Mittwoch, 11. Februar 2009

Wilhelm III

Wie gibt man unserem neuen Wirtschaftsminister einen neuen Namen, zum Beispiel Wilhelm? Ganz einfach! Erstens: Man manipuliert seinen Wikipedia-Eintrag. Zweitens: Man wartet, bis renommierte Medien sich in ihrer Berichterstattung auf eben diesen Eintrag berufen - eine todsichere Sache, da kein Journalist heutzutage noch die Zeit zu eigener Recherche hat. Und drittens: Man schaut genüßlich zu, wie sich kurze Zeit später die fleißigen Wikipedia-Autoren auf die renommierten Medien berufen. Die Folgerung aus dieser herrlichen Posse kann nur lauten, immer kritisch gegenüber den Medien zu sein, insbesondere gegenüber den medienkritischen.

Strengste Neutralität ist heutzutage eben unerläßlich. Vor allem wenn es um die eigene Neutralität geht.

Mehr Kapitalismus wagen

In einem interessanten F.A.Z.-Interview vertritt Robert Shiller eine Position, die momentan bestimmt nicht zu den populärsten gehört: Man solle die Finanzmärkte ausweiten, nicht stutzen.

Natürlich wird im Artikel wieder einmal darauf hingewiesen, daß die Wirtschaftswissenschaften einer irrigen Annahme folgten: Menschen handelten nämlich nicht immer rein rational. So wenig Fortschritt es in den Wirtschaftswissenschaften auch geben mag, dieser beliebte Vorwurf ist ja nun wirklich absurd. Oder kann mir jemand auch nur ein einziges Modell zum Beispiel aus der Marketing"wissenschaft" zeigen, das von einem rationalen Konsumenten ausgeht?

Dienstag, 10. Februar 2009

Es ist ein Franke!

Da steckt man mitten in der schlimmsten Wirtschaftskrise seit 1929, und wonach wählen die Bauernparteien ihren neuen Wirtschaftsminister aus? Nach dem Regionalproporz der CSU-Bundestagsfraktion. So schlimm kann es ums Land doch gar nicht bestellt sein.

Mittwoch, 4. Februar 2009

Weise Worte (3)

"Die Basis ist die Grundlage des Fundaments."

Henryk M. Broder über einen Satz F.-W. Steinmeiers

Schlag-Sahne (2)

Schlagzeugabend der Klasse Prof. Nakamura. Der Genuit-Saal ist überraschend gut besucht, obwohl es ja nicht direkt um Unterhaltungsmusik geht. Der erste Höhepunkt ist das Solo-Stück Kim von Askell Masson, das zur Überraschung des Publikums schon außerhalb des Konzertsaals beginnt. Drinnen fabriziert Ayumi Kikumoto dann einige der erstaunlichsten Crescendos, die ich jemals gehört habe. Schon verblüffend, was man mit einem Stück Holz, etwas Fell und zwei Schlegeln anstellen kann.

Etwas später spielt Keita Maeda die Rebonds B von Xenakis, die in der Musikhochschule vor einem Jahr schon einmal aufgeführt wurden. Diesmal wirkt das Stück eine Spur filigraner, wenn man das bei dieser harten Komposition überhaupt sagen kann. Xenakis in allen Ehren, aber der beliebteste Handy-Klingelton der Weltjugend wird aus den Rebonds wohl nicht mehr.

Sehr gut gefällt uns auch das Marimba Quartett von Daniel Levitan. Zu Beginn fragen wir uns noch, ob man den melodischen Eindruck nicht auch mit einem einzigen Marimbaphon hinbekäme, doch im Laufe des Stückes wird die Logik der Mehrstimmigkeit klarer. Gegen Ende hin wird es sogar richtig pop-folklorig.

Montag, 2. Februar 2009

Wir sind zwei Berliner

Wieder einmal geht es übers Wochenende nach Berlin. Wieder einmal entführt uns Michael gleich am ersten Tag in ein Restaurant. Und wieder einmal sind wir sehr angetan: Das Pan Asia in den Hackeschen Höfen steht ja in Berlin unter schärfstem Schickimicki-Verdacht, bleibt aber auf uns Provinzler nicht ohne Eindruck. International angehauchte asiatische Küche, und dann auch noch ohne Glutamat - man stelle sich das in Karlsruhe vor!

