Montag, 20. Juli 2009

Aber bitte mit Sahne

Sommerausflug nach Sasbachwalden! Ich will endlich mal eine echte Schwarzwälder Kirschtorte ("Schwacki") ausprobieren. Schon auf der Hinfahrt kommen mir philosophische Gedanken, ich muß ständig an Thoreau und sein Walden denken.

Und tatsächlich: Als die Kalorien im Sasbachwaldener Engel endlich auf dem Tisch stehen, offenbart sich mir plötzlich die geistliche Dimension der berühmten Süßspeise. Wäre nicht auch eine Schwarzwälder Kirchtorte denkbar? Wahrscheinlich wäre sie ja eine Art asketisches Mürbegebäck mit Salzgeschmack.

Sonntag, 19. Juli 2009

Bei den Schwaben

Ich gehöre ja zu den (sehr) wenigen Baden-Württembergern, die sich tatsächlich als Baden-Württemberger sehen. Wahrscheinlich liegt es daran, daß ich keiner bin. Aus Sicht der Ureinwohner gibt es ja schließlich nur Badener und Schwaben. Die Spannungen zwischen beiden Landeshälften sind legendär. Bis heute fühlen sich die Badener rund um die Uhr über den Tisch gezogen. So hält die halbe Welt Carl Benz für einen schwäbischen Ingenieur. Außerdem hat Stuttgart eine U-Bahn und Karlsruhe (noch) nicht – unerhört!

Ab und zu sollte man aber etwas für die Volkerverständigung tun und den Schritt über die Stammesgrenze wagen. Wir fahren also in die Landeshauptstadt und besichtigen den ersten Fernsehturm der Welt, Stuttgarts Beitrag zur Architektur der Moderne. Auf 150 Meter Höhe sind wir erst einmal ein bißchen enttäuscht: Wie bitte, Milchglasscheiben auf der Aussichtsplattform? Doch die Bausünde entpuppt sich als Hochnebel - Glück bzw. Pech gehabt! Apropos Glück: Am Fuße des Turms feiert der Qualitätsradiosender SWR4 gerade ein "Sommer"fest, doch dank des schlechten Wetters ist kaum etwas los, puh. Ein kategoriengetreuer Volksmusiksänger namens Oliver Thomas kümmert sich auf der Bühne um die musikalische Grundversorgung im Sinne des Rundfunkstaatsvertrages. Wir kümmern uns darum, daß wir möglichst schnell wegkommen.

In der Stadt machen wir eine empörend unschwäbische Erfahrung. Auf manchen Gehwegen ist hier und da ein verwelkendes Laubblatt zu sehen, wir entdecken sogar ein weggeworfenes Kaugummipapier! Hat die Schwabenmetropole Natur und Bürger nicht mehr im Griff? Sorgenvoll setzen wir uns in die sensationelle Zahnradbahn, die uns am Restaurant Wielandshöhe vorbei nach Degerloch befördert. Möglicherweise liest Vincent Klink hier ja nicht mit, aber falls doch: Verordnen Sie Ihrem Laden doch bitte mal eine akzeptable Website!

All die neuen Eindrücke haben uns hungrig gemacht, und so begeben wir uns ins schicke Goi nach Feuerbach. Gaby, Doris und Anke bestellen seriöse Menüs, aber ich entscheide mich natürlich für eine Extrawurst, nämlich das vegetarische Gericht "V8". Das hat Folgen. Beim Bezahlen versucht uns die Bedienung ganz aufgeregt klarzumachen, daß ihre Lieblingsgerichte V3, V4 und V5 seien. V8 sei aber an Muttertag das traditionelle Gericht der buddhistischen Mönche! Bzw. alle Mönche würden vegetarisch essen! Bzw. an Muttertag werden viele Vegetarier in Thailand zu Mönchen! Oder umgekehrt oder so. Wir werden aus ihren Ausführungen nicht schlau, auch wenn die Dame durchaus den einen oder anderen Brocken Deutsch spricht. Am Ende erklärt sie die verblüffte Gaby zur Stammkundin.

