommierten Medien berufen. Die Folgerung aus dieser herrlichen Posse kann nur lauten, immer kritisch gegenüber den Medien zu sein, insbesondere gegenüber den medienkritischen.

Strengste Neutralität ist heutzutage eben unerläßlich. Vor allem wenn es um die eigene Neutralität geht.

Mehr Kapitalismus wagen

In einem interessanten F.A.Z.-Interview vertritt Robert Shiller eine Position, die momentan bestimmt nicht zu den populärsten gehört: Man solle die Finanzmärkte ausweiten, nicht stutzen.

Natürlich wird im Artikel wieder einmal darauf hingewiesen, daß die Wirtschaftswissenschaften einer irrigen Annahme folgten: Menschen handelten nämlich nicht immer rein rational. So wenig Fortschritt es in den Wirtschaftswissenschaften auch geben mag, dieser beliebte Vorwurf ist ja nun wirklich absurd. Oder kann mir jemand auch nur ein einziges Modell zum Beispiel aus der Marketing"wissenschaft" zeigen, das von einem rationalen Konsumenten ausgeht?

Dienstag, 10. Februar 2009

Es ist ein Franke!

Da steckt man mitten in der schlimmsten Wirtschaftskrise seit 1929, und wonach wählen die Bauernparteien ihren neuen Wirtschaftsminister aus? Nach dem Regionalproporz der CSU-Bundestagsfraktion. So schlimm kann es ums Land doch gar nicht bestellt sein.

Mittwoch, 4. Februar 2009

Weise Worte (3)

"Die Basis ist die Grundlage des Fundaments."

Henryk M. Broder über einen Satz F.-W. Steinmeiers

Schlag-Sahne (2)

Schlagzeugabend der Klasse Prof. Nakamura. Der Genuit-Saal ist überraschend gut besucht, obwohl es ja nicht direkt um Unterhaltungsmusik geht. Der erste Höhepunkt ist das Solo-Stück Kim von Askell Masson, das zur Überraschung des Publikums schon außerhalb des Konzertsaals beginnt. Drinnen fabriziert Ayumi Kikumoto dann einige der erstaunlichsten Crescendos, die ich jemals gehört habe. Schon verblüffend, was man mit einem Stück Holz, etwas Fell und zwei Schlegeln anstellen kann.

Etwas später spielt Keita Maeda die Rebonds B von Xenakis, die in der Musikhochschule vor einem Jahr schon einmal aufgeführt wurden. Diesmal wirkt das Stück eine Spur filigraner, wenn man das bei dieser harten Komposition überhaupt sagen kann. Xenakis in allen Ehren, aber der beliebteste Handy-Klingelton der Weltjugend wird aus den Rebonds wohl nicht mehr.

Sehr gut gefällt uns auch das Marimba Quartett von Daniel Levitan. Zu Beginn fragen wir uns noch, ob man den melodischen Eindruck nicht auch mit einem einzigen Marimbaphon hinbekäme, doch im Laufe des Stückes wird die Logik der Mehrstimmigkeit klarer. Gegen Ende hin wird es sogar richtig pop-folklorig.

Montag, 2. Februar 2009

Wir sind zwei Berliner

Wieder einmal geht es übers Wochenende nach Berlin. Wieder einmal entführt uns Michael gleich am ersten Tag in ein Restaurant. Und wieder einmal sind wir sehr angetan: Das Pan Asia in den Hackeschen Höfen steht ja in Berlin unter schärfstem Schickimicki-Verdacht, bleibt aber auf uns Provinzler nicht ohne Eindruck. International angehauchte asiatische Küche, und dann auch noch ohne Glutamat - man stelle sich das in Karlsruhe vor!

Samstag machen wir uns dann in aller Frühe (11 Uhr) auf den Weg in die Deutsche Kinemathek, um die Loriot-Hommage anzuschauen. Die Ausstellungsräume sind voller Besucher, die vor Bildschirmen, Zeichnungen oder Textauszügen stehen und fortwährend kichern. Wir staunen selbst über uns, daß wir die Sketche nach Jahrzehnten immer noch so witzig finden wie am ersten Tag. Die Hitchock-Schau in der Kinemathek überzeugt uns allerdings weniger, was soll denn hier überhaupt das Ausstellungsprinzip sein?

Nach einem Käffchen mit Hildebrand, der sich zufälligerweise zu Gesprächen in Berlin aufhält und uns Videos mit Supergrobi und Graf Zahl empfiehlt, trennen sich unsere Wege. Anke trifft sich mit Freunden zum Essen, ich ziehe in den Krieg: Die langgeplante Friedrich-Partie steht an! Martin spielt Preußen, Volker Schweden, Rußland und Frankreich, ich Österreich und die Reichsarmee. In bester habsburgischer Tradition schicke ich meine Generäle nach Schlesien und kündige dem Alten Fritz härteste Schläge an, muß aber ausgerechnet rund um Königgrätz fürchterliche Niederlagen einstecken. Am Ende bricht Preußen allerdings mit seiner Tradition und kapituliert. Grabesruhe ist erste Bürgerpflicht!

Sonntag schauen wir uns noch das Trivialste an, das Berlin derzeit zu bieten hat, die Koonswerke in der Neuen Nationalgalerie. Später schlendern wir am Kunstmarkt an der Museumsinsel entlang und wundern uns über die vielen leeren Verkaufstische. Ist (gar) keine Kunst am Ende die wahre Kunst?

Mittwoch, 28. Januar 2009

Milchmerkelrechnung

Angela Merkel ist stolz. Der Erblastentilgungsfonds (also die Lasten aus der Wiedervereinigung) sei endlich getilgt, juhu! Das wäre eine tolle Nachricht, wenn sie nicht Quatsch wäre. Denn von den ursprünglich 170 Mrd. Euro sind noch nicht einmal 80 Mrd. Euro wirklich getilgt worden, den Rest haben unsere klugen Finanzpolitiker einfach in den normalen Bundeshaushalt überführt, wie Steinbrück jetzt kleinlaut zugeben mußte.

Was ist denn das nun? Einfach nur Unvermögen? Oder die arrogante Überzeugung, daß der Bürger ohnehin nicht begreift, was die Politiker anstellen?

Dienstag, 27. Januar 2009

Bunter Abend in Schloß Gottesaue

Klavier- und Kammermusikabend in der Musikhochschule. Gegeben wird ein buntes Programm von Beethoven über Skrjabin und Hindemith zu Barber. Wunderbar die sehr blumige, farbenreiche Darstellung von Ravels Jeux d'eau durch Carlota Amado. Ich staune immer wieder, wie souverän diese jungen Musiker ihre Instrumente beherrschen. Und das auch bei nicht ganz einfachen Stücken. Wahrscheinlich ist heute jeder 12jährige Musikschüler virtuoser als Heinrich Wilhelm Ernst zu seinen besten Zeiten.

Tzuji Chen tappt bei Samuel Barbers Klaviersonate op. 26 anfangs in die Beethoven-Falle, bringt dann aber ab dem Adagio mesto eine beeindruckende Leistung. Der ganze Genuit-Saal ist wie paralysiert, und am Ende gibt es zum zweiten Mal innerhalb von sieben Tagen fachlich korrekten Beifall.

Montag, 26. Januar 2009

Fangprämie

Wann muß man zahlen, vor oder nach dem Diebstahl?

(gesehen in Metzingen)