Donnerstag, 14. Dezember 2006

Hauptmann der Entwicklung

Mit Computern hat man heute ja praktisch in jedem Beruf zu tun. "Leider", sagen die einen; "bedauerlicherweise", die anderen. Martin (hier mit einem Mitarbeiter) geht das Thema etwas grundsätzlicher an: Er benutzt die Maschinchen, um Roboter für die Armeen dieser Welt zu programmieren. Das klingt nach einer außergewöhnlichen Aufgabe, und das ist sie auch. Glücklicherweise ist selbst Martins Job fest in der Realität verankert. Ab und zu tauchen nämlich auch in dieser Branche Phänomene auf, die stark an das Verhalten von Führungskräften in ganz normalen Wirtschaftsbereichen erinnern.

Mittwoch, 13. Dezember 2006

1&1 macht null

Es ist gar nicht so einfach, bei einem führenden deutschen Anbieter - nennen wir ihn "NULL" - einen neuen DSL-Anschluß zu bestellen. Ich versuche das schon seit einigen Wochen. Doch der Reihe nach:

  1. Ich bin schon eine ganze Weile DSL-Kunde bei NULL, finde seit einiger Zeit mein DSL 1000 aber etwas zu langsam, vor allem beim Verschicken von Daten. Glücklicherweise bietet NULL gerade einen günstigen neuen DSL-Tarif mit bis zu 16.000 kbit/s an, nennen wir ihn 0DSL. Prima! Das Ding ist bestellt.
  2. Wenige Tage später bekomme ich Post von NULL, nämlich ein PDF mit einem Wechselantrag, den ich meinem alten Provider faxen soll. Moment mal! Ich bin doch bereits NULL-Kunde. Soll ich NULL also mitteilen, daß ich von NULL zu NULL wechsele? Höchst merkwürdig. Das sollten die doch selbst wissen? Aber ich füge mich und faxe. Gleichzeitig schicke ich den Leuten aber eine Mail, in der ich nach dem Sinn der ganzen Veranstaltung frage.
  3. Einige Zeit gibt es keinen Kontakt mehr zu NULL. Dann geht es Schlag auf Schlag. Im Briefkasten liegt ein weiteres Wechselformular zum Faxen, außerdem bekomme ich endlich Antwort auf meine E-Mail. Meine Frage, warum ich NULL per Fax von meinem Wechsel von NULL zu NULL informieren soll, wird klar und deutlich beantwortet: "Bitte lassen Sie uns die Ihnen übermittelte Anlage zur weiteren Bearbeitung Ihres Auftrages zukommen".
  4. Ich schicke eine weitere E-Mail an NULL, in der ich frage, warum ich ihnen die Anlage zur Bearbeitung zukommen lassen soll, wo ich sie ihnen doch schon längst zur Bearbeitung zukommen lassen habe.
  5. Nur einen(!) Tag spät liegt eine Entschuldigungsnachricht im Posteingang. Man versichert mir, daß man mit Hochdruck daran sei, "diese Problematik bzw. Verzögerungen zu klären". Juhu!
  6. Eine Woche Schweigen. Dann erhalte ich wieder eine E-Mail von NULL. Man bietet mir an, auf 0DSL umzusteigen - und zwar zu besonders günstigen Konditionen, da man die Erhöhung der Mehrwertsteuer für mich übernähme. Das Angebot ist sehr freundlich, teile ich per E-Mail mit, ob es auch für mich gültig ist?
  7. Die Antwort von NULL kommt wenig später und ist deutlich: "Das Angebot kommt für Sie leider nicht mehr in Frage, da Sie sich schon für 0DSL entschieden haben". So ein Mist, NULL hat recht!
  8. Wochenlanges Schweigen.
  9. Endlich erhalte ich wieder einen Anruf! Diesmal kommt er allerdings von der Firma WEPPPP.DE, die vor einiger Zeit von NULL übernommen worden ist. Der freundliche Mitarbeiter möchte wissen, ob ich mit meinem alten Internetzugang zufrieden sei. Man habe da einen sehr attraktiven Tarif der Schwesterfirma NULL im Angebot ...
  10. Ich erkläre ihm, daß ich seit Wochen auf nichts sehnlicher als eben diesen Tarif warte. Er möchte wissen, warum er das nicht wisse. Ich könnte es ihm sogar verraten: NULL Organisation.
  11. Einen Tag später wieder eine Entschuldigungsmail von NULL. Man teilt mir (un-)sinngemäß mit, daß 0DSL bei mir zwar verfügbar, aber irgendwie eben auch nicht verfügbar sei. Sie bräuchten noch 1-2 Wochen ...
Ich bleibe dran!