Schwabenland, du hast es besser!

Samstag, 23. Mai 2009

Mehr Licht!

Die deutsche Politik widmet sich nun endlich dem Wesentlichen: Ab dem 1. September greift das Glühbirnenverbot. Um die Reichsbürger vor den gefährlichen Leuchtmitteln zu schützen, werden alle Birnen vernichtet, die vom Zoll "abgefangen" werden. Noch müssen sich Glühbirnenverbrecher keine ernsthaften Sorgen machen, da der Kauf der Klimatöter vorerst nicht strafbar sein wird.

Deutsche Vernunftpolitiker weisen aber schon jetzt darauf hin, daß auch Energiesparlampen in Europa keine große Zukunft haben werden.

Bild: KMJ

Dienstag, 19. Mai 2009

Weise Worte (5)

"Wir wissen alle, dass Fernsehen dick, dumm, traurig und gewalttätig macht."

Ursula von der Leyen (zitiert nach stern.de)

Geistige Armut

Der Paritätische Wohlfahrtsverband hat - wie immer unter gehörigem Mediengetöse - seinen neuen Armutsatlas vorgelegt. Das Bild entspricht den Erwartungen: Im Süden sieht es gut aus, im Norden schlecht, im Osten richtig übel.

Damit die Armutswerte aber so richtig schön katastrophal aussehen (fast jeder vierte Mecklenburger ist arm!), haben die Experten sich zweier statistischer Tricks bedient. Zum einen gelten für sie diejenigen als arm, denen weniger als 60 Prozent eines mittleren Durchschnittseinkommens zur Verfügung steht. Im amtlichen Sprachgebrauch ist dies aber die Armutsgefährdungsschwelle, ein wichtiger Unterschied.

Zum anderen nimmt der Wohlfahrtsverband stillschweigend an, daß die Kaufkraft überall in Deutschland gleich groß ist. Aber das Preisniveau in Frankfurt ist nun mal höher als in Halle.

Eine fabelhafte Studie.

Montag, 18. Mai 2009

Pilgerfahrt nach Maulbronn

Sonntag ist UNESCO-Tag! Jedenfalls für uns und für heute. Da ich mir ja schon seit Jahren vornehme, mal nach Maulbronn zu fahren, gondeln wir also gemütlich zum berühmten Zisterzienser-Kloster.

Auf dem Weg dorthin machen wir Station am Aalkistensee und stellen dreierlei fest:1. Der See heißt wirklich so. 2. Sein Name lädt nicht unbedingt zum Bade ein. 3. Man darf dort auch gar nicht baden. 4. Die Zahl drei ist auch nicht mehr das, was sie mal war.

In Maulbronn ist dann erst einmal Staunen angesagt. Das Kloster ist wirklich erstaunlich groß, erstaunlich gut erhalten und ganz allgemein überhaupt erstaunlich: Die Zisterzienser waren ja ein Reform-Orden, der sich ganz bewußt gegen den Reichtum der Benediktiner wandte - und was fällt den Burschen in Maulbronn ein? Sie basteln sich erst mal ein neues Riesenkloster, dessen Bau über Jahrzehnte Unsummen verschlingt. Der Herrenchor (Bild) erinnert uns ungemein an die Inquisition.

Für die Rückfahrt schlage ich den effizientesten Umweg vor, den wir auf die schnelle finden können, nämlich über Unteröwisheim (sprich: Unneroise). Doch dem Ort geschieht das Schlimmste, das einem Kulturstandort mit überregionaler Bedeutung passieren kann: Wir merken es nicht einmal, als wir durchfahren.

Sonntag, 10. Mai 2009

Zum Schießen

Die stets sachorientierte Bundesregierung hatte endlich ein Einsehen und wird eine Sportart verbieten, die die freiheitlich-demokratische Grundordnung schon lange bedroht: Paintball. An diesem Entschluß ist nichts auszusetzen. Vollkommen korrekt ist auch, echte Schußwaffen eben nicht zu verbieten, schließlich sind Schützenvereine vielerorts wichtige Träger der politischen Lokalkultur.