Samstag machen wir uns dann in aller Frühe (11 Uhr) auf den Weg in die Deutsche Kinemathek, um die Loriot-Hommage anzuschauen. Die Ausstellungsräume sind voller Besucher, die vor Bildschirmen, Zeichnungen oder Textauszügen stehen und fortwährend kichern. Wir staunen selbst über uns, daß wir die Sketche nach Jahrzehnten immer noch so witzig finden wie am ersten Tag. Die Hitchock-Schau in der Kinemathek überzeugt uns allerdings weniger, was soll denn hier überhaupt das Ausstellungsprinzip sein?

Nach einem Käffchen mit Hildebrand, der sich zufälligerweise zu Gesprächen in Berlin aufhält und uns Videos mit Supergrobi und Graf Zahl empfiehlt, trennen sich unsere Wege. Anke trifft sich mit Freunden zum Essen, ich ziehe in den Krieg: Die langgeplante Friedrich-Partie steht an! Martin spielt Preußen, Volker Schweden, Rußland und Frankreich, ich Österreich und die Reichsarmee. In bester habsburgischer Tradition schicke ich meine Generäle nach Schlesien und kündige dem Alten Fritz härteste Schläge an, muß aber ausgerechnet rund um Königgrätz fürchterliche Niederlagen einstecken. Am Ende bricht Preußen allerdings mit seiner Tradition und kapituliert. Grabesruhe ist erste Bürgerpflicht!

Sonntag schauen wir uns noch das Trivialste an, das Berlin derzeit zu bieten hat, die Koonswerke in der Neuen Nationalgalerie. Später schlendern wir am Kunstmarkt an der Museumsinsel entlang und wundern uns über die vielen leeren Verkaufstische. Ist (gar) keine Kunst am Ende die wahre Kunst?

Mittwoch, 28. Januar 2009

Milchmerkelrechnung

Angela Merkel ist stolz. Der Erblastentilgungsfonds (also die Lasten aus der Wiedervereinigung) sei endlich getilgt, juhu! Das wäre eine tolle Nachricht, wenn sie nicht Quatsch wäre. Denn von den ursprünglich 170 Mrd. Euro sind noch nicht einmal 80 Mrd. Euro wirklich getilgt worden, den Rest haben unsere klugen Finanzpolitiker einfach in den normalen Bundeshaushalt überführt, wie Steinbrück jetzt kleinlaut zugeben mußte.

Was ist denn das nun? Einfach nur Unvermögen? Oder die arrogante Überzeugung, daß der Bürger ohnehin nicht begreift, was die Politiker anstellen?

Dienstag, 27. Januar 2009

Bunter Abend in Schloß Gottesaue

Klavier- und Kammermusikabend in der Musikhochschule. Gegeben wird ein buntes Programm von Beethoven über Skrjabin und Hindemith zu Barber. Wunderbar die sehr blumige, farbenreiche Darstellung von Ravels Jeux d'eau durch Carlota Amado. Ich staune immer wieder, wie souverän diese jungen Musiker ihre Instrumente beherrschen. Und das auch bei nicht ganz einfachen Stücken. Wahrscheinlich ist heute jeder 12jährige Musikschüler virtuoser als Heinrich Wilhelm Ernst zu seinen besten Zeiten.

Tzuji Chen tappt bei Samuel Barbers Klaviersonate op. 26 anfangs in die Beethoven-Falle, bringt dann aber ab dem Adagio mesto eine beeindruckende Leistung. Der ganze Genuit-Saal ist wie paralysiert, und am Ende gibt es zum zweiten Mal innerhalb von sieben Tagen fachlich korrekten Beifall.

Montag, 26. Januar 2009

Fangprämie

Wann muß man zahlen, vor oder nach dem Diebstahl?

