Sonntag, 26. August 2007

Trockener Humor

Nach einer kleinen Planschrunde im Grötzinger See wollen Günther und ich noch der Frage nachgehen, welchen Kenntnisstand Binnenfischer heutzutage bei Weinen aufweisen. Zufälligerweise ist gerade Fischerfest im Fischerheim Grötzingen - diese Koinzidenz nutzen wir natürlich sofort aus. Die Versuchsanordnung ist denkbar einfach: Günther wird explizit einen trockenen Müller-Thurgau der Winzergenossenschaft Weingarten bestellen und dann schauen, was passiert.

Und was passiert? Der hochmotivierte Fischer nimmt eine Flasche Müller-Thurgau, füllt das Glas bis einen Zentimeter unter den Rand und gießt dann noch etwas Mineralwasser nach. Soso!

Was machen die wohl, wenn man einen lieblichen Spätburgunder bestellt?

Mehr Licht!

Alle Jahre wieder feiert das Gartenbauamt Karlsruhe das Lichterfest im Stadtgarten, und in diesem Jahr bekomme ich es erstmals zu Gesicht. Das ganze Areal ist prächtig mit Kerzen, Lampions und Lichtfiguren geschmückt, und anfangs haben wir sogar noch genug Platz, um alles anschauen zu können. Im Laufe des Abends wird es aber immer voller - unglaublich, wieviele Menschen das Lichterfest anlockt! Besonders gut gefällt uns eine Arrangement mit Obelisken aus farbigem Stoff, das kurz darauf von spielenden Kindern attackiert wird.

Als später auch noch die Band HeartBeat Golden Oldies aufspielt, scheint plötzlich die Zeit stillzustehen. Und tatsächlich: Auf einem Plakat auf der Bühne feiert man immer noch das zehnjährige Bandjubiläum: "1995 - 2005 10th Anniversary". Diesen erfreulichen Anlaß nutzen wir, um bei einem Kaltgetränk die zahlreichen übergewichtigen Kindern zu beobachten. Woher sie wohl kommen mögen?

Dann machen wir uns auf dem Heimweg, wollen vorher aber noch die hübsch von innen beleuchteten Hecken fotografieren. Bloß wie? Hätte ich doch bloß mein Stativ mitgebracht! Plötzlich fällt mir ein, daß ich durch einen bemerkenswerten Zufall ja ein Exemplar der Gelben Seiten dabeihabe. Das Büchlein kann man prima auf eine Hecke legen und dann vorsichtig die Kamera draufsetzen. Es gibt also Situationen, in denen die Gelben Seiten tatsächlich nützlich sind - wer hätte das gedacht.

Freitag, 24. August 2007

Die Rundfunkbande

Der Gebühreneinzugszentrale (GEZ) gefällt nicht, wie manche Leute über sie berichten. Darum möchte sie entsprechende Berichterstattung einschränken lassen: Den Begriff "GEZ-Gebühr" zum Beispiel gäbe es angeblich gar nicht (Quatsch), also dürfe man ihn auch nicht verwenden (noch größerer Quatsch).

Wieder mal ein trauriges Beispiel dafür, wie wenig sich staatliche Institutionen für Recht und Verfassung interessieren. Die Verantwortlichen für diese Aktion werden natürlich weder entlassen noch überhaupt eine Abmahnung erhalten. Was hingegen würde passieren, wenn sich Unternehmen der Privatwirtschaft so etwas erlaubten?



PS: Die GEZ benutzt den nicht existierenden Begriff "GEZ-Gebühr" übrigens selbst (siehe Titelzeile, Stand: 24. August, 16.48 Uhr).

Mittwoch, 22. August 2007

Filmkultur wird klein geschrieben

Wir probieren das Parkdeckzehn aus, die neue Strandlandschaft auf der obersten Etage des Karstadt-Parkhauses. In lockerer Stimmung und bei einem Grape kommt das Gespräch schließlich auf Fatih Akin. Eigentlich habe er zunächst Crossing the Bridge drehen wollen, doch da ihm dafür die Mittel fehlten, habe er zum Geldverdienen erst einmal gegen die Wand gemacht. Erstaunlich, wie lukrativ solcher Kleinvandalismus heutzutage offenbar ist ...