Höchst befremdlich ist allerdings, daß Schneeballschlachten künftig noch erlaubt sein werden. Hier erhalten unsere Kinder in jüngsten Jahren eine kriegerische Prägung, die spätere Gewaltexzesse bedingen kann.



PS: Auch die Bundeswehr setzt ein klares Zeichen gegen Gewalt und lockt Elfjährige nicht mit Paintball an ihre Panzer, sondern mit Beachvolleyball.

Samstag, 9. Mai 2009

Münte droht mit Überfall auf Luxemburg

Obercharmeur Müntefering läßt sich zu der (nicht nur rund um den 8. Mai) unfaßbar dummen Bemerkung hinreißen, daß man früher Soldaten in Steueroasen geschickt hätte, Jean-Claude Juncker kontert mit dem vollkommen berechtigten Hinweis, daß Luxemburg ja schon einmal unter deutscher Besatzung gelitten habe.

Und welche Schlagzeile bastelt das Boulevardmagazin Spiegel online aus der Affäre? Juncker vergleicht Kritik an Steueroasen mit Nazi-Besatzung.

Der Nazi-Vergleich ist und bleibt eben die V2 unter den Metaphern.

Bei den Bauern in Bayern

CSU, das ist natürlich 100 % Bayern. Bayern ist aber nicht 100 % CSU! Diese erfreuliche Ungleichung beseitigt unsere letzte Zweifel hinsichtlich eines verlängerten Ausflugs nach Oberbayern. Also los!

Auf dem Weg nach Berchtesgaden machen wir zunächst Halt am Chiemsee. Wir haben nicht unbedingt Glück mit dem Wetter, deuten aber die regnerische Stimmung mystisch um und machen eine merkwürdige Erfahrung: Bei der märchenhaften Kulisse versteht man die Skurrilitäten von Ludwig II. viel besser!

Apropos Verständis für historische Figuren. Wenig später stehen wir auf dem Obersalzberg und begreifen mit einem Mal, wie schnell sich hoch droben im Gebirg' auch ein Hanswurst für einen Weltpolitiker halten kann. Bei dem Panorama wirken selbst absurdeste militärische Fehlentscheidungen plötzlich ganz vernünftig! Natürlich hat auch unsere sehr typische Bergpension Führerblick. Direkt nebenan können wir sogar bayerische Landfrauen bei der Arbeit beobachten, siehe Bild links oben. Am Königssee machen wir natürlich das obligatorische Klischeefoto am Malerblick und begeben uns dann auf eine Salzzeitreise ins Berchtesgadener Bergwerk. Es ist ja gar nicht selbstverständlich, daß eine steinreiche Stadt mit Salz soviel Kohle macht.

Und dann geht es auch schon wieder gen Westen - wir machen einen Abstecher zu Doris & Markus ins Starnberger Land. Seen und gesehen werden, wäre das nicht ein passender Slogan für diese bemerkenswerte Gegend? Doch wir halten uns nicht mit regionalen Werbestrategien auf, sondern befassen uns gleich mit dem Wesentlichen: einem herrlichen malzigen Doppelbock im Biergarten der Klosterbrauerei Andechs. Plötzlich stehen zwei bayerische Halbstarke am Tisch und betteln unter Alkoholeinfluß um Brot. Sind Lebensmittel unter Seehofer so knapp geworden? Doch wir kommen ja aus Baden-Württemberg und teilen christlich unsere Brezn.

Entsprechend geht es tags drauf in der Wieskirche zu. Ich lausche ergriffen einem Prediger, der ganz ernsthaft vom "christlichen deutschen Strafrecht" spricht und gegen die barbarische US-Justiz wettert. In einem Nebenraum dann die Entdeckung des Tages: eine schriftlich verfaßte Fürbitte in ländlich-elegantem Stil, daß doch mit der Schuldnerberatung alles gutgehen möge! Himmel, mit welchen Trivialitäten muß man sich als Schöpfer heutzutage eigentlich noch befassen?