Alle Jahre wieder

... lädt Günther zu seiner legendären Feuerzangenbowle ein. Die tragende Säule der vergnüglichen Abende ist ein nun schon fast 40 Jahre altes Familienrezept, das im Laufe der Zeit immer wieder verfeinert worden ist. Mitunter mußten dabei Notlösungen gefunden werden. So verschwand vor einigen Jahren der Basiswein vom Markt. In aufwendigen Verkostungsrunden *hicks* entwickelte der Hausherr daraufhin eine Cuvée aus einem portugiesischen, einem ungarischen und einem badischen Wein, die dem ursprünglichen Geschmacksideal recht nahe kommt.

Die Feuerzangenbowle verfehlt nicht ihre Wirkung. Unter dem Einfluß des belebenden Getränks beschäftigt sich die Runde schon bald mit den wichtigen Dingen des Lebens: Christine und Birgit diskutieren vor allem die Herstellung, Stefan eher den Verzehr von Adventsplätzchen; Andrea und Fred beklagen sich über das Strafzettelunwesen in Karlsruhe, und Banken(!)rechtlerin Cornelia würdigt das Ganze aus straf- und zivilrechtlicher Perspektive.

Gerade bei geselligen Abenden ist es allerdings wichtig, bisweilen an das Pflichtbewußtsein der Teilnehmer zu appellieren. Oder um es mit dem seligen Gadamer zu sagen: Jeder tut, was er kann. Ich übernehme also im vollen Bewußtsein der verantwortungsvollen Aufgabe den Streichholz- und Zuckerhut-Entzündungsdienst.

Dienstag, 12. Dezember 2006

Juhu!

Ganz überraschend gewinne ich mein erstes halbwegs ernstzunehmendes Go-Turnier auf Little Golem. Zugegeben, die Mitspieler waren nicht unbedingt Go-Profis. Und das Turnier fand auch bloß auf dem kleinen Brett (9x9) statt. Dennoch stelle ich stolz fest: ein kleiner Schritt für mich, aber immerhin ein noch viel kleinerer Schritt für die Menschheit!

Eine sehr gute Einführung in Go findet sich übrigens in Sensei's Library. Wer erst mal mit einem Computergegner trainieren möchte, sollte GoKnot ausprobieren.

Montag, 11. Dezember 2006

Heidegger-Variationen

Mich zieht es schon wieder in den Jazzclub, heute zu einem Konzert des Jürgen Seefelder Quartetts. Als die Musiker die Bühne betreten, werde ich stutzig. Jazzern ist ja praktisch alles zuzutrauen, aber seit wann besteht ein Quartett denn aus fünf Personen? Rasch werde ich darüber aufgeklärt, daß alles seine Richtigkeit hat: Die Trompeterin Ingrid Jensen gehört gar nicht richtig dazu, sondern ist lediglich Stargast des Abends.

Die meisten Zuhörer scheinen aber eigens wegen ihr gekommen zu sein. Vielleicht liegt es an meinem Hefeweizen, jedenfalls gehen mir plötzlich einige merkwürdige Assoziationen durch den Kopf. Ingrid Jensen ist eigentlich der Star des Abends, gehört aber eigentlich nicht zur Band. Man könnte auch sagen: Das Eigentliche ist das Uneigentliche. So lande ich aus heiterem Himmel und völlig unverschuldet bei Heidegger.

Später erfahre ich, daß ich mich verlesen hatte. Die Band heißt tatsächlich Jürgen Seefelder Quintett, die Dame ist sehr wohl Mitglied der Formation. Es gibt gar nichts Uneigentliches im Eigentlichen. Und dann wird mir bewußt: Das ist ja sogar noch heideggerscher! Wie man es auch dreht und wendet - man kommt an dem alten Scherzkeks nicht vorbei. Je weniger man von Heidegger versteht, desto besser begreift man ihn. Oder umgekehrt?

In der Pause noch eine schöne Überraschung: Die Klumpps sind auch mal wieder da.

Holland, du hast es besser

Mißmanagement ist keine Frage der Erfolglosigkeit. Die holländische Unternehmensberaterin Yolande Wildschut hat es sogar geschafft, damit Arbeitsplätze zu schaffen. Respekt!