(gesehen in Metzingen)

Freitag, 23. Januar 2009

Aufgelesen (9)

"Milly ging zur Schule, und er blieb am Tisch sitzen. Die Frühstücksflockenfirma, die Milly mit ihrer Kundschaft beehrte, hatte auf die Schachtel Weatbrix das neueste Abenteuer von Zwerg Doodoo gedruckt. Zwerg Doodoo stieß in einer ziemlich kurzen Folge auf eine Ratte von der Größe eines Bernhardiners, und er verscheuchte die Ratte, indem er tat, als wäre er eine Katze und miaute. Es war eine sehr schlichte Geschichte. Man konnte sie kaum eine Vorbereitung auf das Leben nennen."

Graham Greene, Unser Mann in Havanna

Asocial Network

Oskar Lafontaine kann seine Freude kaum fassen: Die neuen Mindestlohnregelungen sind da, schon in wenigen Monaten wird dadurch die Arbeitslosigkeit in strukturschwachen Gegenden angeheizt und das Wählerpotential der Linkspartei noch einmal erhöht. Juhu! Und das, obwohl doch heut' noch gar nicht Weihnachten ist!

Unsere Symbolpolitiker hoffen nun natürlich darauf, daß die Bürger die neuen Regelungen zumindest bis zur Wahl für eine soziale Wohltat halten. Man hätte sich vorher über die Risiken eines Mindestlohns informieren können, aber angesichts des Rettungsschirms für Banken und andere mußte man handeln: wenn schon unsoziale Politik, dann richtig.

Donnerstag, 22. Januar 2009

Wa(h)re Zukunft

Im lesenswerten Astronomie-Blog Astrodicticum simplex von Florian Freistetter bin ich auf eine schon etwas ältere Tagesschau-Notiz gestoßen, die vor einem halben Jahr irgendwie untergegangen ist: Wahrsager müssen ihren Kunden in Großbritannien nun mitteilen, daß ihre Dienste lediglich Unterhaltungszwecken dienen und bisher experimentell nicht nachgewiesen seien. Wer hätte das gedacht!

Zum Schutze des Verbrauchers sollten als nächstes natürlich Religionen stärker reguliert werden. Oder sind deren Glaubensgrundsätze und Heilsversprechen inzwischen experimentell bestätigt worden?

Mittwoch, 21. Januar 2009

Klatschgeschichte

Klavierabend der Klasse Prof. Kaya Han in Schloß Gottesaue! Auf dem Programm stehen reichlich interessante Stücke, zum Beispiel Shao Yang Yin von Isang Yun. Was das wohl sein mag? Wir werden es nie erfahren, denn kurz vor Konzertbeginn findet Tritett-Erfinderin Geli, daß wir doch lieber ins Erdgeschoß in den Velte-Saal gehen sollten. Dort gibt es einen Kammermusikabend mit Brahms-Werken, angeblich zu seinem 175. Geburtstag.

Wir sitzen keine 2 Minuten auf unseren Plätzen, als plötzlich ein beinahe unerträgliches Quietschen durch den Saal geht. Das Publikum zittert - werden also vielleicht doch Rihm-Stücke gegeben? Doch Entwarnung: bloß eine Rückkopplung in einem Lautsprecher, puh! Dann geht es mit dem Trio op. 114 los. Das Allegro kommt mir ein bißchen verschleiert vor, doch dann tauen die Musiker auf. Nach der Pause zeigen Albrecht Breuninger, Johannes Lüthy, Martin Ostertag und Fany Solter anhand von Brahms' Quartett op. 25. noch einen ganz seltenen Aspekt des deutschen Hochschulwesens auf: Vier Professoren arbeiten in vollkommener Harmonie zusammen, und das auch noch in aller Öffentlichkeit. Sensationell! Das Quartett ist aber auch ein schönes Stück, brahmsischer als das Andante con moto geht es ja kaum.

Auch das Publikum überzeugt. Am Ende spendet es begeistert, aber angemessen Applaus - in Karlsruhe ja keine Selbstverständlichkeit.

Sonntag, 18. Januar 2009

Weise Worte (2)

"Silvana Koch-Mehrin ist unsere Jeanne d'Arc Europas."

Cornelia Pieper, Stellvertretende FDP-Vorsitzende

Dienstag, 13. Januar 2009