Unsere Reise führt uns weiter ins mittel-alterliche Füssen, wo wir ganz begeistert vom Hohen Schloß sind. Wegen des sehr mystischen Wetters wirkt es wie die Burg eines fiesen Oberschurken. Und tatsächlich: Heute sitzt dort das Finanzamt, na also! Abends im La Perla schneide ich deutlich besser ab als Anke, meine Dorade ist wirklich fantastisch. Am nächsten Morgen versuchen wir natürlich wie die 200 Millionen Besucher vor uns, Neuschwanstein ganz einzigartig zu fotografieren - mit ungewissem Erfolg. Überhaupt, das Allgäu und die Fotografie! Die ganze Gegend besteht ja praktisch ausschließlich aus Bildmotiven, weswegen oft unterschlagen wird, daß praktisch überall auch bayerisches Aroma in der Luft liegt (Jägersauce).

Ach ja, Neuschwanstein ... König Ludwig II. verstand Schloßbau ja als kostspielige Therapie, um wenigstens einige seiner Neurosen in den Griff zu bekommen. Heute würde man ihm wohl eine Playstation spendieren, er müßte sich letztlich nicht in den Starnberger See schmeißen, und alle hätten ihre Ruhe. Allerdings müßte man dann auf die vorbildlich effizienten Fließbandführungen durch das Schloß verzichten. Wir werden der Kohorte 163 zugeordnet und sind ganz erstaunt, als wir am Ende feststellen, daß unser Führungsroboter ein Mensch aus Fleisch und Blut ist!

Unsere Reise endet ganz zivil mit drei erholsamen Tagen am Alpsee bei Immenstadt.

Freitag, 8. Mai 2009

Weise Worte (4)

"A single ill-considered remark can generate more bad publicity than years of ill-considered policies."

Barack Obama, The Audacity of Hope

Montag, 27. April 2009

Contra Reli

Berlin hat entschieden. Die gottlosen Ketzer an der Spree haben gegen den Vorschlag der Initiative Pro Reli gestimmt, bronzezeitliche Mythologie wieder zu einem Wahlpflichtfach an Schulen zu machen. Es bleibt also beim Pflichtfach Ethik - wenn ein Schüler möchte, kann er aber zusätzlich Religion belegen.

Nun stellt sich die Frage, welche amüsanten schulpolitischen Konflikte demnächst noch ausgetragen werden können. Wie wäre es mit einer Aktion Pro Milchmädchenrechnung, die sich gegen den Zwang zum Mathematikunterricht wendet? Möglich wären natürlich aber auch Fächer wie CDU-Lehre oder SPD-Kunde, für die sich die Schüler statt Gemeinschaftskunde entscheiden könnten.

Bild: Wikipedia

Samstag, 25. April 2009

Zensursula

Nicht mal 20 Jahre nach Ende der letzten Diktatur auf deutschem Boden ist es der Vernunftpolitikerin Ursula von der Leyen gelungen, endlich wieder eine funktionierende Zensurinfrastruktur einzuführen. Leider zunächst nur fürs Internet - but there's much room for improvement.

Wer diese große und unbedingt sachorientierte Politikerin öffentlich ehren möchte, kann zu diesem Zweck hier ein kostenloses T-Shirt bestellen. Es fallen nur Versandkosten an.

Montag, 20. April 2009

Fett, Mann!

Nun hat es die Wissenschaft endlich bestätigt: Dicke sind Mörder, weil durch ihre Lebenweise unnötig viel Todesgas in die Atmosphäre gelangt.

Montag, 6. April 2009

Grobi-Lästerung

Aktivisten haben Geld gesammelt und möchten Werbeflächen auf Bussen belegen: "Es gibt keinen Grobi. Ein erfülltes Leben braucht keine Sesamstraße". Doch überall mauern die Verkehrsbetriebe, weil sie Imageschäden befürchten.

Wenn die Gegenseite hingegen auf Plakaten behauptet, daß man ohne Ernie & Bert in die Hölle kommt, gibt es keine Probleme.