Wirtschaftspoesie

Schiller ist gewiß nicht als brillanter Kaufmann berühmt geworden. Und doch kann man in seinem Werk ab und an hilfreiche Anregungen für die unternehmerische Betätigung entdecken, wenn man offen für eine gewisse verbale Flexibilität ist:

Drum prüfe, wenn sich ein Kunde bindet
Ob sich nicht noch mehr Umsatz findet

Varianten des Sparens

Bei Aldi-Süd gibt es momentan Walnußöl für 1,49 Euro. Das muß ich natürlich gleich ausprobieren, vor allem weil ich neulich in der Pfalz bei einem Winzer mehr als das Zehnfache für das Fläschchen bezahlt hatte. Also nichts wie hin. An der Kasse gibt es dann eine Überraschung: Vor mir steht Dieter Bohlen - oder zumindest eine Art Doppelgänger, was aber nicht weniger unangenehm ist. Der Kerl fällt durch einen dümmlichen Gesichtsausdruck und eine außerordentlich unvorteilhafte Krawatte auf, wirkt aber gleichzeitig irgendwie durchtrieben. Vermutlich also ein Autohändler oder Versicherungsmakler, überlege ich mir, während ich das Walnußöl aufs Kassenband stelle.

Durchs Fenster sehe ich, wie er in einen VW Phaeton steigt. Dabei kommt mir ein interessanter Gedanke: Der Phaeton hat ja die bemerkenswerte Eigenschaft, ein Fahrzeug für Leute zu sein, die ausgerechnet bei ihrem Luxusauto sparen müssen! Allein für diese Überlegung hat sich das Walnußöl schon gelohnt.

Dienstag, 21. August 2007

Unsinngemäß

"Gemäß des Datenschutzgesetzes" oder "gemäß dem Datenschutzgesetz"? Zwei Drittel aller deutschen Journalisten scheinen die erste Variante zu bevorzugen. Das macht die Sache nicht besser, sondern eher schlimmer, denn leider ist hier nun mal der Dativ gefragt. Wie übrigens auch in "gegenüber dem Nordufer".

Das war's aber auch schon. Ab und zu ein bißchen Besserwisserei soll schließlich gut für den Blutdruck sein ...

Montag, 20. August 2007

Packendes Packeis

Die Spieleplattform Yucata.de gehört zu den feinsten Spieleseiten im Internet. Man kann dort eine ganze Reihe wunderbar gestalteter Brettspiele ausprobieren, zum Beispiel Rosenkönig, Kahuna, Hexxagon oder Just 4 Fun. Hinzu kommt, daß die Spieler dort als besonders nett und umgänglich gelten. Alles gute Gründe, dort die eine oder andere Stunde mit Spielereien zu verschwenden.

Seit heute ist nun endlich ein Spiel online, das ich mir schon seit langem gewünscht habe: Packeis am Pol. Für mich ist PaP schon heute ein moderner Klassiker; es eignet sich sowohl für Wenig- als auch Vielspieler und kann in beliebigen Gruppen gespielt werden. Am kniffligsten ist es natürlich zu zweit, doch auch zu viert macht es noch Spaß. Alvydas Jakeliunas und Günter Cornett haben damit wirklich einen Meilenstein hingelegt.

Sonntag, 19. August 2007

Südlicher geht nicht

Spötter behaupten zwar, die Stadt habe gar keinen; wahr ist aber: Das schöne Städtchen Waldshut ist weitaus besser als sein Ruf, auch wenn es mal zu Österreich gehörte. Dieses klare Fazit ziehen wir aus einer zweitägigen Recherchetour an die Schweizer Grenze. Anlaß war eine Einladung von Nicole & Michael, die nun schon drei Monaten in Waldshut wohnen und uns übers Wochenende einluden. Unser erster Eindruck wird geprägt vom einigermaßen dominanten Kernkraftwerk Leibstadt, das direkt auf der anderen Seite des Rheins auf einem Wiesenidyll thront. Doch keine Bange: Wenn Atomkerne in der Schweiz nur halb so sicher gespalten werden wie Geld vermehrt, droht niemandem auch nur die geringste Gefahr!

