Donnerstag, 28. Januar 2010

Filme aus diesem Metier

Aus einer Amazon-Rezension der Verfilmung von The Importance of Being Earnest:

"Aufgrund der hochkarätigen Besetzung habe ich mehr von diesem Film erwartet. Nur mit Mühe habe ich ihn zu Ende gesehen, dabei bin ich ein großer Jane-Austen-Fan und liebe Filme aus diesem Metier. Diesen allerdings kann man sich gut schenken. Pure Zeitverschwendung."

Mittwoch, 27. Januar 2010

Das Akademische Quartett

Der Weltverbesserungsclub tagt in Karlsruhe. Schon bei der Anfahrt der Berliner Mitglieder gibt es Diskussionsbedarf, Martin schickt nämlich eine ETA per SMS. Entweder fährt er also extrem selten Bahn, oder er steht ihr außerordentlich wohlwollend gegenüber. Doch rätselhafterweise kommen die beiden überaus pünktlich an. Der Spaß kann beginnen!

Nach den üblichen theoretischen Erörterungen praktisch völlig unerheblicher  Fragen wagen wir uns an das Kartenspiel Keltis, eine Bearbeitung des Klassikers Lost Cities. Erwartungsgemäß spielt uns Lost-Cities-Weltrekordhalter Bernhard munter in Grund und Boden. Später kommt das Gespräch auf Grundsätze, die man unbedingt einhalten sollte, wenn man einen Atomkrieg führen und nicht als Hauptverlierer vom Platz gehen möchte. An der Trainingssoftware DEFCON gefällt mir ja vor allem folgende herrlich zurückhaltende Bildunterschrift: Europe gravely miscalculates the strength of their alliance. Am Abend stößt Presseattaché Frank dazu, und wir fahren ins 3 Mohren nach Kandel. Wie immer werden mit exklusivster Ausrüstung fotografische Dokumente der gebratenen Gockel angefertigt, wahrscheinlich zum Verblüffen der anderen Gäste.

Sonntag früh treffen wir uns zur Lagebesprechung im Cielo. Aus unbekannten Gründen beginnen Martin und Frank trotz des guten Milchkaffees eine leidenschaftliche Diskussion der Lage der deutschen Sprache. Martin hält klare Sprachregeln für unbedingt nötig, Frank für unbedingt überflüssig, und Bernhard vertritt wegen der großen Bedeutung der Fragestellung vehement beide Positionen. Ich hingegen bin wie immer neutral, selbst gegenüber meiner Neutralität.

Am späten Nachmittag gewinnt allmählich ein ungeheurer Gedanke an Gestalt: noch ein zweites Mal Hähnchenfuttern in der Pfalz? Wegen großen Hungers fragen wir vorab telefonisch an, wie lange wir wohl auf unsere Gockel warten müssen: "20 Minuten!" Und tatsächlich: Nur rund 50 Minuten nach unserer Ankunft im 3 Mohren stehen die Teller auf dem Tisch. Dafür verrät man uns aber zum Abschied, daß der Rekord bei neun(!) halben Hähnchen für einen einzigen Gast liegt.

Dienstag, 26. Januar 2010

Aufgelesen (16)

"Der Vorsitzende Mao fragte sie: 'Wie heißt Du?' Sie antwortete: 'Song Bin-bin.' Der Vorsitzende Mao fragte: 'Ist es das 'Bin' wie in 'Wohlerzogen und Sanft [sic!]'? Sie sagte: 'Ja.' Der Vorsitzende Mao sagte: 'Sei gewalttätig!' Song Bin-bin änderte ihren Namen daraufhin in 'Sei gewalttätig', und ihre Schule erhielt den Namen 'Die Rote [sic!] gewalttätige Schule'."

Jung Chang & Jon Halliday, Mao

Donnerstag, 21. Januar 2010

Es lebe der König

Johann König tritt mit seinem Programm Total Bock auf Remmi Demmi in der Badnerlandhalle auf und macht fast zweieinhalb Stunden lang gute Witze. Eine tragische Miniatur wird unvergessen bleiben:

Ich sense durch das Gras. Aus Spaß.
Ein Frosch verweilt – zerteilt.

Mittwoch, 30. Dezember 2009

Nach der Krise ist vor der Krise

Rund 70 Prozent der giftigen Wertpapiere in Deutschland sind im Zuge der Finanzkrise in die Hände staatlich kontrollierter Banken gelangt. Wer dafür nun nicht die Staatsbanker verantwortlicht macht, sondern die Privatbanken, denkt ein bißchen wie unsere streng sachorientierten Politiker.

Die knöpfen sich jetzt nämlich nicht so schnell wie möglich LBBW & Co. vor, sondern verschärfen erst einmal die Regeln für Bankberater. Durch das neue Wertpapierhandelsgesetz werden Banken ihren Kunden künftig vor allem Anlagen mit deutlich geringeren Risiken empfehlen. Dies hat natürlich den Nebeneffekt, daß Normalkunden in Zukunft wahrscheinlich tendenziell kleinere Renditen einfahren werden, was langfristig das Potential für steigende soziale Ungleichheit birgt. Was man dann wieder bequem dem fiesen Kapitalismus in die Schuhe schieben kann. Juhu!

