Dienstag, 23. Februar 2010

Neues vom Staatsfunk

Stefan Niggemeyer hat in seinem Blog wieder einmal eine Diskussion zur Stellung der öffentlich-rechtlichen Rundfunksender angestoßen. Ich finde zwar, daß wir nichts verlieren würden, wenn es von heute auf morgen keine Öffis mehr gäbe. Doch man kann ja angesichts der zerbröselnden Verlagslandschaft meinetwegen ruhig die Ansicht vertreten, daß wir einen Medientypus brauchen, der nicht streng quoten- oder PI-orientiert arbeitet und zumindest in Teilen dem Allgemeinwohl verpflichtet ist.

Aber selbst wenn man das so sieht – warum muß der öffentlich-rechtliche Rundfunk unbedingt in Molochform organisiert sein? Durch große Anstalten stellt man lediglich sicher, daß es andere Anbieter auf dem Informationsmarkt besonders schwer haben. Wenn man ernsthaft der Ansicht ist, daß es ohne Staatseingriff keine Informationsfreiheit gibt, wäre doch ein anderer Weg viel sinnvoller: Man orientiert sich an anderen Bereichen und gewährleistet die Versorgung der Bevölkerung mit Informationen über entsprechende Ausschreibungen. Eine Stadt möchte, daß ihre Bürger mit lokalen Informationen und Analysen versorgt werden? Dann beauftragt sie ein oder zwei Redaktionsbüros für eine gewisse Zeit mit entsprechender Berichterstattung. Wenn sie sich bewähren, erhalten sie den Auftrag später erneut. Wenn nicht, bekommen andere Journalisten eine Chance.

Natürlich müßte man sicherstellen, daß die Politik nicht einfach willfährige Redaktionen beauftragt. Es ginge also wahrscheinlich nicht ohne starke Bürgerbeteiligung. Selbst wenn man nur die Hälfte der derzeitigen Rundfunkgebühren veranschlägt, könnte man eine unerreichte Dynamik in der Medienlandschaft entfachen.

Aber daran haben unsere Rundfunkpolitiker natürlich kein Interesse.

Kommentare:

  1. Für mich ist dieser Glaube, wir bräuchten einen öffentlichen Rundfunk, nicht nur Ausdruck dieses erschreckend verbreiteten unsinnigen Misstrauens gegenüber den Steuerungskräften des Marktes, sondern auch eines irgendwie ekelhaften Elitedenkens.
    "Wenn nur noch gesendet würde, was die Zuschauer wollen, gibt es doch bald nur noch Dschungelshows, Seifenopern und DSDS. Das blöde Pack erkennt Kultur doch nicht mal, wenn sie ihm ins Gesicht springt."
    Ich bin von dieser Art zu denken vielleicht selbst nicht immer ganz frei, aber dadurch wird sie nicht richtiger.

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  2. Ich finde viel erschreckender, daß sich manche Leute durch die öffentlich-rechtlichen Sender tatsächlich gut informiert fühlen oder gar glauben, daß die Öffis eine Lücke füllen, die die Privaten nicht bedienen können oder wollen. Es mag vereinzelt gute Sendungen geben, aber das rechtfertigt doch keinesfalls 7 Mrd. Euro Gebühreneinnahmen pro Jahr. Man staunt immer wieder, was sich der deutsche Wahl- und Steuerbürger so alles gefallen läßt.

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  3. Ich mag es immer, wenn dann auf irgendwelche Sachen verwiesen wird, die es angeblich nur bei den öffentlichen gibt. Hach. Man kann sich im Moment über so vieles aufregen. Ich sollte stattdessen viel mehr lachen, glaube ich. Macht einfach mehr Spaß.

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