Donnerstag, 7. Dezember 2006

Die Berserker

Karlsruhe ist die Stadt der Superlative. Vor einigen Jahren stand zum Beispiel wochenlang das größte Lebkuchenhaus der Welt auf dem Ludwigsplatz. Der Welt! Ich staune noch heute.

Spitzenleistungen am (aber nicht: vom) laufenden Band gibt es auch im örtlichen Jazzclub. Heute trat wieder mal das Schlippenbach Trio im Jazzclub auf, laut King die - natürlich - weltweit führende Freejazz-Formation. Entsprechend andächtig lauschte das Publikum den, hüstel, Melodien der drei Berserker.

Radikaler Freejazz, Junge ... Weißt ja, was das heißt! Im Grunde nur zweierlei. Erstens: Die Musiker wissen und verabreden vorher nicht, was sie spielen werden. Und zweitens: Während des Konzerts richtet jeder Musiker sein Spiel permanent an dem der anderen aus. Weitere Regeln gibt es nicht. Bei wenig erfahrenen Bands kommt dann etwas heraus, was entfernt an Grießbrei erinnert. Bei richtig guten Leuten hingegen entsteht ein abwechslungsreicher Klangteppich, der nie langweilig wird.

Alexander von Schlippenbach und seine beiden Jungs schaffen sogar noch mehr. In ihren ruhigeren Phasen klingen sie wie ein sterbender Dinosaurier. Wenn sie aber aufdrehen, muß jede Beschreibung versagen. Der wahnsinnigste der drei Musiker ist wohl eindeutig Paul Lovens. Und dabei verhält er sich hier noch relativ normal. Ganz im Gegensatz zu seinen Auftritten mit Eugene Chadbourne ...

Also, wer mal die Chance hat, das Schlippenbach Trio live zu sehen: Zähne zusammenbeißen und durchhalten! Es lohnt sich.

Mittwoch, 6. Dezember 2006

Lebkuchenherzen schlagen höher

Dada-Lesung im Tollhaus. Der Ingeborg-Bachmann-Preisträger Franzobel trägt Gediche und kleine Erzählungen vor und wird dabei vom Posaunisten Bertl Mütter ... nun ja ... unterstützt? Behindert? Ignoriert? Der Zusammenhang zwischen Text und, äh, "Musik" bleibt den ganzen Abend lang einigermaßen unklar. Mir jedenfalls.

Viele Besucher scheinen aber riesigen Spaß zu haben. Vielleicht liegt es an Passagen wie dieser hier: "Tief vom Draußen komm ich her, ich muß euch sagen, es chtet sehr. Es chtet. Es chtet. Chtet".

Wenigstens gibt es im Tollhaus einen ganz passablen Rotwein.

Dienstag, 5. Dezember 2006

Promovieren, bis der Doktor kommt

Im Posteingang finde ich eine überraschende E-Mail: Die beste Doktormutter von allen möchte wissen, wie das große Werk vorankommt. "Wie"? "Ob" wäre wohl das passendere Wort. Ich beichte also, daß ich die letzten anderthalb Jahre mit anderen Späßen zugebraucht habe, und gelobe kleinlaut Besserung.

Food Psychology

Anne schickt mir einen Artikel, der die Grundfesten der Ernährungswissenschaft erschüttern könnte. Ein belgischer Spitzenforscher hat herausgefunden, daß Vegetarier im Gegensatz zu Nicht-Vegetariern kein Fleisch mögen. Die Nachricht schlägt ein wie ein Blitz. Womöglich enthüllen pfiffige Psychologen demnächst noch, daß Polizisten einen anderen Beruf ausüben als Bäcker? Wir alle dürfen gespannt sein!

Die Episode erinnert mich jedenfalls wieder an den alten Satz Carl-Friedrich von Weizsäckers - Achtung, jetzt wird es etwas sperrig: "Unter dem Einfluß der Naturwissenschaft hat die Forschung in Trivialbereichen, die dort unentbehrlich für den Fortschritt ist, für die Geisteswissenschaft ... ein ungebührliches Gewicht bekommen. Die Folge ist, daß die junge Generation ... diese Forschungsresultate so belangreich nicht finden kann und daß sie das Kind der Geisteswissenschaft mit dem Bade ihrer Forschungsergebnisse ausschüttet. Eine Heilung dieser Leiden verspreche ich mir ... nicht".