Dienstag, 22. Dezember 2009

Bericht aus dem Exil

Wer ins Exil muß, sollte in die Schweiz gehen – das hat sich inzwischen ja herumgesprochen. Was aber deutlich weniger Menschen wissen: Wer in die Schweiz muß, sollte unbedingt ins Exil gehen! In diesem feinen Zürcher Club spielt nämlich seit einiger Zeit Nik Bärtsch's Ronin. Immer montags, so wie früher im Bazillus Club. Endlich sehen wir ihn also mal wieder live!

Auf der Hinfahrt machen wir zunächst Station im einzigartigen Pratteln, wo wir uns eine ziemlich nahrhafte Quiche gönnen, die im wahrsten Sinne des Wortes Käse ist bzw. überwiegend daraus besteht. Kurze Zeit später kommen wir dann in der kleinsten Global City der Welt an, die von einer Monumentalbaustelle derzeit nur anhand des Ortsschildes unterschieden werden kann.
  
Im Exil erleben wir dann ein fantastisches Ronin-Konzert. Die Musik ist wieder unglaublich druckvoll und trotz der strengen Schematik sehr abwechslungsreich. Bestimmt nicht unser letzter musikalischer Besuch in Zürich!

Samstag, 19. Dezember 2009

Ohren auf, Bohren rein

Die langsamste Band der Welt ist zu Gast in der Stadtmitte: Bohren & der Club of Gore. Gegründet wurde die Band vor Ewigkeiten ja als Heavy-Metal-Kapelle, aber inzwischen haben sie ihr Tempo dermaßen heruntergeschraubt, daß man ihre Geschwindigkeit in Tönen pro Stunde messen sollte.

Auch die Bühnenshow gehört zum Reduziertesten, was ich jemals gesehen habe: Einige vertikale Strahlen beleuchten den Nebel, ab und zu kann man ein Instrument erkennen. Die Musiker jedoch bleiben weitgehend unsichtbar. Dafür haben es die Ansagen in sich: "Nun ein Lied, das verdeutlicht, daß es auch in einem ruinierten Leben Momente unvergleichlicher Schönheit gibt". Dann folgt das Stück "Still am Tresen". Ergriffen lauscht das Publikum dem melancholischen Saxophon. Später folgt noch ein Proteststück, das sich gegen Mütter richtet, die ihre Kinder mit zu großen Fahrzeugen aus der Schule abholen.

Besonders viel Varianz weist die Musik ja wirklich nicht auf, aber das Konzert wird mir Gedächtnis haften bleiben.

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Thomas P. aus K.

"Ich vertrau' dem Internetsiegel ... weil es Sicherheit und Seriösität bietet."

Warum noch ins Kino gehen, wenn es solch herrliche Websites gibt?

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Badische Wandpropaganda

Gesehen (schon vor längerem) in Durlach.

Foodquatsch

Foodwatch hat es mal wieder mit einer wichtigen Meldung ins Boulevardmagazin Spiegel online geschafft. Diesmal haben die Jungs & Mädels um Frontmann Thilo Bode eine erschreckende Offensichtlichkeit enthüllt: Auf den Verpackungen von Lebensmitteln steht genau das, was in den Lebensmitteln drin ist! Wenn also Dr. Oetker behauptet, daß der Kakao in einem Pudding 75 Prozent Schokolade enthält, enthält er genau 75 Prozent Schokolade. Eine ungeuerliche Dreistigkeit der Lebensmittelgiganten!

Foodwatch ist selbstverständlich eine seriöse Verbraucherschutzorganisation, der es keinesfalls um folgende Doppelgleichung geht: mediale Aufmerksamkeit = höhere Spendeneinnahmen = sichere Foodwatch-Arbeitsplätze.

Mittwoch, 9. Dezember 2009

Weise Worte (12)

"In approaching the question of musical understanding, Scruton takes his cue from Wittgenstein. This might seem an odd place to begin, given that Wittgenstein is more famous for emptying things of meaning than for filling them with it."

Guy Dammann in der Times

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Weise Worte (11)

"Ich kann mir durchaus, rein theoretisch, eine wunderbar funktionierende Volkswirtschaft vorstellen, in welcher der Bankensektor sogar völlig in der Hand des Staates ist."

Hans-Olaf "Konsenssoße" Henkel in einem n-tv-Gespräch

Politique banale

Wolfgang Nešković ist rechtspolitischer Sprecher der Linksfraktion im Bundestag. Was daran so Besonderes ist? Absolut gar nichts. Er ist bei den Linken der Mann für die Rechte. Man könnte ihn auch "Links-Rechtsexperte" nennen. Wahrscheinlich ist er recht links, aber links eben irgendwie auch rechts.