Wir spazieren zunächst gemeinsam in die wunderbare Altstadt von Waldshut, trennen uns aber am Unteren Tor: Anke & Nicole gehen (natürlich) shoppen, ich treffe mich mit The Man Himself - Michael wohnt seit einiger Zeit ja wieder in der Gegend. Als erstes begeben wir uns ins angesagteste Eiscafé Lauchringens und spielen dort eine Partie Legie, das Sensationsspiel des sachlich durchaus korrekt benannten tschechischen Verlages Czech Board Games (hier eine deutsche Rezension). Michael ist immerhin angetan, ich aber begeistert: Das Spiel gefällt mir sogar noch besser als der Geniestreich Hive. Bei der Gelegenheit lassen wir uns zu einem Spiel inspirieren, das eines Tages natürlich mal Spiel des Jahres werden soll. Es geht um Schäfer und Schafe, und die Eröffnung vermittelt ein wirklich innovatives Spielgefühl - mehr wird nicht verraten.

Am Abend geht es dann auf die Waldshuter Chilbi. Hintergrund des Volksfestes: Waldshut wurde 1468 von den Schweizern belagert. Während jede andere Stadt auf der Welt es vorgezogen hätte, von den Eidgenossen erobert zu werden, widersetzten sich die störrischen Waldshuter mit einem billigen Trick und wurden so zur Strafe den Barbaren nördlich des Rheins zugeschlagen. Wir sind von dem Schauspiel begeistert und wandern anschließend noch auf die Kirmes. Anke überredet mich zu einem Foto mit einem Lebkuchenherz, das ich mir vorher nicht ansehen darf - ich sage zu und werde reich belohnt.

Sonntag machen wir uns dann auf den Heimweg, schauen aber vorher noch in Freiburg vorbei und besichtigen Münster, das Café Légère und Christianes Wohnung. Ihr dreijähriger Sohn Luca fällt durch bemerkenswerte musikalische Präferenzen auf: Sein Lieblingsinstrument ist ausgerechnet das Fagott. Früher wollten die Jungs wenigstens noch Rockstar werden - quo vadis, Rock'n'Roll ...

Freitag, 17. August 2007

Quod non est in Skype ...

... non est. Seit gestern mittag scheint sich niemand mehr in Skype einloggen zu können (hier Skypes eigene netzmedizinische Diagnose). Der Effekt ist dramatisch: Man ist irgendwie nicht mehr in der Welt. Natürlich könnte man all die Leute anrufen, mit denen man sonst skypet. Aber man scheitert an einer merkwürdigen retro-techno-psychologischen Sperrre: Wenn früher in ganz seltenen Fällen mal das Telefon ausfiel, hat ja auch niemand eine Brieftaube geschickt.

Diese Abhängigkeit ist ziemlich bedenklich ...

Donnerstag, 16. August 2007

Klimismus

Wer die wissenschaftliche Basis der Klimaforschung anzweifelt, wird von einigen Eiferern inzwischen sogar auf eine Ebene mit Holocaust-Leugnern gestellt. Jeff Jacoby vergleicht im Boston Globe die heutige Debatte mit den 70er Jahren, als die Klimaforscher schon mal unisono eine katastrophale Temperaturänderung prognostizierten. Damals war es allerdings eine globale Klimaabkühlung. Mal schauen, was als nächstes kommt.

Über weitere ketzerische Aspekte der Debatte kann man sich in einem ausgezeichneten und amüsanten Edge-Artikel von Freeman Dyson informieren.

Dienstag, 14. August 2007

Luzern ruft

Das Programm des Lucerne Festivals am Piano ist da! Und Karten können auch schon bestellt werden - nun kann der Herbst kommen (oder jedenfalls die Woche vom 19. bis 25. November). Das Künstleraufgebot ist nicht allzu schlecht: Neben alten Haudegen wie Maurizio Pollini, András Schiff oder Alfred Brendel (übrigens mit seinem Baden-Badener Programm) werden auch einige Rohdiamanten erwartet, zum Beispiel der junge finnische Pianist Juho Pohjonen.