Offenbar lag der alte Knabe damals gar nicht so falsch.

Montag, 4. Dezember 2006

Neues aus Babylon

Bekanntlich sind die EU-Bürokraten für fast jeden unsinnigen Scherz zu haben. Daß über die Gesundheit der Europäer aber ausgerechnet der Tod wacht, dürfte selbst hartgesottenen Spaßvögeln zu weit gehen.

Wo wir schon bei billigen Wortwitzen sind: Was halten englischsprachige Menschen wohl von der schönen Stadt Worms?

Sonntag, 3. Dezember 2006

Schein oder nicht Schein, das ist hier die Frage

Was hat der Zinker nicht schon alles gefälscht! Arzneimittel, Parteien, Werbeanzeigen, CD-Cover, Titanic-Titelbilder. Nun also eine ganze Universität! Ich warte fieberhaft auf den Tag, an dem herauskommt, daß er selbst nichts als ein großer Schwindel ist. Wie schon Rosa Luxemburg nicht sagte: "Existenz ist immer die Existenz der anderen".

Wein, Werbung und Gesang

Das Schöne an der Werbebranche ist, daß sie so locker und entspannt daherkommt. So genügt es zum Beispiel vollkommen, wenn man sonntags erst gegen 10.30 Uhr mit der Arbeit beginnt. Zwischendurch kann man sogar einmal für 1-2 Stunden das Haus verlassen, um einen kleinen Sonntagsspaziergang zu unternehmen und Kraft für die zweite Halbzeit zu tanken. Juhu!

Samstag, 2. Dezember 2006

Komplexität

Komplexität hat ein Imageproblem: Sie wird oft unterschätzt. Dabei haben Millionen Grafiker in aller Welt tagein, tagaus nichts anderes zu tun, als unübersichtliche Datenmengen übersichtlich aufzubereiten. Leider klappt das nicht immer, wie dieses schöne Webprojekt verdeutlicht. Übrigens gibt es auch von Gerhard Henschel ein schönes Buch zum Thema.

Freitag, 1. Dezember 2006

Tom in KA

Hoher Besuch aus Hamburg: Mein Chef reist an, um in Karlsruhe nach dem Rechten zu sehen. Natürlich hat er sein neuestes Spielzeug mitgebracht, ein MacBook Pro. Es ist hübsch, praktisch und schnell. Nun bin ich nicht unbedingt ein Apple-Fan. Wäre die Firma eine Diktatur, gehörte ich wohl zu den Regimegegnern - immerhin habe ich jahrelang unter dem System gelitten. Inzwischen scheint Mac OS aber tatsächlich zum großen Konkurrenten aufgeschlossen zu haben. Es gibt weiterhin keinen überzeugenden Grund für den Wechsel, aber immerhin auch keinen mehr dagegen. Wenn mir Tom eines Tages eine Gehaltserhöhung spendiert, schlage ich vielleicht sogar zu.

Die zwei Tage vergehen wie im Flug. Wir nehmen alles mit, was Karlsruhe zu bieten hat: ein Mittagessen mit Geli in der Postgalerie, zwei halbe Hähnchen in der Gockelburg, dazwischen noch eine Mini-Weinprobe im Weinforum, bei der wir einen tollen (aber leider nicht ganz billigen) Franzosen aufstöbern. Abends schleppt uns Hildebrand auf eine Party von New-Economy-Überlebenden in Ettlingen: Der ehemalige WEB.DE-Marketingchef feiert seinen Abschied und hat lauter Menschen eingeladen, die dabeiwaren, unter anderem die lustigsten Leute von 1&1 und ComBOTS. Wir verzichten großzügig bzw. dummerweise auf Akquisegespräche, trinken brav unsere Red Bulls und ziehen dann weiter auf ein Konzert von tok tok tok. Diese Freiburger Band spielt leichten Soul mit einer Prise Jazz, und Tom kauft sogar eine CD. Mir gefällt besonders der Keyboarder. Er scheint in den 70er Jahren hängengeblieben zu sein und erinnert in einigen Passagen an Rick Wright.

Am nächsten Tag treffen wir noch Lena, unsere Elitestudentin. Sie kommt gerade vom Flughafen München, wo sie sich mit der dortigen Logistik beschäftigt hat. Wir staunen und beschließen, im nächsten Leben auch an der Uni Karlsruhe zu studieren.