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Donnerstag, 26. April 2007

Freibeuter des Weins

Im Winter gibt es im Weinforum an der Durlacher Allee nur relativ wenige Verkostungsabende. Wenn's draußen kalt und ungemütlich ist, müßte Joachim Rieth-Vogt schon Stunden vorher die Heizung hochdrehen, und der rabiate Temperaturwechsel würde seinen Weinen wohl nicht besonders gut bekommen. Also wartet er liebere auf wärmere Zeiten.

Doch jetzt ist ja endlich Frühling - und es gibt wieder Weinproben, juhu! Heute steht ein Weißweinabend an, es treten verschiedene Weiß- und Grauburgunder aus Italien, Baden und der Pfalz gegeneinander an. Natürlich sind die Flaschen wie immer verhüllt, damit niemand durch das Etikett beeinflußt wird. Gemeinerweise hat Joachim Rieth-Vogt einen Piraten eingeschmuggelt: Einer der zwölf Weine ist kein Weiß- oder Grauburgunder. Und wir sollen nun herausfinden, welcher. Keine leichte Aufgabe ...

Nach mehr als zwei Stunden wird das Rätsel gelöst: Der Pirat war Wein Nummer 10, und nur eine Teilnehmerin hat es gewußt (oder geraten?). Die Rebsorte ist allerdings auch höchst ungewöhnlich: Sie heißt nach ihrem Züchter Philipp Cuntz, niemand von uns hat je von ihr gehört. Produziert hat sie der Weißwein-Spezialist Klaus Scheu aus dem schönen Schweigen. Mir hat an dem Abend aber die Weißburgunder-Spätlese von Heiner Sauer aus Böchingen am besten gefallen (aus der berühmten Burgunder-Lage Godramsteiner Münzberg - dort wächst ja auch die leckere Cuvee Gustav). Sie wirkt sehr harmonisch und hat einen feinen Nußton. Im Urteil aller Weinfreunde an diesem Abend landet der feine Tropfen allerdings nur auf dem zweiten Platz.

Denn der Sieg geht - an den Piraten! Wieder einmal ein Beweis dafür, daß die bösen Jungs am Ende meist als Gewinner vom Platz gehen.

Freitag, 29. Juni 2007

Sardinien-Weinprobe

Joachim Rieth-Vogt vom Weinforum ist mal wieder der Meinung, daß wir reif für die Insel sind, und lädt darum zur großen Sardinien-Weinprobe ein. Wie immer hat er zwölf Weine mit Charakter ausgesucht, die in Dreiergruppen gegeneinander antreten - neun rote, drei weiße. Den Spitzenplatz erhält am Ende des Abends nicht zum ersten Mal ein Biowein: der 2001er Cannonau di Sardegna Le Ghiaie von Meloni. "Le ghiaie" heißt übrigens "der Schotter", was nicht unbedingt mit dem Preis zusammenhängt: Das Fläschchen gibt es nämlich schon für knapp 16 Euro. Bettina und mir gefällt vor allem die deutliche Sherry-Note des feinen Tropfens. Zwischen den Verkostungsrunden reicht der Hausherr wie immer Brot und diverse Köstlichkeiten. Mjam!

Freitag, 29. August 2008

Warum in die Ferne schweifen,
wenn die Nahe liegt so nah

Streng fachliche Verkostung im Weinforum. Diesmal geht es um Rieslinge von der Nahe. Joachim Rieth-Vogt war wieder mal gemein und hat gleich zwei Piraten eingeschmuggelt, die es herauszufinden gilt. Höchst angestrengt probiert die weinselige Runde die zwölf Kandidaten, aber die Unterschiede zwischen den einzelnen Tropfen sind minimal. Der eine ist ein bißchen knackiger, der andere ein bißchen weicher, ein dritter vielleicht ein wenig vegetativer. Aber tolle, sehr gut trinkbare Rieslinge sind sie allesamt.

Am Ende landet die Grauschiefer-Spätlese vom Weingut Lindenhof auf dem ersten Platz. Mein Favorit ist allerdings der Riesling S von Rainer Marx aus Windesheim, der einen interessanten, aber sehr zarten Nebenton mitbringt. Ach ja, die Piraten stammen übrigens aus Baden-Baden und Forst in der Pfalz.

Als wir auch noch die Flaschenpreise erfahren, ist das Erstaunen groß: Die Weine kosten zwischen 4 Euro und 9,20 Euro. Auf an die Nahe!

Freitag, 1. Dezember 2006

Tom in KA

Hoher Besuch aus Hamburg: Mein Chef reist an, um in Karlsruhe nach dem Rechten zu sehen. Natürlich hat er sein neuestes Spielzeug mitgebracht, ein MacBook Pro. Es ist hübsch, praktisch und schnell. Nun bin ich nicht unbedingt ein Apple-Fan. Wäre die Firma eine Diktatur, gehörte ich wohl zu den Regimegegnern - immerhin habe ich jahrelang unter dem System gelitten. Inzwischen scheint Mac OS aber tatsächlich zum großen Konkurrenten aufgeschlossen zu haben. Es gibt weiterhin keinen überzeugenden Grund für den Wechsel, aber immerhin auch keinen mehr dagegen. Wenn mir Tom eines Tages eine Gehaltserhöhung spendiert, schlage ich vielleicht sogar zu.

Die zwei Tage vergehen wie im Flug. Wir nehmen alles mit, was Karlsruhe zu bieten hat: ein Mittagessen mit Geli in der Postgalerie, zwei halbe Hähnchen in der Gockelburg, dazwischen noch eine Mini-Weinprobe im Weinforum, bei der wir einen tollen (aber leider nicht ganz billigen) Franzosen aufstöbern. Abends schleppt uns Hildebrand auf eine Party von New-Economy-Überlebenden in Ettlingen: Der ehemalige WEB.DE-Marketingchef feiert seinen Abschied und hat lauter Menschen eingeladen, die dabeiwaren, unter anderem die lustigsten Leute von 1&1 und ComBOTS. Wir verzichten großzügig bzw. dummerweise auf Akquisegespräche, trinken brav unsere Red Bulls und ziehen dann weiter auf ein Konzert von tok tok tok. Diese Freiburger Band spielt leichten Soul mit einer Prise Jazz, und Tom kauft sogar eine CD. Mir gefällt besonders der Keyboarder. Er scheint in den 70er Jahren hängengeblieben zu sein und erinnert in einigen Passagen an Rick Wright.

Am nächsten Tag treffen wir noch Lena, unsere Elitestudentin. Sie kommt gerade vom Flughafen München, wo sie sich mit der dortigen Logistik beschäftigt hat. Wir staunen und beschließen, im nächsten Leben auch an der Uni Karlsruhe zu studieren.