Das Programm selbst scheint nicht unbedingt experimentell zu sein. Kein Wunder, immerhin wird der ganze Spaß ja auch von Julius Bär gesponsert. Mal schauen, welches Konzert ich mir anhören werde ...

Montag, 13. August 2007

Opa Oper

Nun ist es also endlich geschehen: Die Vereinigten Staaten besitzen zum ersten Mal in der Geschichte mehr Opernhäuser als Deutschland und Italien. Natürlich nicht pro Kopf der Bevölkerung, aber immerhin in absoluten Zahlen. Die große Leistung besteht darin, daß sich
Opernhäuser drüben bei den Barbaren vor allem privat finanzieren; in Deutschland sind Oper und Klassikkonzert ja Veranstaltungen für die Haute-Volée, die zum allergrößten Teil vom Steuerzahler getragen werden. Manche nennen sie darum mit einigem Recht diebische Elster.

Wie könnte man die Kulturförderung in Deutschland auf eine vernünftige Basis stellen? Der beste Ansatz besteht meiner Meinung nach darin, sie nicht mehr an Kulturproduzenten zu knüpfen, sondern an Kulturkonsumenten. Jeder Bürger könnte einmal jährlich einen Kulturgutschein erhalten, den er in beliebigen Kulturinstitutionen gegen Eintrittskarten eintauschen kann. Ob er sich für Opern- oder Museumsbesuche, Popmusik oder Autorenkino entscheidet, bleibt ihm überlassen. Die bisherige Einteilung in gute (= förderungswürdige) und schlechte (= nicht oder nur wenig förderungswürdige) Kultur würde endlich aufgehoben. Oder kann jemand plausibel begründen, warum eine Aufführung von Figaros Hochzeit stets mit enormen Mitteln gefördert, nicht-klassische Musik meist aber nur mit Almosen abgespeist wird?

Natürlich würde sich die Kulturlandschaft dramatisch ändern. Aber die jetzige Struktur (ein eigenes Opernhaus auf jeder Kuhwiese) ist ja nun wirklich nicht gottgegeben.

Sonntag, 12. August 2007

On the duty of civil disobedience

Seit dem 1. August gilt in der Gastronomie bundesweit ein Rauchverbot. Als Gast freue ich mich natürlich über die bessere Luft. Als Toleranzverfechter bin ich allerdings sehr skeptisch, denn wieder einmal schränkt Rabenvater Staat Freiheitsrechte ein - in diesem Fall die Freiheit von Gastwirten und rauchenden Kneipengästen. Warum soll ein Wirt nicht explizti eine Raucherkneipe betreiben dürfen? Wäre der Gesetzgeber ernsthaft der Meinung, Rauchen sei schädlich, würde er künftig die Schädigung von Passivrauchern unter § 223 StGB fallen lassen. Aber wie so oft geht es natürlich auch beim Rauchverbot nur um Symbolpolitik.

Wie man das Rauchverbot übrigens elegant und vollkommen gesetzeskonform umgehen kann, zeigt der Hoepfer Burghof in Karlsruhe.

Samstag, 11. August 2007

Klingelt's?

Anläßlich eines abendlichen Skype-Chats skizzieren Bernhard und ich spontan einen nobelpreiswürdigen Roman. Er soll "Ein sehr langes Telefonat" heißen und mit "Ich bin's!" beginnen. Bernhard fordert Radikalität: Zwischendurch wird mehrfach das Gerät gewechselt, mehrere Leben werden zerstört, und das andere Ende der Leitung liegt zum Schluß im Sterben. Interessanterweise erfährt man fast nichts über den Ich-Erzähler - tonnenweise Füllstoff über Vorlieben oder seine Meinung über andere, aber sein Leben bleibt völlig unklar. Am Ende erkennt man, daß das Telefonat eine Metapher auf das Leben ist.

Nun müssen wir bloß noch José Saramago davon überzeugen, den Roman in unserem Namen zu schreiben ...